https://www.faz.net/-gqm-7r2w1

AGB erst später geändert : Facebooks Psycho-Experiment war wohl nicht erlaubt

Facebook änderte seine Nutzungsbedingungen wohl zu spät. Bild: dpa

Facebook manipulierte bewusst die Emotionen von mehr als einer halben Million Nutzer. Jetzt kommt heraus: Das war wohl illegal, die Nutzungsbedingungen wurden erst im Nachhinein geändert.

          1 Min.

          Facebooks Psycho-Experiment hat zu einem riesengroßen Aufschrei in Deutschland geführt. Das soziale Netzwerk manipulierte die Newsfeeds von mehr als einer halben Million seiner Nutzer. Das ganze war Teil eines großen Experiments um zu sehen, ob sich Stimmungen auch über das Internet viral verbreiten und die Laune der Nutzer ändern. Facebook verteidigte sich und erklärte den Sinn der Studie. Außerdem hätten die Nutzer des sozialen Netzwerkes der Datenauswertung in den Nutzungsbedingungen zugestimmt.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch jetzt kommt heraus: Das ganze war allen Beteuerungen zum Trotz wohl doch nicht erlaubt. Denn erst vier Monate, nachdem die Studie durchgeführt wurde, änderte Facebook seine Datenverwendungsrichtlinie und erlaubte die Auswertung zu Forschungszwecken - das berichtet zumindest das Nachrichtenmagazin Forbes. In der Richtlinie steht, zu welchen Zwecken und wie Daten ausgewertet und auch manipuliert werden können. Denn was viele Nutzer nicht im Kopf haben: Die Daten werden jeden Tag manipuliert. Manchmal wird für einen Teil der Nutzer eine andere Version der Seite angezeigt, um zu sehen, welches Design besser funktioniert oder die Werbung wird anders platziert um zu sehen, wo sie besser geklickt wird.

          Doch die strittigen Punkte, beispielsweise dass Facebook Nutzerdaten zu Forschungszwecken nutzen darf, wurden erst im Mai 2012 hinzugefügt – vier Monate nach dem Test. Etwa, dass die Nutzerdaten zu Forschungszwecken genutzt werden. Auch wenn Nutzungsbedingungen kaum gelesen werden und die Nutzer meist einfach per Klick vorgeben, sie gelesen zu haben: Wenn das Magazin Forbes Recht hat, ist es es rechtlich äußerst zweifelhaft, was Facebook da im Januar 2012 gemacht hat.

          Facebook bestreitet den Vorwurf komplett, ein Sprecher sagte zu Forbes: “Uns vorzuwerfen, wir würden irgendwelche Forschungen ohne Zustimmung der Nutzer vornehmen, ist komplette Fiktion.“ Doch gleichzeitig kann Facebook nicht erklären, warum die Datenverwendungsrichtlinie erst so spät geändert wurde.

          Facebook : Kritiker bezeichnen heimliches Facebook-Experiment als unethisch

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Bundestag : Scholz’ Minister vereidigt

          Jetzt ist das Kabinett von Olaf Scholz offiziell im Amt: Nachdem der Bundespräsident die Minister ernannt hat, haben sie vor dem Bundestag den Amtseid abgelegt.
          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

          Gewaltphantasien in Chatgruppe : Ermittlungen nach Mordplänen gegen Kretschmer

          Nach einem Fernsehbericht über Gewaltphantasien in einer Telegram-Chatgruppe ermittelt die sächsische Terrorabwehr. Mitglieder der Gruppe hatten dazu aufgerufen, Sachsens Ministerpräsidenten wegen seiner Corona-Politik „aufzuhängen“.
          Offiziell von Anlegern verpönt, tatsächlich gefragt: Ölinvestitionen

          Energiewende : Geldquellen für Öl versiegen nicht

          Öl, Gas und Kohle werden am Aktienmarkt zunehmend kritisch gesehen. Doch abseits der Börse pumpen Großinvestoren Milliarden in die Branche.