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Computerspielemesse : Größter Spielplatz der Welt

Zu der Leipziger Spielemesse werden auch Millionen Nutzer im Internet erwartet Bild: AFP

Lange haben die Veranstalter der Leipziger Computerspielemesse mit dem Konkurrenten Koelnmesse über den Veranstaltungsort der Games Convention gestritten. Jetzt stellt Leipzig die Messe überraschend ein und veranstaltet eine internationale Leistungsschau für Online-Spiele.

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          Nach Gründung einer Gegenveranstaltung in Köln stellt Leipzig seine Computerspielemesse Games Convention (GC) überraschend ein. Die Messegesellschaft teilte mit, stattdessen vom 30. Juli bis zum 2. August Europas erste Messe für Online-Spiele abzuhalten. Die traditionelle Games Convention - 2008 die größte Computerspielemesse der Welt - werde bis auf weiteres „ausgesetzt“, die neue Leistungsschau heiße Games Convention Online, sagte Messechef Wolfgang Marzin.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die Branche angesichts der in Deutschland entstandenen Wettbewerbssituation 2009 nicht gesammelt in Leipzig treffen wird.“ Um der Games Com des Konkurrenten Koelnmesse zuvorzukommen, will man die GC-Online um drei Wochen vorverlegen, in die Zeit der Schulferien. Bisher waren GC und Games Com parallel vom 19. bis zum 23. August 2009 geplant. Die GC-Online findet mit Unterstützung des Partnerlandes Süd-Korea statt, des nach eigenen Angaben wichtigsten Online-Spielemarkts der Welt.

          Millionen Internet-Gäste werden erwartet

          Zu der neuen Art von Messe, die Vorläufer allenfalls in Asien hat, werden 70 bis 100 Aussteller und 50.000 bis 100.000 Besucher erwartet, dazu Millionen Nutzer im Internet. Damit werde Leipzig zum „größten Spielplatz der Welt“, hieß es. An der letzten traditionellen GC 2008 nahmen 550 Aussteller und 203.000 Besucher teil, mehr als an der bisherigen Weltleitmesse in Tokio. Marzin erinnerte daran, dass auch die alte GC 2002 klein angefangen, sich dann aber rasant gesteigert habe. Dieses Potential verlagere sich immer mehr von den netzunabhängigen (offline) Computer- und Videospielen zu vernetzten Spielen am Computer oder Mobiltelefon.

          „Mit der GC-Online gehen wir einen Schritt weiter, mitten hinein in einen jungen, hochdynamischen Wachstumsmarkt.“ Die Online-Messe solle in zwei oder drei Jahren Gewinne machen und habe das Zeug, ebenso groß zu werden wie die bisherige. „Wenn die Branche wieder eine Plattform für Konsolen-, PC-Spiele und Hardware mit unseren Kenntnissen wünscht, stehen wir sofort zur Verfügung.“ Die großen Namen wie Atari, Electronic Arts, Konami, Microsoft, Sega oder Sony wird man auf der GC-Online vergeblich suchen.

          Eigene Leistungsschau für Online-Spiele

          Sie und ihr Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) haben sich wegen der angeblich mangelhaften Infrastruktur in Leipzig für Köln entschieden. Die Sachsen setzen jetzt auf die wichtigsten, aber kaum bekannten Onlinespiele-Anbieter, darunter die Gameforge 4D GmbH aus Karlsruhe oder die Bigpoint GmbH aus Hamburg. Gameforge versteht sich als größter unabhängiger Anbieter von Onlinespielen in der Welt. Bigpoint wurde 2008 für rund 100 Millionen Dollar von dem amerikanischen Sender NBC Universal und von GMT Communication Partners übernommen. Nils-Holger Henning von Bigpoint sagte in Leipzig, die Online-Branche gehe auf den herkömmlichen Spielemessen unter und setze deshalb auf eine eigene, alle internationalen Kräfte bündelnde Leistungsschau. „Hier wird Leipzig Vorreiter, Deutschland kann sich als Innovationsstandort profilieren.“

          Carsten van Husen von Gameforge verwies darauf, dass der Markt für Konsolenspiele in den kommenden 5 Jahren um etwa 40 Prozent wachsen werde, für das Online-Geschäft erwarte man 150 Prozent. Sein Unternehmen erwirtschafte mit 200 Mitarbeitern einen dreistelligen Millionenumsatz und sei stets profitabel gewesen. 14 Millionen Personen nutzten die Gameforge-Produkte jeden Monat, zuweilen seien 300.000 Menschen gleichzeitig in einem Spiel aktiv. „Wir sind dabei, von einem Spezialistenhobby zu einem Publikumsthema zu werden, dabei wird uns die GC-Online helfen.“ Allerdings wollen die Kölner den Leipzigern das Feld nicht kampflos überlassen. Die Games Com stelle ebenfalls Platz für Online- und Browsergames zur Verfügung, teilte die Koelnmesse mit. Bigpoint habe deshalb auch einen Stand in Köln gebucht, sagte Henning.

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