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Früher Facebook-Nutzer : „Facebook hat mein Leben verändert“

  • Aktualisiert am

Herzlichen Glückwunsch: Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit sind bereits Mitglied bei Facebook Bild: AFP

Facebook wird zehn Jahre alt. Was fasziniert die Menschen so daran, dass 1,2 Milliarden Leute die Seite benutzen? Wir haben ein frühes Facebook-Mitglied gefragt.

          2 Min.

          Herr Rosen, Sie sind schon 2006 Facebook-Mitglied geworden, also bevor es die Seite auf Deutsch gab. Da waren Sie doch sicher im Austausch in Amerika.

          Nein, ich war im Auslandssemester in Australien. Meine Kommilitonen haben immer Partyfotos auf Facebook hochgeladen, auf denen ich auch war. In Deutschland hatte das damals fast niemand. Damals war Facebook ja noch zugangsbeschränkt. Und als ich nach Deutschland zurückgekommen bin, habe ich vorgeschlagen, die Universität Magdeburg aufzunehmen.

          Dann müssen Sie sehr fasziniert gewesen sein.

          In Deutschland gab es damals StudiVZ, aber Facebook war viel besser. Irgendwann sind dann alle meine Freunde auf Facebook gewesen, dann wurde es noch viel toller. Ich fand es gut, dass ich auf einen Blick sehen konnte, was meine Freunde gemacht haben und welche Fotos sie hochgeladen haben. Das war wie eine persönliche Zeitung.

          ... die Ihnen etwas über Ihre Freunde erzählt, ohne dass Sie mit ihnen reden müssen?

          Man kann ja nicht mit jedem jeden Tag sprechen, und so bleibe ich trotzdem auf dem Laufenden. Das hat die ganze Art verändert, wie ich lebe.

          Das Facebook-Profilbild von Aaron Rosen (31). Er ist im Mai 2006 Facebook-Mitglied geworden. Heute arbeitet er als Online-Marketing-Manager.
          Das Facebook-Profilbild von Aaron Rosen (31). Er ist im Mai 2006 Facebook-Mitglied geworden. Heute arbeitet er als Online-Marketing-Manager. : Bild: privat

          Das ganze Leben verändert? Ist das nicht ein bisschen viel?

          Schauen Sie: Ich war jetzt am Wochenende in San Francisco. Da war ich schon vor Jahren und habe Leute kennen gelernt. Früher wäre ich nach Hause gegangen, und die Verbindung wäre verloren gegangen. Durch Facebook geht die Verbindung nicht verloren. Sie ist nicht besonders stark, aber als ich wieder nach San Francisco gekommen bin, habe ich einige Freunde von mir getroffen. Meine Mutter hat über Facebook ihre zwei liebsten Schulfreundinnen aus ihrer Schulzeit in Amerika wiedergefunden, zu denen sie den Kontakt verloren hatte. Und ich habe so meine erste Stelle nach dem Studium gefunden.

          Wie ging das?

          Ein Bekannter von mir hat auf Facebook gepostet, dass er Leute mit Kundendienst-Erfahrung sucht. Darauf habe ich mich gemeldet. So ähnlich hat mir Facebook vor ein paar Tagen geholfen: Ich brauchte einen deutschen Satz auf Türkisch und auf Russisch übersetzt. Ich wusste nicht, wer das machen könnte - aber ich habe es auf Facebook gepostet. Plötzlich kam eine alte Klassenkameradin von mir und übersetzte es auf Türkisch, der Ex-Freund einer Freundin übersetzte es auf Russisch - in zehn Minuten. Es passiert einfach vieles über die losen Verbindungen mit Leuten, mit denen man wenig Kontakt hält, aber sich freut, wenn man sie wieder sieht.

          Ist nicht genau das die Gefahr? Man postet etwas peinliches, und es sehen viele Leute - auch die losen Verbindungen, denen man es lieber nicht gezeigt hätte. Haben Sie nie etwas gepostet, das Sie hinterher bereut haben?

          Nein, tut mir Leid.

          Das ist ja fast unsympathisch.

          Ich habe zwar 1139 Facebook-Freunde, aber die Leute, mit denen ich nur beruflich zu tun habe, sehen meine Status-Updates normalerweise gar nicht. Und ich habe noch eine extra Gruppe mit meinen besten Freunden für Dinge, die ich nur mit denen teilen möchte.

          Mit den amerikanischen Geheimdiensten teilen Sie das dann aber auch.

          Wenn die NSA ein Interesse daran hat, was ich mache, dann werden die auch meine Telefongespräche mithören und meine E-Mails mitlesen, die ich auf Yahoo schreibe, und dann ist es auch völlig egal, ob sie auf Facebook mitlesen oder nicht. Wenn ich ein Terrorist wäre, könnten sie das auch so mitkriegen.

          Was ein Terrorist ist, definiert ja die Regierung. Facebook macht es schon leichter, das Verhalten zu analysieren.

          Mir ist vor allem wichtig, dass ich bestimmen kann, ob nur meine Freunde meine Posts sehen oder die ganze Welt.

          Manchen scheint das nicht zu reichen. Es heißt, Facebook sei out. Sie beschäftigen sich beruflich mit der Seite - wie sehen Sie das?

          Manchmal gibt es schon Leute, die gerade keine Lust mehr auf Facebook haben, und dann schreiben sie weniger, aber trotzdem sind alle noch irgendwie dabei. Tumblr, WhatsApp und die anderen kommen dazu, aber ersetzen Facebook nicht. Facebook ist der zentrale Ort. Ich habe zum Beispiel einen Mentee, der ist 16 und sagt mir, dass er Facebook nicht so viel nutze. Aber wenn ich ihm bei Facebook schreibe, antwortet er innerhalb von zehn Minuten.

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