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Dating-App : Warum Tinder von Alten das Vierfache verlangt

Luiza Rocha darf noch günstig tindern. Die 22-Jährige tummelt sich in Rio de Janeiro auf einer Tinder-Party. Bild: AP

Die Dating-App Tinder hat ein neues Preismodell: Wer älter als 28 ist, zahlt mehr. Ist das nur die Arroganz der Jugend - oder steckt mehr dahinter?

          2 Min.

          Jetzt ist es offiziell, Tinder-offiziell zumindest. Ab 28 Jahren ist man alt. Die Dating-App Tinder hat neue Zusatzfunktionen eingeführt - und wer 28 Jahre alt ist, zahlt dafür teils das Vierfache.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tinder funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die Nutzer sehen die Fotos von anderen. Per Wisch teilen sie der App mit, ob sie das Bild sympathisch finden. Sobald sich zwei Nutzer gegenseitig interessant finden, lässt die App sie miteinander Kontakt aufnehmen. Unter jungen Leuten ist Tinder richtig in Mode: für One-Night-Stands, für volle Beziehungen - und sogar als Ersatz fürs Trampen. In Amerika hat ein 24-Jähriger sich von 30 Tinder-Bekanntschaften durch Amerika fahren lassen.

          Jetzt führt Tinder neue Funktionen ein. Wer auf Reisen geht, kann der App seinen aktuellen Ort mitteilen und dort neue Leute kennen lernen. Und: Wer sich verwischt hat und einen hübschen Menschen aus Versehen weggewischt hat, kann seinen Fehler korrigieren. In Großbritannien kosten diese Funktionen 4 Pfund im Monat - für alle Leute bis 27. Ältere zahlen 15 Pfund.

          Das klingt ziemlich unverschämt. Doch Tinder glaubt offenbar, mit diesem Preissystem durchzukommen.

          Ältere zahlen leichter mehr

          Mancher Zyniker argumentiert mit der PR-Strategie: „So kommt Tinder in die Medien.“ Andere denken eher an die Torschlusspanik: Singles ab 28 Jahren sind so verzweifelt, dass sie auch für die Dating-App mehr zahlen.

          Tatsächlich können hinter den Preisen aber sehr wirtschaftliche Überlegungen stecken. Die eine: Falls auf Tinder zu wenige junge Leute unterwegs wären, hätten die Betreiber einen großen Anreiz, junge Leute mit einem Preisnachlass zu ködern. Die andere: Wer mindestens 28 Jahre ist, steht oft schon im Beruf und leistet sich mehr - also kann Tinder auch mehr verlangen. „Preisdifferenzierung“ nennen das Ökonomen.

          So begründet auch Tinder sein Preissystem. Einige Monate an Marktforschung seien hineingeflossen, schreibt eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Bloomberg - und Tinder habe festgestellt, dass sich die jüngeren den hohen Preis seltener leisten können. „Viele Produkte haben unterschiedliche Preise nach Alter, Spotify zum Beispiel für Studenten“, sagt die Sprecherin. Doch Tinder gibt keinen Rabatt für Studenten, sondern einen für junge Leute.

          Möglicherweise ist Tinder sich seiner Sache auch deshalb so sicher, weil der Konzern dahinter eine Macht auf dem Dating-Markt im angelsächsichen Raum ist - er allein macht ein Drittel des Dating-Umsatzes in Amerika. „Interactive Corp“ heißt der Konzern, zu dem auch die Dating-Plattformen „Match“ und „Ok Cupid“ gehören (außerdem 150 andere Webseiten, darunter die Videoseite Vimeo und die Suchmaschine Ask). Der Konzern hat einen großen Anreiz, seine Kunden nach und nach ans Bezahlen zu gewöhnen, wenn sie älter werden.

          Bleiben zwei Fragen: Machen sich die Nutzer von Tinder jetzt noch jünger, als sie das fürs Dating sowieso schon tun? Und: Können 28-jährige jetzt wegen Altersdiskriminierung vor den Europäischen Gerichtshof ziehen?

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