https://www.faz.net/-gqm-ziqn

Facebook : Kauf dir deine Fans

  • -Aktualisiert am

Facebook: Freunde zum Schnäppchenpreis Bild: dpa

Egal ob Musikgruppen oder Unternehmen - alle haben Fans bei Facebook. Denn jeder Fan ist ein Werbeträger. Wer sie nicht von allein bekommt, kann sie kaufen - zum Schnäppchenpreis.

          3 Min.

          Selbstdarstellung ist in Zeiten des Internets so wichtig wie nie. Eine eigene Firmenseite in der Internetgemeinschaft Facebook gehört mittlerweile dazu. Ob Werbung für neue Produkte oder Fotos des neuen Büromitarbeiters: Alles findet Platz auf der sogenannten „Fanpage“. Auf diese Seite können Menschen, die bei Facebook angemeldet sind, surfen und nachlesen, was gerade los ist im Unternehmen. Gefällt ihnen das, was sie sehen, können sie auf einen berühmten Button drücken: „Like“ steht darauf und ein Daumen zeigt nach oben (siehe Bild rechts). Wer ihn drückt, ist Fan der Seite. Und das ist es, was die Firmen interessiert.

          Denn jeder Fan ist ein Werbeträger. Er erhält automatisch alle Neuigkeiten, die auf der Fanpage veröffentlicht werden. Und seine Freunde im Netzwerk sehen auf ihrer Mitteilungsseite, die immer aufpoppt, wenn man sich anmeldet, dass er Fan geworden ist. Läuft es gut für den Fanpage-Betreiber, passiert dann Folgendes: Neugierige Freunde klicken auf den Link, der zur Fanpage führt, und sind von ihr ebenfalls so angetan, dass sie den „Like-Button“ drücken. Noch mehr Fans.

          Je mehr Fans eine Seite hat, desto attraktiver wirkt sie auf andere. „Seiten mit vielen Fans werden oft als relevanter und wichtiger wahrgenommen“, sagt Mirko Lange, Inhaber der PR-Agentur Talkabout Communications. Der Herdentrieb macht sich eben auch bei Facebook bemerkbar: Ein Nutzer schließt sich gerne der Fanpage an, die schon viele Fans hat.

          Viele Fans viel Aufmerksamkeit?

          Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die Anzahl der Fans den Firmen wichtig ist. „Auch in Medienberichten spielt sie eine große Rolle“, sagt Lange. Sie wird gern als Hinweis für die Bedeutung einer Fanpage herangezogen, für die Beliebtheit eines Unternehmens oder einer Person. Man erinnere sich nur an die Zeit um den Rücktritt des einstigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg: Beinahe täglich wurde über die neuesten Zuwächse auf den Fanpages der Guttenberg-Anhänger und Guttenberg-Gegner berichtet.

          Daher glauben auch weitgehend unbekannte Unternehmen, dass viele Fans viel Aufmerksamkeit garantieren. Und um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, mit wenigen Fans im Daten-Nirwana herumzudümpeln, greifen manche zu einem Trick: Sie kaufen sich Fans.

          Das ist ganz leicht. Beispielsweise beim Internet-Auktionsportal Ebay. Dort findet man schnell verlockende Angebote: „10.000 Fans für deine Facebook Seite“ heißt es da, für nur 199 Euro, bei kostenlosem Versand. Das macht umgerechnet nicht einmal zwei Cent pro Fan. Ein echtes Schnäppchen, wie es scheint. Viel günstiger jedenfalls, als über teure Marketingaktionen oder Gewinnspiele Leute auf die eigene Seite zu locken.

          Wer die Fans sind, woher sie kommen und wie sie überhaupt Fans der gewünschten Seite werden, erfährt man selten. Nur die erst wenige Wochen alte Website namens Fanslave.de zeigt offen, wie sie diese Fans generiert. Gleich neben dem Aufruf „Facebook Fans kaufen“ findet man ein weiteres Angebot: „Geld verdienen“ – bei Facebook. Facebook–Nutzer, die sich bei Fanslave anmelden, sollen demnach für Klicks auf den „Like-Button“ bestimmter Fanpages Centbeträge erhalten. Und die Fanpage-Besitzer somit ihre bei Fanslave gekauften Fans.

          Rechtliche Bedenken

          Dass Anbieter wie Fanslave bei einem Blick ins Impressum – so es denn überhaupt eines gibt – eher dubios anmuten und in diversen Internetforen vor falschen Versprechungen und Abzockern gewarnt wird, verwundert nicht. Daneben gibt es auch rechtliche Bedenken. Thomas Schwenke, Rechtsanwalt mit Fachgebiet Social Media, sieht in Fan-Käufen „irreführende Werbung“, da durch manipulierte Fan-Zahlen Verbraucher getäuscht und Mitbewerber beeinträchtig werden können. „Wer Fans kauft, riskiert eine Abmahnung von Mitbewerbern und Wettbewerbszentralen“, sagt er. Auch ein Einschreiten durch Facebook selbst sei möglich.

          In der Kölner Agentur für digitales und interaktives Marketing Dom war man sich dessen zwar bewusst, aber gleichzeitig auch neugierig und wollte gerne selbst ausprobieren, was nach einem Fan-Kauf passiert. Ohne große Erwartungen orderte man also 1000 Fans. Ein paar Tage später seien die dann tatsächlich auf der Fanpage des Unternehmens aufgetaucht, wie Redaktionsleiterin Marie Pulm erzählt. Bei näherer Betrachtung sei man stutzig geworden: „Es hatte den Anschein, dass die Fans überwiegend aus Albanien kamen“, sagt Plum. „Wir haben dann sogar ein paar Statusmeldungen auf Albanisch verfasst.“ Doch die Reaktion war dürftig, und schon nach kurzer Zeit verließen die ersten die Seite wieder.

          Wenn die Fans weder aktiv sind noch die eigene Sprache sprechen, stellt sich die Frage, wie sinnvoll solch ein Fan-Kauf ist. Darauf haben Experten für Social Media eine klare Antwort: Gekaufte Fans sind bloße Kosmetik. Nur echte Fans interagieren und haben einen Werbeeffekt. Und Mirko Lange ist überzeugt: „Echte Fans gewinnt man nur im echten Leben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Digitalisierung aller Lebensbereiche beschleunigt sich. Das Foto zeigt einen Serverraum in einem Rechenzentrum des Internetdienstanbieters 1&1.

          Inflation : Keine Rückkehr in die alte Welt

          Die Politik muss sich darauf einstellen, dass sich wichtige wirtschaftliche Parameter nach der Pandemie verändern. Das betrifft nicht nur die Inflation.
          „Bayern“ für Deutschland. Als dieses Bild 2015 entstand, kehrte die Fregatte von einem Einsatz vor Somalia zurück

          Deutschland entsendet Fregatte : Flagge zeigen im südchinesischen Meer

          Mit einem ganzen Flottenverband kann die Deutsche Marine schon mangels Masse im Fernen Osten nicht aufwarten. Aber die Fregatte Bayern soll China wenigstens demonstrieren, dass Berlin an der Freiheit der Meere interessiert ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.