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Consumer Electronics Show in Las Vegas : Die Elektronikindustrie verbreitet Optimismus

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Die Messe in Las Vegas gilt als eine Bühne für Unternehmen mit Schwerpunkt Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie Bild: dpa

An diesem Donnerstag beginnt die Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Veranstalter rechnen mit einem guten Jahr für die Branche. Die Messe soll Impulse geben. Unter anderem werden hundert neue Tablet-Computer gezeigt.

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          Zum Start der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gibt sich die Branche selbstbewusst. Der Verband Consumer Electronics Association (CEA), der die Messe veranstaltet, sagt der Branche für dieses Jahr ein zweistelliges Wachstum voraus und rechnet mit Umsätzen weit über dem Niveau vor der Wirtschaftskrise. „Das Geschäft hat sich erholt, und das wird auch 2011 weitergehen“, sagte Steve Koenig, Analyst bei dem Verband, in Las Vegas. Eine überdurchschnittliche Entwicklung wird dabei für den europäischen Markt erwartet. Die Messeveranstalter hoffen darauf, dass die Aussteller mit Neuheiten weitere Impulse geben.

          Dabei wählen längst nicht alle bedeutenden Unternehmen aus der Branche die CES als Bühne für die Präsentation neuer Produkte. Der Elektronikkonzern Apple, der mit Produkten wie dem internetfähigen Handy iPhone oder dem flachen Tablet-Computer iPad auf einer Erfolgswelle schwimmt, bleibt der Messe traditionell fern. In diesem Jahr musste die CES einen zusätzlichen Tiefschlag vom Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) einstecken, der zu einer separaten Pressekonferenz im Februar eingeladen hat und dort neue Produkte vorstellen will. Offizieller Beginn für die CES ist am Donnerstag, aber es gab schon davor einige Veranstaltungen. Für Mittwochabend war die Eröffnungsrede von Steve Ballmer angesetzt, dem Vorstandsvorsitzenden des Softwarekonzerns Microsoft.

          Die Elektronikindustrie blickt auf ein gutes Jahr zurück: Nach einer in Las Vegas vorgestellten Untersuchung der CEA und des Marktforschungsunternehmens GfK legte der weltweite Umsatz der Branche gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 873 Milliarden Dollar zu. 2009 hatte die Wirtschaftskrise ein Minus von 9 Prozent gebracht. Die Umsätze des vergangenen Jahres lagen wieder über dem Niveau von 2008 (849 Milliarden Dollar) und 2007 (794 Milliarden Dollar).

          Für 2011 wird in der Studie abermals ein starkes Wachstum um 10 Prozent auf 964 Milliarden Dollar vorausgesagt. CEA-Chefanalyst Steve Koenig hält diese Prognose noch für konservativ: „Ich kann mir vorstellen, dass wir die Marke von einer Billion Dollar erreichen.“ Wie schon 2010 werde ein Großteil des Wachstums aus den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China kommen.

          Zudem sei nun aber auch in den Industrieländern wieder ein steigender Konsum zu beobachten, insbesondere in Europa. So prognostiziert die CEA für den westeuropäischen Markt in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von 23 Prozent prognostiziert, nach einem im Vergleich zum Gesamtmarkt unterdurchschnittlichen Plus von 8 Prozent im Vorjahr. Europa würde den Vorhersagen zufolge 2011 besser abschneiden als jede andere Region in der Welt. Beispielsweise wird für China und für Nordamerika ein Wachstum von jeweils 15 Prozent erwartet. Das Geschäft in Amerika wird nach den Worten von Koenig von einem Preisverfall in mehreren Produktkategorien belastet.

          Das erwartete Umsatzwachstum für 2011 kommt nach Angaben in der Studie vor allem von internetfähigen Handys (Smartphones) und mobilen Computern. In die zweite Kategorie fallen auch Tablet-Computer wie das iPad von Apple. Der Erfolg des im vergangenen April eingeführten iPad macht Tablets in diesem Jahr zu einem beherrschenden Thema auf der Messe. CEA-Chefökonom Shawn DuBravac sagte, nach seiner Schätzung werden mehr als 100 Tablet-Modelle auf der CES ihre Premiere haben. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr rund 30 Millionen Tablets auf der ganzen Welt verkauft werden, nach 17 Millionen im vergangenen Jahr. Mit dieser Prognose ist er noch vergleichsweise zurückhaltend. Das Marktforschungsinstitut iSuppli etwa sagt für 2011 ein Absatzvolumen von 61 Millionen Tablets voraus. DuBravac meinte, dass es neben dem iPad noch Platz für andere Wettbewerber gibt, beispielsweise für günstigere Modelle. Er zitierte eine Umfrage, wonach Verbraucher für Tablets Preise zwischen 300 und 440 Dollar erwarten. Die billigste Version des iPad kostet in Amerika bislang 500 Dollar.

