https://www.faz.net/-gqe-u96f

Computer : Michael Dell gibt den Steve Jobs

Will zurück an die Spitze - Michael Dell Bild: REUTERS

Computerhersteller Dell hat seine Spitzenposition verloren. Nun reißt der Unternehmensgründer das Ruder wieder an sich. Michael Dell will das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur bringen. Erinnerungen an Steve Jobs bei Apple werden wach. Von Roland Lindner.

          2 Min.

          Wenn man in den vergangenen Tagen die Top-Manager des amerikanischen Computerkonzerns Dell zu Gesicht bekam, dann machten sie nicht gerade den entspanntesten Eindruck. Kevin Rollins stand noch am Montag in New York als Vorstandschef von Dell auf der Bühne, als der Softwaregigant Microsoft sein neues Betriebssystem Windows Vista vorstellte. Microsoft-Chairman Bill Gates überreichte Rollins eine gerahmte Souvenirversion von Vista, und der nahm sie mit verkrampft wirkendem Lächeln an. Ein paar Tage vorher konnte man Unternehmensgründer Michael Dell beim Weltwirtschaftsforum in Davos beobachten, wie er etwas verloren alleine in der Gegend herumstand.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie sich nun herausstellt, hatte er allen Anlass, abseits des Davos-Getümmels zu sinnieren. Er wird schon zu diesem Zeitpunkt gewusst haben, dass sein Unternehmen bald für einen Paukenschlag sorgen wird. Am Mittwochabend war es soweit: Michael Dell reißt das Ruder bei dem Computerhersteller wieder an sich und übernimmt den Posten als Vorstandschef. Kevin Rollins verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.

          Krise führt zum Sinneswandel

          Damit trennen sich die Wege der beiden Männer, die mehr als ein Jahrzehnt lang den Eindruck erweckt haben, zwischen sie passe kein Blatt. Kevin Rollins kam im Jahr 1996 von der Beratungsgesellschaft Bain & Co. und wurde schnell zur rechten Hand von Michael Dell. Sie sprachen über sich schon als Co-CEOs, als Dell noch allein Vorstandschef war und Rollins noch den offiziellen Titel Chief Operating Officer trug. Sie unterzeichneten interne Notizen mit „Kevin und Michael“ und arbeiteten gewissermaßen in einem Büro, dessen Arbeitsplätze nur durch eine Glaswand mit stets offener Schiebetür getrennt waren.

          Musste den Chefposten räumen: Kevin Rollins
          Musste den Chefposten räumen: Kevin Rollins : Bild: AP

          Im Jahr 2004 bekam Rollins offiziell den Posten als Chief Executive Officer, während sich Michael Dell auf die Funktion als Verwaltungsratschef (Chairman) zurückzog. Allzu viel geändert hat sich mit diesem Stabwechsel nicht. Michael Dell blieb weiterhin eng in das Geschehen eingebunden. Das unterstrich er, als er sich in den vergangenen Monaten ein ums andere Mal demonstrativ auf die Seite von Rollins schlug, als dieser unter Beschuss geriet. „Kevin und ich führen dieses Unternehmen gemeinsam. Wenn Sie ihm die Schuld geben wollen, können Sie genauso gut mir die Schuld geben“, sagte er im September.

          Mit 1000 Dollar zum Marktführer

          Die sich verschärfende Krise hat nun offenbar zu einem Gesinnungswandel geführt, und Michael Dell hat den 54 Jahre alten Rollins fallen lassen - nicht ohne ihn in der Mitteilung zum Führungswechsel „einen großartigen Geschäftspartner und Freund“ zu nennen. Nun kehrt also der Mann wieder an die Spitze zurück, der Dell von einer kleinen Computerbude zu einem Technologieimperium gemacht hat und damit reich wurde. In der jüngsten „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt steht der 41 Jahre alte Dell mit einem Vermögen von 17,1 Milliarden Dollar auf Rang zwölf.

          Michael Dell hat das Unternehmen im Jahr 1984 aus seinem Studentenwohnheim im texanischen Austin heraus mit einem Startkapital von 1000 Dollar gegründet. Diese Geschichte ist Wirtschaftslegende geworden und wird auch vom Unternehmen immer wieder gerne erzählt. Dell rüstete Computer anderer Hersteller gemäß den Vorgaben seiner Kunden auf. Aus dieser Idee entstand das Unternehmenskonzept: Fertigung von Computern nach den Vorgaben von Kunden, Direktvertrieb ohne Zwischenhändler, günstige Preise.

          Dell gibt den Jobs

          Der Texaner war so erfolgreich, dass er sein Biologie- und Medizinstudium bald aufgab. Im Jahr 1992, als er gerade einmal 27 Jahre alt war, wurde er zum jüngsten Chief Executive Officer, dessen Unternehmen jemals in die Fortune-Liste der 500 größten Firmen Amerikas aufgenommen wurde. Dell wuchs rasant und stieg zum größten Hersteller von Personal Computern in der Welt auf. Diese Position hat das Unternehmen im vergangenen Jahr vorerst wieder an den Rivalen Hewlett-Packard abtreten müssen.

          Es ist nicht ohne Beispiel, dass ein Unternehmen seinen Gründer zurück an die Spitze beruft, wenn es in Schwierigkeiten gerät. Das tat zum Beispiel im Jahr 1997 auch der Computerhersteller Apple, als er Mitgründer Steve Jobs wieder zum Chief Executive Officer machte. Jobs hat Apple seither wieder auf die Erfolgsspur zurückgebracht. Vor dieser Herausforderung steht nun auch Michael Dell.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Grund zur Freude: Franziska Giffey, Olaf Scholz und Manuela Schwesig am Morgen nach dem Wahlsonntag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

          Regierungsbildung : Deutschland rückt nach links

          In Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ist die Linke der bevorzugte Koalitionspartner, im Bundestag sitzen jetzt lauter Jusos. Auch die Grünen-Fraktion ist jünger und linker geworden. Was folgt daraus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.