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Cyber-Attacken : Smartphones und Stromnetze ziehen Hacker an

Wachsende Gefahr: Ein neues „Cyber-Abwehrzentrum” soll den Hackern entgegentreten Bild: dpa

Die Gefahren von Cyber-Angriffen werden immer vielfältiger. Nicht nur mobile Endgeräte sind im Fokus. Auch Strom-, Gas- und Wassernetze sind gefährdet. Das „Cyber-Abwehrzentrum“ soll dagegen ankämpfen.

          Internetfähige Telefone, Netbook- und Tabletcomputer sind gefragte Modeprodukte – und stehen deshalb im Fokus von Computerhackern. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rechnet damit, dass die Angriffe auf mobile Endgeräte zunehmen werden.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Smartphone-Nutzer seien sich dieser Gefahren kaum bewusst. Fast die Hälfte von ihnen habe noch nie Sicherheits-Updates auf ihre Geräte aufgespielt, heißt es im jüngsten Bericht des BSI zur Lage der IT-Sicherheit. Dieser wurde am Tag der Eröffnung des neuen „Cyber-Abwehrzentrums“ durch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Bonn vorgelegt. Friedrich verwies zudem auf „kritische Infrastrukturen“, also die Anfälligkeit digitaler Steuerungen in der Strom- und Wasserversorgung bei Hackerangriffen.

          Mit Blick auf die mobile Kommunikation bildet nach Angaben des BSI vor allem die Unsicherheit der Schnittstelle des digitalen GSM-Mobilfunks eine Bedrohung, weil Gespräche, E-Mails und SMS abgefangen werden könnten. Das BSI rät dazu, nur wirklich benötigte Applikationen zu installieren und Funkschnittstellen wie WLAN und Bluetooth zurückhaltend zu verwenden.

          In Bonn wird der Kampf gegen die Kriminellen aufgenommen

          Auch das Cloud Computing macht erste Sorgen

          Sorgen bereitet den Sicherheitsfachleuten auch das Cloud Computing, also die Auslagerung von Daten und Anwendungen aus unternehmenseigenen Rechnern ins Internet: Cloud Computing Plattformen würden zum Aufbau von Botnetzen missbraucht. Botnetze bestehen aus Rechnern von Privatleuten, die mit einer Schadsoftware infiziert und dann ferngesteuert werden, zum Beispiel zur Versendung von Spam.

          Umgekehrt habe es auch schon erste Angriffe auf Cloud-Netze gegeben, die mit wachsender Bedeutung immer attraktiver für Attacken würden. Das BSI hält es für notwendig, zügig internationale Sicherheitsstandards zu etablieren, um die Integrität dieser Technik zu gewährleisten.

          Die deutsche Versorgungswirtschaft hat Friedrich mit seiner Bemerkung zur Gefährdung ihrer Netze vor den Kopf gestoßen. Sein Hinweis, dass Hacker immense Schäden anrichten könnten, lädt die Kriminellen im Netz aus der Sicht der deutschen Versorger dazu ein, ihr Geschick erst einmal bei einem Stadtwerk zu versuchen. Wie eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ergab, stellen sich die Versorgungsunternehmen längst der Hacker-Gefahr und den vorsorglichen Abwehrmöglichkeiten etwaiger Attacken.

          Stromversorgung das kritischste Objekt für Attacken

          Bekannt ist, dass der französische Stromkonzern EDF im Mai und Anfang Juni Opfer von Attacken war. Nach Angaben des Atomstromproduzenten ist die EDF-Website mehrfach einige Minuten nicht erreichbar gewesen. Die Energieunternehmen in Deutschland sind nach eigener Aussage darauf vorbereitet, dass Hacker eine Überlastung ihrer Websites provozieren könnten, um die Internetpräsenz lahmzulegen. Das beschädige die interne Kommunikation und die Steuerungssysteme aber nicht. Diese IT-Systeme seien durch mehrere Stufen gesichert.

          Gleichwohl ist die Stromversorgung das kritischste Objekt für Cyber-Attacken. Angriffe im Gas- und Wassernetz könnten zwar auch erhebliche Schwierigkeiten verursachen. Aber die Schäden zum Beispiel durch Ausfall der Gasheizungen oder Produktionsstörungen in Kraftwerken und Produktionsstätten, die Gas als Energie einsetzen, wären nicht so flächendeckend wie bei einem Stromausfall.

          „Die Lage im Cyberraum ist kritisch. Sie eskaliert“

          Das BSI beurteilt die Situation kritischer. „Die Lage im Cyberraum ist kritisch. Sie eskaliert“, sagt BSI-Abteilungsleiter Hartmut Isselhorst. Angetrieben werde die Internetkriminalität von der Aussicht auf vergleichsweise risikolose hohe Gewinne.

          Der IT-Branchenverband Bitkom begrüßte die Einrichtung des Cyber-Abwehrzentrums, schließe es doch eine Lücke in der Kommunikation der zuständigen Behörden. Selbst eingreifen könne das Zentrum in einem Krisenfall allerdings nicht. Zudem solle bei einem weiteren Ausbau des Zentrums die Privatwirtschaft stärker einbezogen werden.

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