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Schadsoftware : Die hinterhältigste Masche der Computerkriminellen

Angegriffen: Die Trojanervariante „Locky“ verbreitete sich rasend schnell und infizierte täglich Tausende Computer. Bild: dpa

Diebstahl, Erpressung, Lösegeldforderung: Was im wirklichen Leben funktioniert, setzen Verbrecher auch im virtuellen um. Und richten damit für Privatleute und Unternehmen großen Schaden an.

          Ransomware? Viele haben diesen Begriff wahrscheinlich noch nie zur Kenntnis genommen. Sollte man aber: Ransomware gehört zu den hinterhältigsten und gemeinsten Maschen, die Cyberkriminelle im Gepäck haben. Es handelt sich um Schadsoftware, die Computernutzer von ihrem eigenen Gerät ausschließt. Sie verschlüsselt Dateien oder sperrt den Zugang komplett. Der Begriff aus dem Englischen sagt, um was es geht: Lösegeld und Erpressung. Nur wer zahlt, sieht seine wertvollen Dokumente und kostbaren Familienfotos irgendwann mal wieder, so die Drohung der Malware-Programmierer.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch es sind nicht nur Privatleute, die unter dieser sich immer stärker verbreitenden Computerplage leiden. Auch die Wirtschaft trifft es, und zwar in erheblichem Umfang. In einer Online-Umfrage des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bekundete ein Drittel der Unternehmen, in den vergangenen sechs Monaten ein Opfer von Ransomware geworden zu sein. Die virtuellen Attacken machen dabei weder vor großen noch vor kleinen Firmen halt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass der Hauptverbreitungsweg noch immer ein sehr traditioneller ist. Drei Viertel der Infektionen sind auf infizierte E-Mail-Anhänge zurückzuführen. Auch sogenannte Drive-by-Angriffe, verursacht durch das Surfen auf infizierten Homepages, spielen eine wichtige Rolle.

          „Cybersicherheit ist Chefsache“

          Erst vergangene Woche wurde auf der Website der beliebten amerikanischen Spielzeugmarke Maisto, die für ihre fernsteuerbaren Miniatur-Spielzeugfahrzeuge bekannt ist, das „Angler-Exploit Kit“ entdeckt, das zu Ransomware-Infektionen führen kann. Für großen Ärger sorgte seit Februar die Trojanervariante „Locky“, die sich rasend schnell rund um die Erde ausbreitete und zeitweise allein in Deutschland viele Tausend Computer täglich infizierte.

          Die von Ransomware Angegriffenen berichteten von dramatischen Auswirkungen. 70 Prozent gaben an, dass einzelne Arbeitsplatzrechner befallen waren. In jedem fünften der betroffenen Unternehmen kam es sogar zu einem erheblichen Ausfall von Teilen der IT-Infrastruktur. 11 Prozent verloren wichtige Daten. „Die Ergebnisse der BSI-Umfrage machen deutlich, wie verwundbar viele Unternehmen in Deutschland für Cyber-Angriffe sind“, sagt Behördenpräsident Arne Schönbohm. Schon ungezielte Attacken wie die aktuellen Ransomware-Angriffe führten zu teils erheblichen Beeinträchtigungen der IT und gefährdeten den Geschäftserfolg. „Cybersicherheit ist Chefsache“ lautet Schönbohms Fazit.

          Das ist umso wichtiger, weil BSI und andere mit Computersicherheit beschäftigte Organisationen immer neue Wellen von Ransomware-Angriffen beobachten. Tatsächlich schätzt auch die Mehrheit der vom Bundesamt befragten Unternehmen, nämlich 60 Prozent, die Bedrohungslage für die eigene Institution als verschärft ein. Und sie reagieren: Fast alle Unternehmen – 86 Prozent – haben zusätzliche Maßnahmen getroffen, um sich besser vor Ransomware zu schützen. Sie sensibilisieren ihre Mitarbeiter und verstärken die Abwehr, unter anderem durch eine bessere Virenerkennung für die Computer oder durch zusätzliche Datensicherungen.

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