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Sheryl Sandberg : Perfekter als perfekt

Bei der Elite: Sheryl Sandberg im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Bild: AFP

Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ist die berühmteste Managerin der Welt. Jetzt vermarktet sie sogar die Trauer um ihren verstorbenen Mann.

          Sheryl Sandberg ist perfekt, beängstigend perfekt, sogar wenn sie trauert. Wer gedacht hatte, der plötzliche Herztod ihres Mannes vor zwei Jahren könnte die Facebook-Chefin, die zu den einflussreichsten Frauen der Welt zählt, aus dem Tritt bringen, sie gar umhauen, der sieht sich getäuscht.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Gegenteil ist der Fall: Der Schicksalsschlag hat die junge Witwe nur noch tougher gemacht, noch berühmter, unangreifbarer. Perfekter als perfekt. Wenn eine Frau in Amerika Präsidentin kann, dann sie – Ambitionen in Richtung Weißes Haus wurden der Top-Managerin in der Vergangenheit durchaus zugeschrieben. Immerhin hat die 47-jährige Harvard-Absolventin einst in Washington ihre Karriere begonnen, als sie ihrem Mentor Larry Summers erst zur Weltbank und dann als Stabschefin ins Finanzministerium folgte. „Unglaublich schlau und einzigartig ehrgeizig“ sei sie damals schon gewesen, heißt es von Leuten, die sie dort erlebt haben.

          Nach einer Wahlniederlage der Demokraten wechselte sie an die Westküste in die Tech-Industrie, stieg bei Google auf, wurde 2008 Mark Zuckerbergs engste Vertraute und damit die mächtigste Frau im Silicon Valley. Sandberg schien unaufhaltsam, zierte jedes Podium, stand ununterbrochen im Rampenlicht und zeigte auch ihr privates Glück mit Mann und zwei süßen Kindern öffentlich auf Facebook – bis zu jenem Tag, als David Goldberg im Mexiko-Urlaub auf dem Laufband zusammenbrach und starb.

          Alles wird geteilt, auch das eigene Leid

          Andere wären danach in Trauer versunken, nicht so Sandberg. Eine Woche später saß sie wieder auf ihrem Arbeitsplatz bei Facebook. Das sei besser für die beiden kleinen Kinder, hatte ihr ein Freund und Psychologe geraten. Seither macht die Facebook-Managerin konsequent, was die digitalen Helden im Silicon Valley am besten können:

          Sie teilen mit anderen, auch wenn es das eigene Leid ist. „Sharing“ nennt sich die Idee dahinter, mit der die Internetunternehmer in den vergangenen Jahren Reichtümer anhäuften. Immer geht es ums Teilen. Bei Uber teilen die Menschen ihr Auto, bei Airbnb teilen sie ihre Wohnung und bei Facebook Geschichten, Bilder, Träume und Gefühle.

          Geteiltes Leid ist halbes Leid, weiß der Volksmund. Was das im digitalen Zeitalter heißt, hat uns Sheryl Sandberg nun gelehrt. Gefühle wie Trauer und Schmerz werden heute im sozialen Netzwerk verarbeitet. Stirbt ein Haustier, posten die Besitzer die letzten Bilder des geliebten Tiers und nehmen so Abschied von Hund oder Katze.

          „Dein Mann war Option A, die gibt es nicht mehr.“

          Nach den Terroranschlägen in Paris erzählten Hinterbliebene im Netz von ihrem Leid, luden Bilder der im „Bataclan“-Club kurz vor ihrem Tod Tanzenden hoch, von Kleidungsstücken, die sie an dem Abend trugen. Die Geschichten gingen über Facebook um die Welt, rührten andere zu Tränen. Und alle fühlten sich ein bisschen besser. Getröstet. Verbunden.

          So funktioniert Facebook. Die Chefs des sozialen Netzwerks verdienen daran nicht nur prächtig, sie leben auch die Idee dahinter. Nur Stunden nach der Beerdigung ihres Mannes David Goldberg hatte Sheryl Sandberg ihre Trauerrede auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Eine perfekte Trauerrede, bei der jedes einzelne Wort saß. Für jedermann einsehbar, hundertausendfach geliked, 78 000 Mal kommentiert.

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          Einen Monat später, nach Ablauf der jüdischen Trauerfrist, legte Sandberg mit einem außergewöhnlich leidenschaftlichen Facebook-Eintrag nach, einer Art Trauer-Fibel. Darin beschreibt sie eine Schlüsselszene: Ein enger Freund bot sich als „Ersatz-Papi“ an, um sie auf eine Schulveranstaltung der Kinder zu begleiten. Sandberg lehnte ab. Das sei nicht das Gleiche, wie wenn ihr verstorbener Mann mitgekommen wäre. Der Freund antwortete: „Dein Mann war Option A, die gibt es nicht mehr. Jetzt geht es darum, das Beste aus Option B zu machen.“ Im Original: To kick the shit out of option B.

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