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Das Personal : Zuckerbergs Botschafterin

Sheryl Sandberg ist das repräsentative Aushängeschild von Facebook. Der geplante Börsengang dürfte ihr Privatvermögen sprunghaft ansteigen lassen. Bild: AFP

Sheryl Sandberg ist das parkettsichere Gegenstück zu Facebook-Gründer Zuckerberg: Die Botschafterin des Konzerns hat gute Drähte nach Washington und gibt Partys, zu denen auch mal Lady Gaga erscheint.

          Sheryl Sandberg fühlt sich in vielen Welten wohl. Vor ein paar Monaten war sie in ihrem Haus in der kalifornischen Nobelgemeinde Atherton Gastgeberin eines kunterbunt besetzten Abends, der Spenden für die Wahlkampfkasse des amerikanischen Präsidenten Barack Obama bringen sollte. Nicht nur der Präsident selbst kam zu Sandberg, auch Popstar Lady Gaga war unter den Gästen. Das war sicher ganz nach dem Geschmack von Sandberg, die als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft des sozialen Netzwerks Facebook führt und damit die Nummer zwei hinter dem Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg ist.

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          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sandberg ist das parkettsichere Gegenstück zu dem oft linkisch wirkenden Zuckerberg - und somit eine ideale Botschafterin für Facebook. Diese Rolle spielt sie oft, gerne und weltweit. Gerade erst trat sie bei der Internetkonferenz DLD in München auf, dann reiste sie weiter zum Weltwirtschaftsforum nach Davos, wo sie eine von mehreren Konferenzvorsitzenden war.

          Sandberg hat schon ausgesorgt

          Die 42 Jahre alte Sandberg gehört zu den Superstars der Internetbranche, obwohl sie weder ganz an der Spitze eines Unternehmens steht noch eine Gründerin ist. Aber sie hat Glanzkarrieren bei gleich zwei Internetgiganten hingelegt, erst Google, jetzt Facebook. Sie hat in beiden Unternehmen in stürmischen Phasen ihres Wachstums entscheidende Rollen gespielt. In Kürze wird sie auch sagen können, dass sie bei zwei Mega-Börsengängen an Bord war. Sie arbeitete für Google, als der Internetkonzern 2004 seine Premiere an der Börse hatte. Und nun, da Facebook an die Börse strebt, ist Sandberg wieder mit von der Partie. Der Konzern hat vor Kurzem seinen Börsenprospekt bei der Aufsichtsbehörde SEC eingereicht. Damit hat die heiße Phase für den Börsengang beginnen, der in wenigen Monaten über die Bühne gehen könnte.

          Der Börsengang dürfte auch das persönliche Vermögen von Sandberg sprunghaft ansteigen lassen, jedenfalls auf dem Papier - denn Zuckerberg dürfte Sandberg beim Abwerben von Google mit einem umfangreichen Paket an Facebook-Aktien gelockt haben. Freilich hat Sandberg wohl schon seit dem Börsengang von Google finanziell ausgesorgt.

          Gute Bilanz bei Google

          Zuckerberg hat Sandberg 2008 als eine Art „Erwachsene vom Dienst“ angeheuert, als erfahrene Managerin, die etwas Ordnung in das Gründerchaos eines jungen Unternehmens bringen kann. Ähnlich haben dies in der Vergangenheit auch andere Internetgesellschaften wie Google oder Ebay getan, deren Gründer sich Unterstützung von außen holten. Sandberg konnte auf eine gute Bilanz bei Google verweisen: Sie stieg 2001 ein, als das Unternehmen gerade 300 Mitarbeiter hatte, und spielte eine maßgebliche Rolle dabei, das damals noch in den Anfängen steckende Werbegeschäft von Google zu einer Goldgrube zu machen. Als Zuckerberg sie abwarb, trug sie die konzernweite Verantwortung für den Anzeigenvertrieb.

          Vor Google war Sandberg zwischen Wirtschaft und Politik hin und hergewechselt: Sie studierte Volks- und Betriebswirtschaft an der Eliteuniversität Harvard, wo Larry Summers ihr Mentor wurde, für den sie später arbeitete, als er Chefökonom der Weltbank und amerikanischer Finanzminister war. Im Finanzministerium war sie Stabschefin von Summers. Zwischenzeitlich arbeitete Sandberg auch für die Unternehmensberatung McKinsey. Zuckerberg überließ Sandberg bei Facebook zwar nicht den Vorstandsvorsitz, aber er stattete sie mit viel Autorität aus. Grob gesagt fällt in ihre Verantwortung alles außer der Produkttechnologie. Sie ist zum Beispiel für den Vertrieb zuständig und überwacht die Kommunikation nach außen - auch im politischen Umfeld, was angesichts der vielen Datenschutzkontroversen eine immer wichtigere Aufgabe wird.

          Nutzergemeinde verzehnfacht

          Als Sandberg zu Facebook stieß, hatte die Seite noch weniger als 70 Millionen Mitglieder und kaum Einnahmen. Für Zuckerberg war es lange oberste Priorität, Facebook als populäre Kommunikationsplattform zu etablieren. Damals war zweitrangig, wie damit Geld zu machen ist. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, Facebook erzielt mittlerweile Werbeumsätze in Milliardenhöhe. Die Nutzergemeinde ist auf mehr als 800 Millionen Mitglieder gewachsen.

          Sandberg hat Berufschancen und Karriereförderung von Frauen zu einem persönlichen Anliegen gemacht. Bei Reden und Podiumsdiskussionen macht sie dies immer wieder zum Thema, zuletzt in Davos. Die Zeitschrift „Business Week“ schrieb, dass sie in ihrem Haus regelmäßig eine Art Stammtisch mit berufstätigen Frauen aus dem Silicon Valley veranstaltet, zu denen sie prominente Redner einlädt. Sandberg selbst schafft es offenbar, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen - freilich mit Ressourcen, die nicht jeder zur Verfügung hat. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, ihr Mann David Goldberg ist Vorstandsvorsitzender des Internetunternehmens Survey Monkey.

          Gute Drähte nach Washington

          Es wird oft spekuliert, wie lange Sandberg bei Facebook bleiben will. Nach Google und Facebook stünden ihr nach Auffassung von Branchenkennern viele Türen offen, um Vorstandsvorsitzende eines anderen Unternehmens zu werden. Als ebenso denkbar gilt angesichts der guten Drähte, die sie nach Washington hat, eine Rückkehr in die Politik. Sie selbst wiegelt naturgemäß ab - und sagt, sie sei zufrieden mit ihrer gegenwärtigen Rolle bei Facebook.

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