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Datenverkehr : Stau im Internet

Unterwegs auf der Datenautobahn Bild: Archiv

Bisher werden alle Datenpakete beim Transport im Internet gleich behandelt. Netzbetreiber und einige Ökonomen stellen diese strenge Form der Netzneutralität infrage. Doch der Widerstand gegen Änderungen an diesem Grundsatz ist groß.

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          Ein Stau im Datenverkehr dauert oft nur wenige Sekunden. Wer nur E-Mails verschickt, merkt das kaum; wer aber im Internet Live-Videos ansieht, sieht ein ruckelndes Bild, und bei der Internettelefonie hakt der Ton. Der Grund: Die Datenmengen, die täglich ihren Weg durch das Internet suchen, haben in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Nutzer von Tauschseiten jagen riesige Datenkolonnen durch die Drähte. Damit in Spitzenzeiten keine allzu langen Staus in den Leitungen entstehen, haben die Netzbetreiber die Infrastruktur schon kräftig ausgebaut. Langfristig aber stellt sich die Frage, ob es nicht zu teuer ist, die Netze stets so weit auszubauen, dass selbst in Spitzenzeiten keine Staus entstehen. Naheliegend ist daher die Frage, wie die schon vorhandene Infrastruktur besser genutzt werden kann.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Informatiker und Ökonomen haben sich dazu Gedanken gemacht. Eine Lösung rüttelt am Prinzip der „Netzneutralität“, die viele als „ehernen Grundsatz des Netzes“ empfinden, andere aber als „überholten Stand der Technik“. Danach werden alle Datenpakete beim Transport im Internet gleich behandelt. Künftig - so die Grundidee - könnten manche Pakete schneller als andere transportiert werden. „Priorisierung“ nennen das die Ökonomen und versprechen sich davon eine effizientere Nutzung der knappen und teuren Ressourcen.

          Doch der Widerstand gegen diesen Vorschlag ist gewaltig: Vor allem in Amerika wird gefordert, dass Netzneutralität, also die absolute Gleichbehandlung der Datenpakete, auch im Gesetz verankert wird. Konzerne wie Google und Amazon trommeln seit Jahren eifrig für eine solche Regulierung. Sie wittern „Diskriminierung“ und „Zwei-Klassen-Internet“. Nur die „Offenheit“ des Netzes würde Fortschritte im Internet garantieren. Sie wollen verhindern, dass die Telekommunikationskonzerne die Angebote der Internet-Unternehmen wie die Web-Telefonie ausbremsen können. Auch außerhalb der Web-Giganten rumort es gegen die Idee: Viele fürchten, dass bestimmte Anwendungen oder Inhalte diskriminiert würden - bisweilen ist gar von Zensur die Rede.

          Bislang gilt strikt: Wer zuerst kommt mahlt zuerst

          Die Eigentümer der Infrastruktur wie AT&T, Verizon, Comcast oder die Deutsche Telekom finden die Idee gut und lassen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen: „Es geht nicht um Zensur oder die Frage, ob bestimmte Daten überhaupt transportiert werden“, sagt ein Telekom-Sprecher, „es geht nur darum, welche Qualität beim Transport garantiert wird.“ Die Netzbetreiber sehen in der Forderung nach strikter Gleichbehandlung aller Datenpakete einen Versuch von Google und Co, sich selbst Vorteile zu sichern, indem den Netzbetreibern Fesseln angelegt werden. Sie kämpfen daher vehement gegen solche gesetzlichen Verpflichtungen.

          Wer den Streit besser verstehen will, muss etwas tiefer in die Grundlagen des Datentransports im Internet eintauchen: Alle Dateien, gleichgültig ob E-Mail, Bilder oder Videos, werden vom absendenden Computer stückchenweise in viele kleine Pakete aufgeteilt. Anschließend werden sie einzeln und unabhängig voneinander verschickt und schließlich am Bestimmungsort wieder zusammengesetzt. Die einzelnen Pakete können dabei über verschiedene Pfade zum Ziel gelangen. Wichtig ist nur, dass sie dort heil ankommen und wieder in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt werden.

          Der Datenverkehr organisiert sich dabei an jeder Kreuzung im Netz neu. Dank eindeutiger Adressen finden die einzelnen Pakete auch noch bei größeren Umwegen ans Ziel. Unterwegs gilt für alle Pakete bislang die gleiche Prozedur: Ist ein Router - so nennt man die Koppelstellen zwischen verschiedenen Netzen - zeitweise überlastet, schickt er die neu ankommenden Datenpakete in eine Art Warteschleife, die dann strikt nach dem Prinzip „First In - First Out“ abgearbeitet wird.

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