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Datenspeicherung : Jetzt kommt die Cloud

Der Himmel über Los Angeles: Die Stadtverwaltung nutzt für ihren E-Mail-Verkehr die Dienste der digitalen Datenwolke Bild: AFP

Los Angeles hat sein E-Mail-System in dezentrale Rechenzentren von Google verlagert. Damit ist die Stadt ein Vorbild für viele. Auf Basis der Cloud lassen sich völlig neue Produkte entwickeln und bis zu 1,5 Millionen neue Stellen schaffen.

          Die Stadt Los Angeles hat zu wenig Geld. Dieses Schicksal teilt sie mit vielen Kommunen. Aber Not macht erfinderisch – in Amerika manchmal etwas schneller als in Deutschland: Wenn ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Los Angeles eine E-Mail verschickt, muss dafür seit einiger Zeit kein eigener Netzwerkrechner (Server) samt zugehöriger teurer Infrastruktur mehr verwendet werden. Stattdessen bedient sich die Stadt der Hilfe des amerikanischen Internetkonzerns Google. Der hat in seinen riesigen Rechenzentren genug Server- und Speicherkapazität übrig und bietet diese zahlenden Kunden gern zur Nutzung an. Den Kunden spart das eine Menge Geld, müssen sie sich doch um die Wartung eigener Server nicht mehr kümmern.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Fachleute, die sich Tag für Tag mit den neuen Trends der Informationstechnologie (IT) beschäftigen, sind sich sicher, dass die Traumfabrik Los Angeles hiermit zum Vorreiter auch in der Wirklichkeit geworden ist: Mehr als 30 000 Angestellte greifen auf die E-Mail-Software nicht mehr über die Festplatte ihres eigenen Computers zu, sondern gelangen über ein Internetzugangsprogramm, einen Browser, in ihren jeweiligen elektronischen Briefkasten. Dieser Briefkasten ist also außerhalb der Computer-Schutzwälle der IT-Abteilung der Stadt aufgestellt; man erreicht ihn dort, wo Google ihn aufgebaut hat. Für ein solches Modell hat sich die IT-Branche den lyrischen Begriff „Cloud“ ausgedacht. Auf Deutsch ist der E-Mail-Verkehr damit in einer Datenwolke gelandet.

          Man muss aber gar nicht nach Los Angeles reisen, um mit der Cloud in Berührung zu kommen. Auch die Google-Angebote für jedermann, also das E-Mail-Programm Gmail oder die Textverarbeitung Google Docs, finden sich ausschließlich in der Datenwolke. Wer in den vergangenen Jahren bei Apple eine iTunes-Musikbibliothek aufgebaut hat, weiß seine Einkäufe in der Cloud sicher hinterlegt. Wer schon zum eifrigen Leser elektronischer Bücher geworden ist, kann auf diese über die Cloud zugreifen, zum Beispiel der von Amazon. E-Mail-Dienste wie Hotmail von Microsoft oder GMX des deutschen Unternehmens 1&1 sind ebenfalls in der Cloud angesiedelt. Ein großes Plus der Cloud ist, dass man auf all diese Musik, Fotos und E-Mails jederzeit mobil von jedem Ort aus zugreifen kann.

          Doch sind das allesamt Anwendungen für den privaten Nutzer, die zum Teil schon seit Jahren angeboten werden. Das Neue ist, dass die Cloud nun in der Welt der Unternehmens-IT angekommen ist. Das amerikanische Pharmaunternehmen Eli Lilly zum Beispiel lässt Gensequenzierungen und andere rechenintensive Aufgaben in der Cloud von Amazon bearbeiten. Die amerikanische Bundesregierung hat Cloud-Dienstleistungen ausgeschrieben, die von allen Behörden genutzt werden sollen. Auch die deutsche Regierung hat am Donnerstag angekündigt, die Technik des Cloud Computing fortentwickeln zu wollen und besonders kleinere Unternehmen in der Anwendung dieser Dienste zu unterstützen. Der IT-Branchenverband Bitkom träumt, auch unter Sicherheitsaspekten, von einer „deutschen Cloud“.

          Bis zu 1,5 Millionen neue Stellen

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