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Computerhandel : In der Computerhandelskette PC-Spezialist tobt ein heftiger Streit

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Beim Franchisegeber für die Computerhandelskette PC-Spezialist gibt es Streit. Der Vorstand der PC-Spezialist Franchise AG, Bielefeld, kämpft gegen eine Aktionärin des Unternehmens, die zur Deutschen Balaton gehörende Cornerstone Capital AG, Frankfurt.

          Beim Franchisegeber für die Computerhandelskette PC-Spezialist gibt es Streit. Der Vorstand der PC-Spezialist Franchise AG, Bielefeld, kämpft gegen eine Aktionärin des Unternehmens, die zur Deutschen Balaton gehörende Cornerstone Capital AG, Frankfurt. In einem mehrseitigen Brief an alle Aktionäre wehrt sich PC-Spezialist gegen den Wunsch von Cornerstone, den Aufsichtsrat auf der nächsten Hauptversammlung am 1. Juli abzuwählen.

          In dem Schreiben weisen Vorstand und Aufsichtsrat den Vorwurf von Cornerstone zurück, der Aufsichtsrat leiste keine gewissenhafte, unabhängige Kontrolle, da er "in keiner Weise die Beteiligungsverhältnisse an der Gesellschaft widerspiegelt". Richtig sei zwar, daß keines der drei Aufsichtsratsmitglieder meldepflichtige Aktienbestände halte. Gerade dies gewährleiste aber die unabhängige Kontrolle des Vorstands. Cornerstone und die Deutsche Balaton AG halten zusammen 14,83 Prozent des Aktienkapitals. Weitere 11,38 Prozent liegen bei der Axxion S.A. In diesem Zusammenhang vermutet PC-Spezialist, daß es zwischen beiden Aktionären Absprachen gibt, da Axxion mit rund 13 Prozent an Balaton beteiligt sei. Cornerstone will seinen Vorstand Pieter van Halem in den Aufsichtsrat bringen, ebenso seinen Investmentmanager Sascha Rangoonwala sowie Stefan Kaczmarek, Geschäftsführer der Laurea Media GmbH (Wiesbaden).

          Gegenüber dieser Zeitung wies Halem den Verdacht zurück, unter diesen Aktionären habe es eventuell unerlaubte Absprachen gegeben. Dies hatte PC-Spezialist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angezeigt. "Es handelt sich bei Axxion und Cornerstone um komplett unabhängige Unternehmen", sagte Halem. "Wir machen keine konzertierten Aktionen. Je mehr sich der Vorstand gegen den Antrag von Cornerstone stellt, um so mehr werden wir dafür kämpfen", kündigte Halem an. Eine weitere Kandidatur um ein Aufsichtsratsmandat durch eine Person, die nicht für Cornerstone tätig ist, sei wahrscheinlich. "Und wir werden keinen Vorstand halten, der krumme Geschäfte macht. Wir haben ursprünglich nicht bezweckt, den Vorstand abzulösen. Aber wir sind frei in unserem Tun und Lassen."

          Halem, der sich mit Cornerstone im Jahr 2003 an dem Bielefelder Unternehmen beteiligt hat, wirft PC-Spezialist und seinem Vorstandssprecher Frank Roebers zunächst eine verfehlte Expansionsstrategie in einem Geschäftsfeld vor, in dem sich das Unternehmen nicht auskenne. So werde in Eigenregie eine große Filiale in Wien betrieben, die sich mit Navigationssystemen und Unterhaltungselektronik befasse. So etwas habe in einem Franchisesystem aber nichts zu suchen. "Das ist ein ganz anderes Geschäft." Halem zieht aber auch die Qualität einiger Bilanzierungsansätze in Zweifel und verweist auf zahlreiche juristische Auseinandersetzungen, die der Vorstand mit seinen Franchisenehmern führe. Auch spreche die schlechte Geschäftsentwicklung für sich.

          PC-Spezialist verweist mit Blick auf die neue Wiener Filiale, die unter dem Namen "Digital Inc." läuft, hingegen darauf, daß neue Filialtypen nach den Richtlinien des deutschen Franchiseverbandes zunächst als Eigenbetriebe des Franchisegebers geführt werden. "Nicht unser gesamtes Unternehmen, sondern Digital Inc. macht in diesem Jahr einen maximalen Verlust von 400000 Euro, wahrscheinlich deutlich weniger. Wir liegen aber mit unserer Entwicklung dort im Plan, und alle Fachleute räumen ein, daß der neue Betriebstyp ein Marktsegment abdeckt, das im Gegensatz zum reinen PC-Handel zweistellige Wachstumsraten aufweist", sagte Roebers dieser Zeitung.

          Roebers bezweifelt auch, daß der Aufsichtsrat durch die Wahl der von Cornerstone vorgeschlagenen Personen unabhängiger werde. "Eine hohe Quote unserer Aktionäre ist nach dem heutigen Stand der Gespräche unserer Meinung. Keiner, mit dem wir bisher gesprochen haben, will, daß ein Minderheitsaktionär den Aufsichtsrat dominiert", sagte Roebers. Cornerstone betreibe eine Eskalationsstrategie. Zu den einzelnen Vorwürfen könne er sich nur äußern, wenn dafür auch Beweise vorgelegt würden. "Es stimmt, man kann keinen Vorstand halten, der krumme Geschäfte macht", fügt er mit einem Anflug von Sarkasmus hinzu.

          In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs von PC-Spezialist um rund ein Drittel gefallen. Auf den laufenden Streit reagiert das Papier mit weiteren Abschlägen. Nach den Worten von Roebers entwickelt sich das Unternehmen grundsätzlich überaus positiv, und es bleibe auch dabei, daß ein Ergebnis von 0,40 Cent je Aktie im laufenden Jahr das untere Ende der Erwartungen markiere. Nach den jüngsten Akquisitionen macht PC-Spezialist einen Außenumsatz von 3 Milliarden Euro. (Kno.)

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