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Facebook : „Gefällt mir“ gefällt nicht

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Facebook-Mitglieder, die während ihrer Websurftour nicht bei diesem sozialen Netzwerk angemeldet sind, geben spätestens beim Klicken auf einen Like-Button neben ihrer IP-Adresse und der Webadresse der aufgesuchten Seite auch noch Datum, Zeit, Browser-Typ und die eindeutige Cookie-Kennung preis. In der Regel reicht aber bereits der Aufruf der Seite. Doch kann es hier zu unterschiedlichem Seitenverhalten kommen, das davon abhängt, wie die Software mit dem „Gefällt mir“-Button eingebunden ist. In der Regel werden die persönlichen Daten des Surfers beim Aufruf der Website an Facebook übertragen, spätestens beim Klick auf den Button kommt es jedoch auf alle Fälle zur Datenübertragung, welche die Cookie-Kennung mit einschließt.

Über diese Cookie-Kennung kann ein Facebook-Mitglied identifiziert werden, wenn es sich zu einem späteren Zeitpunkt beim sozialen Netzwerk anmeldet. Natürlich können Internetsurfer die Installation des Cookies in ihrem Browser verhindern. Entweder vermeiden sie es konsequent, die Website „Facebook.com“ aufzusuchen. Dann hat Facebook keine Chance, den Spionage-Krümel aufzuspielen. Oder man blockiere im Browser prinzipiell die Speicherung von Cookies. Allerdings funktionieren dann nicht nur die „Gefällt mir“-Buttons nicht mehr, sondern auch zahlreiche andere Funktionen auf diversen Websites versagen ihren Dienst. „Das Surfen im Internet macht mit abgeschalteten Cookies einfach keinen Spaß“, bringt das eine 20-jährige Facebook-Nutzerin auf den Punkt.

Das Problem liegt in der Programmierung der „Gefällt mir“-Buttons und seiner Einbindung in die Websites. Die Facebook-Entwickler haben diese Buttons so angelegt, dass jede Website, die einen solchen Button hat, auch Software beziehungsweise den entsprechenden Quelltext der Websitebeschreibungssprache einbindet. Dabei wird der Browser des Internetnutzers veranlasst, die Webadresse der aufgerufenen Webseite, wie zum Beispiel www.bundesregierung.de, zusammen mit dem Facebook-Cookie und der IP-Adresse des Nutzers an die Server von Facebook zu senden.

Datensammelei beim bloßen Seitenaufruf unterbinden

Diese Browser-Routine läuft automatisch ab. Der Internetsurfer hat keine Möglichkeit, hier etwas zu stoppen oder auf den Programmablauf einzuwirken. Deshalb haben einige Betreiber von Websites, wie zum Beispiel der Südwestrundfunk oder der Zeitschriftenverlag Heise, den „Gefällt mir“-Button von Facebook verändert.

Beim SWR wird nicht der originale Facebook-Quelltext für den „Gefällt mir“-Button auf den Browser des Internetnutzers übertragen. Vielmehr wird ein einfacher Link zum Facebook-Button aufgerufen, der in einem eigenen Browser-Fenster dargestellt wird. Die persönlichen Daten des Surfers werden erst in einem zweiten Schritt beim Klick auf den original Facebook-Button an den Server des sozialen Netzwerks übermittelt. So wird die Datensammelei beim bloßen Seitenaufruf unterbunden, und es kann ein Informations- oder Warntext zwischen dem ersten „Gefällt mir“-Klick und dem zweiten eingebaut werden.

Diese datenschutzfreundlichere Lösung ist gleich von zwei Seiten heftig kritisiert worden. Facebook bemängelt, dass damit der Original-Facebook-Button unzulässig verändert werde. Und den Datenschützern in Schleswig-Holstein reicht diese „Zwei-Klick-Lösung“ nicht aus. „Die Profilbildung bei Facebook lässt sich derart nicht verhindern“, bemängelt das Kieler Datenschutzzentrum. Inzwischen hat sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in den Streit eingeschaltet und will vermitteln. Daraufhin erklärten sich Facebook-Vertreter prinzipiell bereit, an einer Datenschutz-Selbstregulierung der Branche mitzuarbeiten. Allerdings hat die in Hamburg ansässige Facebook Deutschland GmbH bisher weder den Verhaltenskodex zum Jugendschutz noch den Verhaltenskodex der Anbieter von Social Communities bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Anbieter unterzeichnet. Der Social-Network-Betreiber begründet diese Weigerung mit Zuständigkeiten. Facebook Europe habe seinen Sitz in Dublin, deshalb sei die irische Datenschutzbehörde zuständig - und keine deutschen Behörden.

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