          In Las Vegas werden vor allem Tablets erwartet, die mit der Software Android des Internetkonzerns Google oder mit dem Microsoft-Programm Windows ausgerüstet sind. Vor allem Microsoft steht unter Erfolgsdruck. Vorstandschef Ballmer hat schon bei seiner Rede im vergangenen Jahr einige Tablets mit Microsoft-Software gezeigt, bislang ist aber kaum ein Gerät auf dem Markt. Details zur künftigen Tablet-Strategie von Microsoft wurden in Ballmers Rede am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) erwartet. Microsoft hat außerdem vor Ballmers Auftritt eine zusätzliche Pressekonferenz angesetzt.

          Unterdessen hat HP die Branche auf die Zeit nach der CES vertröstet. Von HP werden Tablets auf Basis des Betriebssystems Web OS des im vergangenen Jahr übernommenen Handyherstellers Palm erwartet. Jetzt hat HP zu einer Veranstaltung am 9. Februar in San Francisco eingeladen, bei der es um Web OS gehen soll. Weitere Details nannte das Unternehmen nicht. Aber damit dürften die Chancen schlecht stehen, dass HP auf der CES spektakuläre Ankündigungen zu seiner Tablet-Strategie macht.

          Die Consumer Electronics Show: Eine Bühne für die Unterhaltungselektronik

          Die Consumer Electronics Show (CES) in der Spielerstadt Las Vegas findet in diesem Jahr zum 44. Mal statt und dauert vom 6. bis zum 9. Januar. Am Vorabend des offiziellen Messebeginns hält wie schon in den vergangenen Jahren Steve Ballmer, der Vorstandschef des Softwarekonzerns Microsoft, die Eröffnungsrede.

          Die Messe richtet sich ausschließlich an Fachbesucher - und unterscheidet sich damit von ihren beiden großen deutschen Konkurrenten, der Computermesse Cebit in Hannover und der Funkausstellung in Berlin. Die CES hatte im vergangenen Jahr mehr als 126 000 Besucher und damit 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor der Wirtschaftskrise hat die Messe aber noch regelmäßig mehr als 140 000 Menschen angezogen. In diesem Jahr rechnen die Veranstalter vom Branchenverband Consumer Electronics Association (CEA) mit mehr als 120 000 Besuchern.

          Traditionell ist die CES eine Bühne für Unternehmen mit dem Schwerpunkt Unterhaltungselektronik, also zum Beispiel Hersteller von Fernsehgeräten oder Kameras. In den vergangenen Jahren hat sich die Messe aber immer breiter aufgestellt und ist auch zu einer Plattform für große Adressen aus der Informationstechnologie geworden, mit Ausstellern wie Microsoft oder dem Chiphersteller Intel. In der Geschichte der CES haben einige sehr prominente Produkte ihre Premiere gefeiert. Zum Beispiel wurde im Jahr 1970 dort der erste Videorecorder der Welt vorgestellt, im Jahr 1981 der Camcorder, im Jahr 2001 die Videospielekonsole Xbox von Microsoft und im Jahr 2003 der Bluray-Spieler.

          Die CES-Ausstellung verteilt sich auf mehrere Hotels und Hallen rund um die Amüsiermeile „Strip“, wo die berühmtesten Kasinos der Stadt stehen. Die meisten großen Aussteller sind im Convention Center, die Hauptreden („Keynotes“) finden im benachbarten Hilton-Hotel statt, auch das der Stadt Venedig nachempfundene Hotel Venetian ist Schauplatz einiger Veranstaltungen. Viele Firmen präsentieren sich abseits des großen Menschenstroms in Hotelsuiten, wobei Besucher meist nur auf persönliche Einladung Zutritt bekommen. Hier werden zum Beispiel auch Produkte gezeigt, die erst weit in der Zukunft auf den Markt kommen könnten; Gäste müssen sich zu Stillschweigen verpflichten.

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