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Digitale Vernetzung : Das ist die Zukunft unseres Landes

Europa dürfe die nächste industrielle Revolution – und damit meint sie die Auswirkungen der digitalen Vernetzung der Produktionswelt – nicht verschlafen. Deshalb hat Merkel die Europäer aufgefordert, gemeinsam eine Aufholjagd in der Informations- und Telekommunikationstechnologie zu beginnen. Die EU-Staaten hätten in etlichen Bereichen den Anschluss an die Konkurrenten in der Welt verloren. Die Aufholjagd müsse europäische Router zur Steuerung des Internetverkehrs ebenso einschließen wie die weitgehend abgewanderte Chiptechnologie.

Auch der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, warnte, dass Deutschland bei der Informations- und Kommunikationstechnik den Anschluss an die Weltelite verliere: „Auf den IKT-Märkten sind die Europäer weit abgeschlagen. Weniger als zehn Prozent des Umsatzes in dieser Branche werden von europäischen Unternehmen erwirtschaftet“, sagte Grillo. „Die Global Player ordnen die digitale Wirtschaft neu, und Deutschland verliert den Anschluss an die Weltelite.“

Eine Schach-Legende

Der Blick in eine ganz neue Studie der Investmentbank Morgen Stanley zum Internet der Dinge scheint das zu bestätigen. In dieser Analyse ist von auffällig vielen amerikanischen Softwareunternehmen die Rede. Das ist, wenn man sich die Exponentialfunktion von Moore’s Law in Erinnerung ruft, eine bittere Erkenntnis. „Das laufende Jahr wird von einem Automatisierungsschub in der industriellen Produktion und der bevorstehenden Transformation der weltweiten Energiesysteme geprägt“, sagt auch Jochen Köckler, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG. Und, so darf man mit Blick auf die Legende vom Erfinder des Schachspiels anfügen: In jedem Jahr danach wird alles noch viel schneller gehen.

Antworten darauf muss gerade auch ein deutsches Vorzeigeunternehmen wie Siemens finden. Wenn man dem dafür zuständigen Manager Russwurm in diesem Jahr auf der Messe zugehört hat, merkt man zwar, dass rund um das Thema „Industrie 4.0“ bei Siemens sehr viel mehr Druck auf dem Kessel ist als noch im Jahr zuvor. Damals wurde gern die Formulierung von einer wohl eher gemächlichen „Evolution“ bemüht. Zugleich begegnet Russwurm dem Handlungsdruck jedenfalls öffentlich noch immer mit der Gewissheit, mit den Erfahrungen der Ingenieure aus dem amerikanischen Thema „Big Data“, das mit dem Internet der Dinge unmittelbar zusammenhängt, die deutsche Erfolgsgeschichte „Smart Data“ machen zu können. Das heißt: Er will die Datenerkenntnisse, die der Produktionsprozess in Echtzeit liefert, effizient und wirklich zum Nutzen der Kunden auswerten können.

Es gehe nicht darum, die Daten einfach nur zu speichern, um danach in der schieren Masse zu ersticken. Was dabei unausgesprochen bleibt, ist, dass genau diese Ineffizienz nicht zuletzt auch dem amerikanischen Geheimdienst NSA inmitten der von ihm gesammelten Datenmassen unterstellt wird. Mit den Amerikanern gehen Russwurm und seine Kollegen im Übrigen genauso pragmatisch um wie mit den Russen, wie es der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser bei seinem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgemacht hat. Man arbeitet auch mit den Amerikanern zum gemeinsamen Nutzen zusammen, zum Beispiel mit dem IT-Sicherheitsunternehmen McAfee, das seit einiger Zeit zum Chiphersteller Intel gehört. Schließlich sieht sich Siemens mit seinen vielen Tochtergesellschaften und Angestellten in den Vereinigten Staaten auch selbst zu einem Teil als amerikanisches Unternehmen. Warum soll man also wehklagen?

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