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Datenauswertung : Facebook verfolgt seine Nutzer im Netz

Bild: dpa

Das soziale Netzwerk lässt seine Mitglieder jetzt auch anderswo im Internet nicht mehr aus den Augen. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt ein Facebook-Manager, was auf die Nutzer zukommt.

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          Facebook hat am Donnerstag angekündigt, bald auch in Deutschland und anderen Ländern seine Anzeigen stärker danach auszurichten, was Nutzer auf anderen Internetseiten tun. In Amerika geschieht das schon seit einigen Monaten. Facebook verfolgt seine deutschen Nutzer also künftig auch außerhalb seines eigenen Dienstes. Schmackhaft gemacht wird dies den Mitgliedern im Gegenzug mit zusätzlichen Möglichkeiten, selbst darauf Einfluss nehmen zu können, welche Werbung sie zu sehen bekommen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bislang wurden Anzeigen vor allem danach ausgewählt, was die Nutzer auf Facebook selbst tun. Wenn sie also zum Beispiel durch Klicken auf das „Gefällt mir“-Feld Interesse an bestimmten Dingen bekunden, kann es sein, dass ihnen damit zusammenhängende Anzeigen vorgesetzt werden. Nun aber weitet Facebook den Aktionsradius aus und verwertet auch Signale von anderer Stelle.

          Brian Boland, der bei Facebook als Vice President für Werbetechnologie verantwortlich ist, erklärt im Gespräch mit der F.A.Z, künftig könnte zum Beispiel jemand, der sich irgendwo im Internet eine Stereoanlage gekauft hat, auf Facebook eine Anzeige für Lautsprecher sehen. Oder er könnte Werbung für Hotels präsentiert bekommen, wenn er auf Reiseportalen unterwegs war.

          Gleichzeitig will Facebook seinen Mitgliedern jetzt aber auch verraten, wie die Auswahl der Anzeigen zustande kommt. Nutzer können künftig bei jeder Anzeige auf einen kleinen Pfeil klicken und damit ein Fenster öffnen, das ihnen erklärt, warum sie eine Anzeige zu sehen bekommen. Das kann sein, weil sie bestimmte Seiten besucht oder auf bestimmte Anzeigen geklickt haben, oder weil sie einer bestimmten demographischen Gruppe angehören. In dem Fenster bekommen die Nutzer auch Zugang zu einem Werbeprofil, in dem alle ihre Interessen aufgelistet sind.

          Dieses Profil können die Mitglieder auch selbst bearbeiten, indem sie Interessen hinzufügen oder entfernen. Es wäre dabei auch möglich, alle Interessengebiete zu eliminieren. In dem Fall würden Nutzer weiter Werbung zu sehen bekommen, die dann aber nach Bolands Worten weniger auf sie persönlich abgestimmt wäre.

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