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Cyber-Sicherheit : Sicherheitsfachleute rechnen mit weiteren Attacken

Zwar kümmert sich die Behörde nicht um Haftung. Schönbohm glaubt aber, dass Cyberangriffe in Zukunft über die Frage „Wer zahlt?“ reguliert werden könnten, etwa wenn es Verdienstausfälle durch eine gestoppte Produktion gebe. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Derzeit geht es mehr darum, überhaupt ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Cybersicherheit zwar viel Geld kostet, sich aber lohnt. „Auf der Entscheiderebene muss das Thema Informationssicherheit mitgedacht werden“, sagt Schönbohm.

Cyberangriffe auch auf Bereiche der sogenannten kritischen Infrastruktur, also auf Energienetze, Wasserversorgung, Banken oder eben Krankenhäuser wie im jüngsten Fall, gibt es jetzt schon regelmäßig. Und sie werden tendenziell eher zunehmen. Das BSI hat eine Art GSG9 für die Cyberabwehr geschaffen und MIRT genannt. Das steht für Mobile Incident Response Team, eine mobile Truppe, die zu Vorfällen ausschwärmt. Nachdem das Lukas-Krankenhaus in Neuss vor gut einem Jahr eine Ransomware-Attacke gemeldet hatte, zogen später rund 60 ebenfalls betroffene Krankenhäuser nach.

Das MIRT-Team sei relativ häufig draußen unterwegs, trotzdem werde darüber noch wenig geredet. Das liegt daran, dass das BSI von sich aus keine Unternehmen oder Behörden an den Pranger stellt. Und auf der anderen Seite vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen davor zurückschrecken, Erpressungen anzuzeigen: Sie treibt die Angst, damit den eigenen Ruf zu ruinieren.

Die besten Kryptologen in Deutschland

Dabei gibt es mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass ein transparenter Umgang mit Sicherheitslücken Unternehmen eher nützt, weil Kunden die Ehrlichkeit schätzen. Selbst Börsenkurse reagieren nach anfänglichen Schwankungen auf Transparenz meist positiv. Seitdem das Sicherheitsgesetz aus dem Jahr 2015 verabschiedet wurde, gibt es zumindest für Unternehmen, die zur kritischen Infrastruktur gehören, eine Meldepflicht und einen definierten Stand der Technik, der regelmäßig überprüft wird.

Auszuschließen sind Attacken aber freilich nicht. Wer genügend Geld und Ressourcen zur Verfügung hat, kann jedes technische Gerät hacken. Und deshalb glaubt Schönbohm auch, dass es weitere Hackerangriffe oder Leaks geben wird, je näher die Bundestagswahl rückt: „Wir gehen davon aus, dass es weitere Versuche gibt, das Bundestagsnetz anzugreifen.“ Vielleicht würden Daten, die vor zwei Jahren bei einem Angriff auf das Netz entwendet wurden, gegen Parteien verwendet werden. Letztendlich liegt die Verantwortung, sich zu schützen, bei den Parteien selbst. Wer auf einen Phishinglink klickt und damit die gesamte Fraktion oder gleich den ganzen Bundestag zum Spielball von Angreifern macht, dem kann auch das BSI nicht immer helfen.

Trotzdem rüstet auch die Behörde auf und gibt Handwerkszeug an die Hand. Da werden Systeme gehärtet und die Software mit sogenannten Penetrationstests auf mögliche Lücken untersucht. Schönbohm bleibt denn auch positiv gestimmt. Die Gefahr von Hackerangriffen steige zwar, doch gebe es auch robuste Systeme und fähige Entwickler in Deutschland. „Wir haben hier eine Kultur, dass wir uns schnell schlechtreden. Dabei gibt es in Deutschland mit die besten Forscher im Feld der Kryptologie.“ Auf diese Verschlüsselungsexperten sei selbst das Silicon Valley neidisch.

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