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Mehr Mitglieder, mehr Geld, mehr Wert : Warum Facebook alle überrascht hat

Ein Facebook-Mitarbeiter in der Zentrale in Menlo Park im Silicon Valley. Bild: AP

„Das ist doch eine Blase“: Oft wurde Facebook in den vergangenen Jahren totgesagt. Doch das Netzwerk hat eine Hürde nach der anderen genommen. Jetzt feiert es seinen Erfolg. Aber noch gibt es Risiken.

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          Wie es Facebook in den vergangenen Jahren erging, das war ganz nach dem Geschmack der Deutschen. Das muss doch eine Blase sein, hatten sie gesagt. Bald kommt das Netzwerk aus der Mode, bald ziehen die Leute weiter. Die informierten Bilanzkenner bemängelten, dass Facebook zu wenig Geld mit Handy-Werbung verdiente.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich sah es schlecht aus für Facebook: Der Börsengang wurde zur Blamage, weil die Börsencomputer überfordert waren und die Banken aus dem Börsengang noch den letzten Cent herauspressen wollten. Nach dem Börsengang stürzte der Kurs ab. Bald zeigten Zahlen, wie sich junge Leute von Facebook abwandten. Neuere Dienste wie WhatsApp, Instagram oder Tumblr galten als cooler. Kein Wunder, sagten die Datenschützer: Facebook spioniert seine Nutzer halt viel zu sehr aus.

          Doch das ist lange her. Wer heute auf Facebook guckt, sieht ein Unternehmen auf der Höhe seines Schaffens - und die Geschäftszahlen, die das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag veröffentlicht hat, malen dieses Bild in leuchtenden Farben.

          Die Konkurrenz jedenfalls ist abgehängt. Hatte Google in den vergangenen Jahren noch probiert, mit „Google Plus“ ein eigenes soziales Netzwerk auf die Beine zu stellen, zieht es jetzt die Entwickler ab - und der Vorgänger Orkut wird geschlossen.

          Gleichzeitig ist deutlich geworden, dass Jugendliche Facebook doch nicht in Scharen verlassen. Mag auch die Nutzerzahl leicht zurückgehen - in den vergangenen Wochen hat eine Umfrage gezeigt: Facebook ist selbst unter den Jugendlichen der Vereinigten Staaten immer noch doppelt so beliebt wie alle anderen Netzwerke zusammen.

          Der jüngste Finanzbericht, den Facebook heute Nacht vorgelegt hat, zeigt: Facebook kann seinen Erfolg auch zu Geld machen.

          Facebook gewinnt weiterhin Nutzer und hat jetzt 1,3 Milliarden Leute auf seinem Netzwerk - so viele Einwohner hat ganz China. Die meisten neuen Mitglieder stammen zwar aus vor Asien und Afrika, wo schwer Geld zu verdienen ist.

          Doch das Unternehmen hat ganz offensichtlich auch sein Problem mit der Handy-Werbung gelöst. In den Nachrichtenstrom von Freunden schickt Facebook jetzt auch Nachrichten von Unternehmen, die dafür bezahlen - mit solchen Ideen hat es Facebook geschafft, Handy-Werbung zu einem größeren Geschäft zu machen als die stationäre Werbung. Kein Wunder, dass der Aktienkurs ein neues Allzeit-Hoch erreicht hat. An der Börse ist Facebook jetzt fast 200 Milliarden Dollar wert.

          Natürlich bleiben immer Risiken. Das Kartellamt könnte eingreifen, Facebook könnte das Vertrauen der Nutzer endgültig verspielen oder unser Kommunikationsverhalten über soziale Netzwerke ändert sich radikal. 


          Was kann Facebook jetzt noch aufhalten?


            Das Kartellamt

            Nahezu jeder Internetkonzern aus den Vereinigten Staaten hatte schon mit ihr zutun: Der Europäischen Kommission und ganz besonders mit dem Wettbewerskommissar. Microsoft musste eine Geldbuße von einer halben Milliarde Dollar zahlen und verschiedene Internet-Browser anbieten. Googles mühsam ausgehandelte Einigung mit dem aktuellen Kommissar Joaquín Almunia steht auf wackligen Beinen, es ist wieder alles im Gespräch zwischen einer Zerschlagung und einer hohen Geldstrafe.

            Mangelnde Sensibilität gegenüber den eigenen Nutzern

            StudiVZ machte es vor: Das ehemals größte deutsches soziale Netzwerk ist nun in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ein Grund von vielen ist das mangelnde Vertrauen in den Datenschutz. Auch Facebook ist auf dem bestem Wege, Vertrauen zu verspielen: Die sozialen Experimente, die mit den Nutzern durchgeführt wurden, verunsicherten besonders in Deutschland viele. Noch ist es den Nutzern augenscheinlich egal, was Facebook mit den Daten macht. Doch irgendwann könnte das Fass voll sein und die Stimmung umschlagen.

            Ein verändertes Nutzungsverhalten von sozialen Medien.

            Heute nicht vorstellbar, aber soziale Medien könnten schlicht und einfach an Bedeutung verlieren. Das kann auf mehreren Wegen passieren: Es ist zumindest vorstellbar, dass Nutzer irgendwann nicht mehr so über das Internet kommunizieren und sich informieren wie wir heute. Nicht umsonst kaufte Facebook den Nachrichtendienst Whatsapp, um am Puls der Zeit zu bleiben.

            Andere soziale Netzwerke

            Heute schwer vorstellbar. Aber es war auch früher schwer vorstellbar, dass sich die Nutzer von StudiVZ oder MySpace abwenden. Doch schon heute gibt es zumindest Anzeichen dafür: Besonders jüngere Nutzer wandern zu Alternativen wie Twitter, Snapchat oder Instagram. Die Konkurrenz ist hart. Und vielleicht kommt irgendwann aus dem Nichts ein neues soziales Netzwerk, was alles besser und anders macht und so irgendwann Facebook bedeutungslos.


          Doch selbst diese Risiken müssen für Facebook als Konzern nicht übermäßig gefährlich werden. In den vergangenen Monaten hat Facebook auch eines bewiesen: Im Zweifel kann es sich coole neue Webseiten immer noch dazukaufen - wie es das zum Beispiel mit dem Fotodienst Instagram und dem Kurznachrichten-Service WhatsApp gezeigt hat.

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