https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/der-facebook-boersengang/atlas-facebook-trackt-nutzer-mit-cookies-google-angriff-13171111.html

Neues Werbenetzwerk : So verfolgt Facebook seine Nutzer durchs Internet

Hier könnte ihre Werbung stehen: Facebook will attraktiver für Vermarkter werden. Bild: AFP

Facebook kontrolliert künftig, auf welchen Webseiten seine Mitglieder unterwegs sind. Damit sie für Werbung besser erreichbar werden.

          2 Min.

          Früher schaute man in den Atlas, heute sucht man bei Google Maps. Werber schauen heute auf Google, doch bald vielleicht auf Atlas. Wie das Wall Street Journal berichtet, öffnet Facebook in der kommenden Woche eine neue Werbeplattform namens Atlas. Die Plattform soll die Weiterentwicklung von Atlas Solutions sein, einer Firma, die Facebook im vergangenen Jahr von Microsoft gekauft hat.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Idee dahinter: Die neue Plattform soll es Vermarktern erleichtern, ihre Werbezielgruppen - also die Nutzer - zu erreichen. Zudem sollen sie so besser messen können, wie die geschaltete Werbung im Netz wirkt. Auf der Advertising Week Conference in New York soll das neue Programm vorgestellt werden, das auch eine Art automatisches Anzeigen-Kaufwerkzeug beinhaltet. Facebook verspricht damit den Werbekunden zugeschnittene Anzeigen für Facebook-Mitglieder - nicht nur auf der Seite, sondern auch wenn sie sich woanders durchs Netz bewegen. Das betrifft nicht nur Seiten wie etwa Spotify oder Dawanda, auf denen man sich heute schon bequem für Nutzer und Netzwerk mit Facebook einloggen kann, sondern soll dann auch personalisierte Werbung für Seiten ohne Facebook-Login liefern.

          Mit dem neuen Anzeigen-Netzwerk will Facebook Google Marktanteile im Werbemarkt abjagen. Google verdient noch deutlich mehr mit Werbung, im zweiten Quartal 2014 waren es 14,36 Milliarden Dollar Umsatz. Facebook hat im gleichen Zeitraum 2,68 Milliarden Dollar mit Werbung eingenommen. Für Vermarkter ist Facebook trotzdem interessant, weil das Netzwerk viel mehr über potentielle Kunden weiß als Alter und Heimatland.

          Die alten „Cookies“ sind nicht schlau genug

          Facebook weiß auch, welche Bands man mag, welche Kleidung man online kauft oder welche Nachrichtenthemen einen besonders interessieren. Auch Facebooks Fanseiten-Suche wird immer beliebter - und verrät dem Unternehmen einiges über die Vorlieben der Nutzer. Der Vorstoß im Werbemarkt läuft an verschiedenen Fronten: In seinem sozialen Foto-Netzwerk „Instagram“ schaltet Facebook seit gestern in den Vereinigten Staaten und Großbritannien als Test auch personalisierte Werbeanzeigen, die auf Daten aus dem Facebook-Netzwerk basieren sollen.

          Bislang erhalten Werber ihre Informationen über potentielle Kunden vor allem über Cookies, also kleinen Datenschnipsel, an denen die Werber Informationen über das Surfverhalten gewinnen können, darunter etwa die besuchten Seiten. Das Problem für die Anzeigenindustrie ist laut Vermarktern, dass diese Cookies oft ungenau sind und vor allem nicht gut auf Smartphones und Tablets funktionieren. 

          Die neue Anzeigenplattform soll besser funktionieren als herkömmliche Cookies, weil sie die Nutzer an ihrem Facebook-Profill erkennt. Sie ist daher für Werbefachleute gerade dann interessant, wenn sie die Nutzer beim Surfen auf dem Handy erreichen wollen: „Nutzer verbringen inzwischen mehr Zeit mobil im Netz als am Desktop“, sagte ein Werbefachmann, der mit den Plänen Facebooks vertraut ist, dem Wall Street Journal. „Das könnte uns endlich möglich machen, auch im mobilen Markt zu investieren.“

          Was bedeutet das für die Nutzer? Aufmerksam bleiben und regelmäßig die Facebook-Nutzungseinstellungen kontrollieren: So kann man in den Einstellungen (Pfeil rechts oben am Rand) und dann unter dem Reiter „Werbeanzeigen“ (direkter Link) einstellen, was Facebook tun darf. Unter den Allgemeinen Einstellungen kann man sich zudem eine Kopie seiner Facebook-Daten herunterladen, um einen Eindruck zu gewinnen, was das Netzwerk über seine Nutzer speichert, darunter etwa die Login-Zeiten und -Orte.

          Auch Cookies kann man leicht löschen oder blockieren im Browser, Internetnutzer können ihre Spuren auch mit Browser-Erweiterungen wie Ghostery verwischen und genau bestimmen, welche Informationen Webseiten an Vermarkter weiterschicken.

          Weitere Themen

          Google will doch weiter tracken

          Online-Werbung : Google will doch weiter tracken

          Cookies nerven viele Nutzer. Google will sie verbannen und arbeitet an einem Nachfolger. Eigentlich wollte der Konzern damit auch das Tracking beenden. Doch jetzt gibt es eine Kehrtwende.

          US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu Video-Seite öffnen

          Im März : US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu

          Angesichts der hohen Inflationsrate steuert die US-Notenbank Fed auf eine Erhöhung der Leitzinsen zu. Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank die Leitzinsen beim nächsten Treffen des Gremiums im März anheben könnte.

          Topmeldungen