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Das Geschäftsmodell : Das Rätsel Facebook

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zu einer Lichtgestalt - Mark Zuckerberg Bild: Illustration: Charis Tsevis

Am Freitag geht es los: Facebook geht an die Börse. Doch die Zweifel wachsen. Wie will Mark Zuckerbergs Netzwerk in Zukunft Geld verdienen?

          Um sein neuestes Angebot zu testen, ist Mark Zuckerberg bis nach Neuseeland gegangen. Hier fand der Gründer von Facebook perfekte Bedingungen vor: ein abgelegenes Land mit vergleichsweise wenigen Einwohnern, die aber alle Englisch sprechen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So mancher Neuseeländer staunte darum nicht schlecht, als er in den vergangenen Tagen in seinem Facebook-Profil eine neue Funktion namens „Highlight“ entdeckte. Für ein, zwei Dollar können diese Mitglieder sich die Aufmerksamkeit ihrer Facebook-Freunde erkaufen: Wer zahlt, dessen Meldung wird in den Profilen der Freunde prominent plaziert, so dass wichtige Neuigkeiten - „Hurra, neuer Job!“ - nicht untergehen zwischen all den Katzenfotos, Party-Berichten oder Klagen über Zahnweh.

          Bezahlte Nachrichten - das wäre ein gewaltiger Tabubruch von Facebook. Bisher galt die Devise, dass keiner der rund 900 Millionen Nutzer auch nur einen Cent zahlen muss für die Teilnahme am größten sozialen Netzwerk der Welt. Premiumangebote gibt es nicht, es gilt der Einheits-Nulltarif. Nur Werbekunden zahlen. Dass Zuckerberg das Image von Facebook als Gratis-Freundesclub aufs Spiel setzt und auch noch indirekt zugibt, dass im Facebook-Nachrichtenbrei wichtige Botschaften ungehört bleiben können, das zeigt: Facebook wird nervös. Vor dem Börsengang sucht das Unternehmen fieberhaft nach neuen Einnahmequellen.

          Der größte Börsengang einer Internetfirma in der Geschichte

          Dabei läuft nach außen alles hervorragend. Wenn die Facebook-Aktie an diesem Freitag zum ersten Mal unter dem Kürzel „FB“ an der Technologiebörse Nasdaq notiert, könnte das soziale Netzwerk nach Schätzungen zwischen 77 und 96 Milliarden Dollar wert sein. Es wird der wohl größte Börsengang einer Internetfirma in der Geschichte der Wall Street, und selbst gestandene Industriekonzerne können nicht mehr mithalten. Siemens beispielsweise kommt auf umgerechnet fast zehn Milliarden Euro weniger Börsenwert als Zuckerberg und seine Truppe.

          Was also macht Zuckerberg nervös? Wohl vor allem die Angst, ein zentrales Versprechen an die künftigen Aktionäre nicht einhalten zu können - und dieses allein entscheidet über Erfolg und Misserfolg an der Börse. Es lautet: Wir werden auch in Zukunft weiter wachsen und ordentlich Geld verdienen.

          Auf den ersten Blick gehört Facebook da nicht zu den Sorgenkindern: Eine Milliarde Dollar betrug der Gewinn im Jahr 2011, das ist eine stattliche Summe. Doch um den Blick zurück scheren sich Börsianer in der Regel nur wenig. „Es geht um die künftige Ertragsperspektive“, sagt Christoph Bruns, Chef der Fondsgesellschaft Loys in Chicago. „Dass sich das Wachstumsmodell von Facebook gut in die Zukunft fortschreiben lässt, ist keineswegs sicher.“

          Ein Umsatz von 1,21 Dollar - pro Nutzer

          Tatsächlich spaltet diese Frage die Anleger in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen manche Großinvestoren, die der Aktie einen Sensationsstart zutrauen. Auf der anderen Seite finden sich Zweifler wie Staranleger Warren Buffett, der verkündet hat, von Facebook werde er die Finger lassen.

          Wer recht behalten wird, hängt am Ende vor allem von einem Punkt ab: Gelingt es dem Internetkonzern, aus seinen 900 Millionen Nutzern Kapital zu schlagen oder nicht? Denn so beeindruckend die schiere Mitgliederzahl auch ist - je Nutzer erzielt Facebook derzeit nur einen Umsatz von 1,21 Dollar.

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