https://www.faz.net/-gqm-6pzbt

Facebook : „Gefällt mir“ gefällt nicht

  • -Aktualisiert am

Und so räumten schließlich die Facebook-Vertreter ein: „Wenn ein Nicht-Facebook-Nutzer eine Seite mit einem Like-Button aufruft, erhalten wir bestimmte Daten über den Besuch inklusive Datum, Zeit, URL und den Browser-Typ.“ Dazu muss nicht einmal der Like-Button angeklickt werden. Diese persönlichen Daten landen auf Facebook-Servern und werden dort weiterverarbeitet. Facebook hat dabei lediglich ausgeschlossen, dass die seinen Servern übermittelten tatsächlichen IP-Adressen aus Deutschland in sogenannte Logfiles geschrieben werden. Ob und wie diese IP-Adressen sonst noch gespeichert und verarbeitet werden, bleibt unklar. Klar ist: IP-Adressen aus anderen Ländern werden als echte und jederzeit rückverfolgbare IP-Adressen in den Logfiles gespeichert.

Diese eher harmlose Sammeltechnik betrifft allerdings nicht diejenigen Nicht-Facebook-Mitglieder, die schon einmal die Website „Facebook.com“ mit ihrem Browser aufgerufen haben. Dann ist man über einen Cookie mit eindeutiger Kennung identifizierbar. Die Software-Plätzchen bleiben nach dem Besuch der Website „facebook.com“ zwei Jahre im Browser des Anwenders aktiv, sofern man sie nicht manuell löscht. Mit diesem Cookie kann in rein technischer Hinsicht ein Computernutzer problemlos identifiziert werden. Die von ihm besuchten Websites können in einem Interessen- und Nutzerprofil zusammengestellt werden.

Nur bei laufenden Facebook-Sitzungen

Das Verhalten eines solchen Websurfers, der noch nicht einmal Mitglied bei Facebook ist, kann also genau nachvollzogen werden. „Tracking“ nennen die Fachleute diese Art der Webspionage. Sie wird besonders gern von der werbetreibenden Industrie in den Vereinigten Staaten genutzt, um die persönlichen Vorlieben von Webnutzern herauszufinden. Facebook versichert zwar, dass die Tracking-Funktion nicht für die Profilerstellung genutzt werde. „Vor allem hilft uns das Cookie dabei, verdächtige Aktivitäten wie fehlgeschlagene Log-in-Versuche oder die mehrfache Erstellung von Spam-Accounts zu verhindern“, erklärt man. Tatsächlich kann auch ein Nichtmitglied von Facebook auf diese Weise per Cookie-Identifizierung dingfest gemacht werden, wenn es beispielsweise versucht, in Webserver einzudringen, indem es nacheinander viele Benutzernamen und Passwörter ausprobiert. Auch die Identität von Websurfern, die unerlaubte Spam-Mail versenden wollen und dafür entsprechende Benutzerkonten anlegen, lässt sich mit IP-Adresse und Cookie ermitteln.

Ruft nun ein Facebook-Mitglied eine Website mit einem „Gefällt mir“-Button auf, werden seine persönlichen Daten bis hin zur Identitätsnummer seiner laufenden Facebook-Sitzung an den Betreiber des sozialen Netzwerkes übermittelt. In einem solchen Fall kann Facebook detailliert beobachten, welche Websites das Mitglied besucht.

Das setzt allerdings voraus, dass der Internetsurfer während dieser Zeit bei Facebook angemeldet ist. Nur bei laufenden Facebook-Sitzungen kann nämlich die Sitzungs-ID mit übertragen werden. Ist das der Fall, steht der gezielten Profilbildung und Auswertung des individuellen Nutzerverhaltens nichts mehr entgegen.

„Das Surfen macht mit abgeschalteten Cookies einfach keinen Spaß“

Weitere Themen

Macht sie verantwortlich!

Hetze im Internet : Macht sie verantwortlich!

Die Bundesregierung will, dass Plattformen Hass und Hetze im Netz künftig selbst anzeigen. Das wird Staatsanwälte überlasten und greift zu kurz: Wir müssen an die Konzerne selbst heran. Ein Gastbeitrag.

Topmeldungen

Zurück nach Europa : Greta findet Mitsegel-Gelegenheit

Um es noch rechtzeitig zur Weltklimakonferenz nach Madrid zu schaffen, muss Greta Thunberg bald in See stechen. Ein australisches Youtuber-Paar bringt sie über den Atlantik. Außerdem sieht sie etwas Gutes an Donald Trump.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.