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„Anonymous Login“ : Facebook erlaubt ein bisschen Anonymität

Will auch beim Datenschutz Erster sein: Netzwerk-Gründer Mark Zuckerberg Bild: AFP

Facebook-Nutzer können in Zukunft wählen, ob und welche persönlichen Daten sie an Anwendungen Dritter innerhalb des Netzwerks weitergeben möchten. Das Angebot hat allerdings zwei Seiten.

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          Bisher war die Sache für Facebook klar. Wer das größte soziale Netzwerk der Welt nutzen wollte, musste das unter seinem richtigen Namen tun. „Facebook ist eine Gemeinschaft, in der Nutzer ihre wahren Identitäten verwenden“, beantwortet das Unternehmen auf seinen deutschen Hilfeseiten die Frage, welche Namen denn auf Facebook zugelassen sind. „Alle Nutzer müssen ihre echten Namen angeben“, heißt es dort weiter. Das trage zur Sicherheit der Gemeinschaft bei.

          Freilich hindert das ausdrückliche Verbot von Pseudonymen bis heute manche Menschen nicht, sich mit einem ausgedachten Namen bei Facebook zu registrieren. Und das, obwohl die Konsequenzen für ein solches Verhalten in den Nutzungsbedingungen klar geregelt sind: „Wenn du gegen den Inhalt oder den Geist dieser Erklärung verstößt, können wir die Bereitstellung von Facebook für dich ganz oder teilweise einstellen.“ Und zum Inhalt gehört auch: die Verwendung des eigenen und richtigen Namens.

          Inkognito auf und mit Facebook im Internet unterwegs sein? Verboten – zumindest bis jetzt. Denn in der vergangenen Woche hat das soziale Netzwerk ein bisschen Anonymität eingeführt. Auf einer Entwicklerkonferenz präsentierte der Gründer und Geschäftsführer Mark Zuckerberg den „Anonymous Login“. Mit dieser Möglichkeit sollen sich Nutzer des Netzwerks bei Anwendungen von Drittanbietern wie bisher mit ihren Anmeldedaten für Facebook registrieren können. Doch haben sie nun die Wahl, den App-Anbietern persönliche Daten nicht mitzuteilen. Dazu zählen etwa der eigene Name, das Geschlecht oder der Geburtstag.

          Vorteile von „Facebook Connect“

          Wenn sich Nutzer bisher dazu entschieden, mit den Facebook-Anmeldedaten Angebote Dritter zu verwenden, erfuhren zum Beispiel Programmierer von Spiele-Apps oder Nachrichtenaggregatoren unter anderem, wie alt die Nutzer sind oder wie sie heißen. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gehört, dass die Menschen mehr Kontrolle darüber haben wollen, wie sie ihre Daten teilen“, sagte Zuckerberg nun auf der Entwicklerkonferenz F8. Die bisherige Unsicherheit lasse die Nutzer allerdings davor zurückschrecken, sich bei Apps über Facebook anzumelden.

          Die im Jahr 2008 unter dem Namen „Facebook Connect“ gestartete Registriermöglichkeit bot bisher für alle Beteiligten Vorteile. Nutzer konnten sich schnell und unkompliziert für neue Anwendungen registrieren und sie verwenden, ohne sich für jedes Angebot eigene Nutzernamen oder Passwörter ausdenken zu müssen. Im vergangenen Jahr haben sich Menschen nach Unternehmensangaben mehr als zehn Milliarden Mal auf diese Weise in Anwendungen oder auf Internetseiten Dritter angemeldet.

          Die Anbieter der Programme und Seiten gewannen wiederum ebenso schnell neue Kunden, die sie auf andere Weise vielleicht gar nicht erst bekommen hätten. Und Facebook erfuhr ganz nebenbei, wofür sich seine Mitglieder interessieren: ob sie eben gern Musik hören, Spiele spielen, oder Nachrichten-Apps nutzen. Das ist wichtig für die Haupteinnahmequelle des Unternehmens, die Werbung. So schneidet das Netzwerk unter anderem auf Grundlage der Anwendungen, die ein Mitglied nutzt, die von ihm gezeigten Anzeigen individuell zu.

          Mögliche Nachteile

          Dementsprechend zweischneidig wirkt auch die anonyme Anmeldemöglichkeit, die Facebook nun dabei ist einzuführen. Auf den ersten Blick ist sie für Nutzer vorteilhaft – genauso wie auch die größere Kontrollmöglichkeit darüber, welche Daten ein nichtanonymer Nutzer mit Anwendungen teilt, die Zuckerberg ebenfalls auf der Entwicklerkonferenz vorstellte. Facebook-Mitglieder haben nun die Möglichkeit, einigermaßen unerkannt neue Angebote ausprobieren zu können. Doch wenn sie alle Funktionen einer Anwendung nutzen wollen, könnte es der jeweilige Anbieter später zur Pflicht machen, mit ihm auch alle Daten zu teilen.

          Ob das tatsächlich so sein wird, muss sich erst noch zeigen. Facebook teilte mit, dass es zum Beginn der Einführung mit einigen ausgewählten App-Entwicklern zusammenarbeite, und die Funktion erst in den nächsten Monaten breit ausgerollt werden solle. Auf der anderen Seite verraten Nutzer im Internet heute sowieso schon sehr viel über sich, auch ohne ihren Namen, ihr Geschlecht oder ihr Geburtsdatum mitzuteilen. In Musikanwendungen hören Männer zum Beispiel im Durchschnitt andere Titel als Frauen und bevorzugen auch andere Musiker. Weibliche Spieler interessieren sich wiederum für andere Spiele als ihre männlichen Pendants.

          Und junge Menschen konsumieren in Nachrichtenangeboten andere Texte als ältere Internetnutzer. Diese ganzen Datenquellen stehen den Anbietern nach wie vor zur Verfügung, um zum Beispiel in werbefinanzierten Anwendungen die passende Werbung zu schalten. Dass diese Finanzierungsquelle in Zukunft an Bedeutung gewinnt, hatte das Marktforschungsunternehmen Gartner erst im September festgestellt. Bis zum Jahr 2017 sollen die Erlöse aus geschalteter Werbung in Anwendungen auf 10,7 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) steigen.

          Außerdem wird die anonyme Anmeldung aller Voraussicht nach dazu führen, dass weniger Menschen zögern, überhaupt bestimmte Anwendungen zu nutzen. Das machte der Facebook-Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg mit seinen Äußerungen in der vergangenen Woche schon deutlich. Davon geht aber auch die Hamburger Online-Marketingagentur Eprofessional aus. „Wir begrüßen den Anonymous Login sehr“, urteilt Thore Ladicke, der sich bei Eprofessional auf das Thema Facebook-Werbung spezialisiert hat. Ladicke erwartet, dass durch die neue Anmeldemöglichkeit mehr Nutzer Apps nutzen.

          Das könnte sich wiederum auf die wichtigste Einnahmequelle von App-Entwicklern auswirken: Verkäufe innerhalb ihrer Anwendungen. Laut Gartner soll sich diese Einnahmequelle von derzeit 4,6 Milliarden Dollar rund um die Welt auf fast 37 Milliarden Dollar 2017 entwickeln. Doch für die Kaufentscheidung Anwendung ist es erst einmal unerheblich, ob sich ein Nutzer mit seinem eigenen Namen überhaupt offenbart. Wichtiger ist, dass er eine Anwendung überhaupt nutzt.

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