https://www.faz.net/-gqe-7mm6p

Datenschutz : Whatsapp ist besser als sein Ruf

Besser als der Ruf: Whatsapp Bild: picture alliance / ZB

Facebook kauft Whatsapp - eine Datenkrake kauft die andere? Vor allem Whatsapp hat einen schlechten Ruf. Doch nicht jedes Gerücht stimmt.

          Kaum war die Nachricht über den Verkauf von Whatsapp an Facebook in der Welt, schon schickten die Datenschützer ihre Warnungen. Eine „Datenkrake“ sei Whatsapp und spioniere seine Nutzer aus. Nach den Empfehlungen mancher Datenschützer verzichtet man auf Whatsapp am besten ganz - und auf Facebook gleich mit. Aber ob das auch alle Freunde mitmachen?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sicher ist: Die Nachrichten von Whatsapp werden, wie auch die Daten von Facebook und Google, über Computer in den Vereinigten Staaten geleitet und können dort von Geheimdiensten gelesen werden. Die Smartphone-App von Whatsapp ist noch etwas datenhungriger als andere, denn sie liest die Telefonnummern aus dem Handy-Adressbuch und schickt sie ebenfalls zum Whatsapp-Server in den Vereinigten Staaten. Verhindern lässt sich das nur auf dem iPhone, und zwar in den Handy-Einstellungen unter „Datenschutz“; dort können Handybesitzer ihre Kontakte für Whatsapp sperren. Vor zwei Jahren hat die Stiftung Warentest Whatsapp gemeinsam mit Facebook in die Kategorie „sehr kritische Apps“ eingestuft.

          Nicht alle Gerüchte stimmen

          Zusätzliche Unsicherheit kommt daher, dass Whatsapp in den vergangenen Monaten immer wieder mit einzelnen Programmierfehlern aufgefallen ist, die es Kriminellen erlaubten, Daten abzugreifen. Nicht alle dieser Programmierfehler wurden schnell behoben.

          Doch nicht alles, was Whatsapp an Datenklau angedichtet wird, stimmt tatsächlich. Höchst unsicher ist zum Beispiel, ob Whatsapp wirklich Telefongespräche mithört. Ein IT-Berater hatte vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass das theoretisch möglich sei. Andere Experten haben allerdings bisher keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass die App das tatsächlich tut. Besitzer eines iPhones können den Zugriff von Whatsapp auf das Mikrofon sperren, wenn sie ganz sichergehen wollen.

          Auf dem iPhone können Sie den Datenhunger von Whatsapp bremsen. Und so geht’s: Öffnen Sie die Einstellungen ... Bilderstrecke

          Was viele Datenschützer aber noch mehr beunruhigt, ist die Kombination der Datenbank von Whatsapp mit der von Facebook. Was geschieht, wenn die Nutzerprofile von Whatsapp und die von Facebook kombiniert werden? Schließlich sprechen die Nutzer auf Whatsapp viel persönlicher miteinander als auf Facebook, sie fühlen sich viel geschützter - viele der Meldungen sind intim wie SMS, weil sie nur zwischen zwei Personen ausgetauscht werden. Was aber genau passieren könnte, darüber gibt es bisher nur Spekulationen und wenige konkrete Szenarien.

          Möglich wäre zum Beispiel, dass Facebook die Daten darüber nutzt, wer wessen Telefonnummer hat und wie oft mit wem Nachrichten austauscht - darauf verweist Datenexperte Alexander Pretschner von der Technischen Universität München. Heute schon wertet Facebook sorgfältig aus, wer wessen Beiträge mag, um jedem die interessantesten Beiträge anzuzeigen. Allein dafür könnten Informationen aus Whatsapp hilfreich sein.

          Und was ist mit Werbung? Angesichts des hohen Kaufpreises „kann man davon ausgehen, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss“, sagte Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar - verwies aber im Gespräch mit dieser Zeitung auch darauf, dass die Daten der Nutzer für Facebook gar nicht wertvoll genug seien, um so den vollen Kaufpreis sicher sofort wieder hereinzuholen. „Die Kaufsumme wird so sicher nicht wieder erbracht.“

          Möglich wäre zum Beispiel, dass Whatsapp unter neuer Eigentümerschaft seine früheren Versprechen bricht und doch Werbung neben den Textnachrichten zeigt - im Extremfall ähnlich wie Google Mail: so, dass die Anzeigen zum Inhalt der Textnachrichten passen. Bislang aber hat Facebook nicht die Inhalte von Statusupdates für Werbung herangezogen. „Wenn andere das schon tun, warum sollte es Facebook dann lassen?“, fragt Datenschützer Caspar - und betont: „Das ist reine Spekulation“.

          Sicher ist: Auch die Alternativen zu Whatsapp sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Ein Rechenzentrum in Europa beispielsweise bringt noch keine Sicherheit vor amerikanischen Geheimdiensten - die sind auch dort schon gesichtet worden.

          Der Dienst „Whistle.im“, der als Alternative zu Kurznachrichtendiensten wie Whatsapp gestartet war, wurde schon nach kurzer Zeit von einem Mitglied des „Chaos Computer Club“ geknackt. Auch der Dienst „Threema“, der die Nachrichten verschlüsselt verschickt, ist zwar bei Sicherheitsexperten beliebt, aber noch längst nicht vollständig auf Lücken geprüft. Und wer auf den „Blackberry Messenger“ umsteigt, landet direkt in der nächsten Datenschutz-Diskussion - denn auch mit Blackberry waren zuletzt nicht alle Datenschützer zufrieden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Anschläge in Sri Lanka : Massenmord an Ostersonntag

          Die Anschläge von Sri Lanka fügen sich ein in das Bild einer neuen terroristischen Internationale, die ihre Taten „ankündigt“. Das müssen die Sicherheitsbehörden ernst nehmen, um der schieren Mordlust zu begegnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.