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Datenrettung : Wenn der Hund in den Speicherstick beißt

Eingriff im Datenrettungslabor Bild: Andreas Riedmiller/Kroll Ontrack

Mit der zunehmenden Wichtigkeit des Speichermediums Festplatte steigt die Gefahr, daß die auf ihr gespeicherten Daten verlorengehen. Datenrettung und Computer-Forensik werden daher zum Wachstumsmarkt.

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          Immer mehr Daten werden digital gespeichert, sei es in Unternehmen oder im Privathaushalt. In der Regel werden hierzu Festplatten eingesetzt, in einem Computer, in einem DVD-Rekorder oder in einem digitalen Musikspieler. Gesammelt werden geschäftliche Daten genauso wie Musik, Videos und digitale Fotos. Hitachi, einer der führenden Festplattenhersteller auf dem Markt, geht davon aus, daß das entsprechende Datenvolumen innerhalb von zwei Jahren um 30 Prozent steigen wird, vor allem wegen des stetig steigenden Aufkommens elektronischer Post (E-Mail).

          Mit der zunehmenden Wichtigkeit des Speichermediums Festplatte steigt aber auch die Gefahr, daß die auf ihr gespeicherten Daten verlorengehen. In einer Festplatte arbeitet feine Mechanik, die trotz aller Fortschritte der vergangenen Jahre gegenüber unvermittelten Stößen oder Stürzen anfällig ist. Denn die grundlegende Technik der Festplatte ist rund 50 Jahre alt. Beispiele aus dem Alltag gibt es für solche Datenverluste in großer Zahl. So ist einer Frau im vergangenen Jahr beim Umräumen ihres Büros ein zweieinhalb Kilo schwerer Topf auf ihr Notebook gefallen, der zielsicher die Festplatte traf. Darauf waren ein Manuskript gespeichert, an dem sie fünf Jahre lang gearbeitet hatte, und eine Sammlung 150 Jahre alter Bilder zur Ahnenforschung. Alles wartete nur noch auf seine Veröffentlichung. Ein anderer Computernutzer hatte seinen Speicherstick unbeaufsichtigt gelassen, woraufhin sein Hund in dem Elektronikteil einen Knochenersatz erkannte.

          100.000 Anfragen pro Jahr

          Diese Fälle sind echt, die Betroffenen wurden Kunden des amerikanischen Unternehmens Kroll Ontrack, das sich um die Rettung solcher Daten kümmert: "Wir erhalten jedes Jahr mehr als 100.000 Anfragen zur Datenrettung und bekommen deshalb stets eine nette Sammlung von sonderbaren Datenverlustfällen zusammen", sagt Peter Böhret, Managing Director der deutschen Tochtergesellschaft Kroll Ontrack GmbH mit Sitz in Böblingen. "Sehr häufig ist eine Rettung der Daten möglich, auch wenn sie in manchen Fällen auf den ersten Blick unmöglich erscheint." Die Wiederherstellung von Daten ist die Kernkompetenz des Unternehmens, das sich mit einem Weltmarktanteil von 45 Prozent als Marktführer sieht - dort aber noch immer mit einer Vielzahl von Wettbewerbern zu tun hat. Unter anderem wenden sich viele Unternehmen auch an führende Beratungshäuser wie zum Beispiel Accenture, um auf der Suche nach verlorenen Daten zum Ziel gekommen.

          Kroll Ontrack selbst ist wiederum auch in der sogenannten Computer-Forensik tätig. "Da Arbeitsabläufe heute meist elektronisch erfolgen, ist die Computer-Forensik inzwischen eines der wichtigsten Beweisermittlungsinstrumente", sagt Ben Allen. Er ist President der Muttergesellschaft Kroll Ontrack mit Sitz in Eden Prairie (Minnesota), die vor zwei Jahren von Marsh & McLennan, einem führenden Anbieter von Risikomanagement und Versicherungsdienstleistungen, gekauft wurde. Das Thema Forensik interessiert vor allem amerikanische Anwälte: Verräterische E-Mails von Geschäftsleuten wie zum Beispiel dem Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, die in wichtigen Kartellverfahren einige Bedeutung erlangten, sind inzwischen legendär - und in vergleichbarer Form auch in zahlreichen anderen Rechtsfällen einsetzbar. In vielen Unternehmen werden Dinge in E-Mails gesagt, die in der normalen Geschäftspost niemals auftauchen würden. Deshalb sei die elektronische Post im Rahmen zahlreicher juristischer Auseinandersetzungen inzwischen eine wahre Fundgrube geworden.

          Künftig mehr Privatkunden

          Allen und Böhret gehen davon aus, daß das rund 20 Jahre alte Unternehmen den Umsatz sowohl im Konzern als auch in Deutschland auch künftig um durchschnittlich rund 10 Prozent pro Jahr steigern kann. Das Wachstum des gesamten Marktes sei ähnlich hoch. In der Gruppe wurden nach den Angaben von Allen im vergangenen Jahr 217 Millionen Dollar umgesetzt. Derzeit werde der weitaus größte Teil des Geschäfts in der gesamten Branche noch mit Unternehmenskunden gemacht. Der Anteil der Privatkunden ist noch sehr gering. Doch werde langfristig das Angebot der Datenrettung auch für Privatleute interessanter. "Je mehr Fotos, Videos und Musik im digitalen Haushalt auf Festplatten gespeichert werden, um so mehr werden auch Privatleute bereit sein, zur Rettung dieser wertvollen Daten, die dann ja nur noch auf Festplatten und nicht mehr auf CDs im Regal zu finden sind, Geld auszugeben", sagt Allen.

          Das Wachstum des Marktes sei selbst dann nicht gefährdet, wenn Festplatten auch künftig immer zuverlässiger werden sollten: "Die Zahl dieser Speichermedien selbst steigt noch schneller, als sich ihre Zuverlässigkeit verbessert." Die Zahl der Festplattenhersteller selbst ist trotz der steigenden Datenmenge, die ihre Produkte bewältigen müssen, hingegen stark geschrumpft. Der Markt wird jetzt von fünf Herstellern dominiert. Neben Seagate, Maxtor und Western Digital sind das Ableger großer asiatischer Konzerne wie Hitachi, Toshiba und Samsung. IBM, der Erfinder der Festplatte, hatte sein entsprechendes Geschäft 2003 an Hitachi verkauft.

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