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Computer : Dell leidet unter Imageproblemen

  • Aktualisiert am

Mehrere Baustellen bei Computerhersteller Dell Bild: dpa

Der Computerhersteller Dell blickt auf eine schwierige Woche zurück: Nach einem großangelegten Akku-Rückruf berichtet der Konzern nun über einen gesunkenen Gewinn. Außerdem ermittelt die Börsenaufsicht in Bilanz-Angelegenheiten gegen Dell.

          Der weltgrößte PC-Hersteller Dell hat einen Gewinneinbruch erlitten und sieht sich zudem mit Bilanz-Ermittlungen der Börsenaufsicht (SEC) konfrontiert. Der Ertrag im abgelaufenen Geschäftsquartal verringerte sich um mehr als die Hälfte, wie der amerikanische Konzern am Donnerstag nach Börsenschluß bekannt gab.

          Der Umsatz stieg zwar um fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar, doch bedeutet dies für das Unternehmen das langsamste Wachstum seit mindestens drei Jahren.

          Gewinneinbruch schockt die Anleger

          Über die informelle SEC-Untersuchung zur Umsatzverbuchung und zu weiteren Bilanzfragen ist Dell bereits seit einem Jahr im Bilde, wie ein Unternehmenssprecher einräumte. Dennoch habe die Firma diese Information für sich behalten, da sie sich nicht zur Veröffentlichung verpflichtet gesehen habe.

          Der Gewinneinbruch wie auch die Bekanntgabe der Ermittlungen schockten die Anleger, die die Aktien von Dell im nachbörslichen Handel auf Talfahrt schickten.

          Nicht die erste schlechte Nachricht

          Es war bereits die zweite Hiobsbotschaft in dieser Woche, nachdem Dell zu Wochenbeginn Millionen Laptop-Akkus mit Sony-Batterien zurückgerufen hatte, weil sie im Extremfall in Flammen aufgehen können. Der Rückruf vom Montag war die größte derartige Aktion in der 22jährigen Firmengeschichte.

          Darüber hinaus hatte Konkurrent Hewlett Packard Mitte dieser Woche mit positiven Geschäftszahlen geglänzt und gegenüber dem größeren Wettbewerber Dell Boden gutgemacht.

          Dell leitet interne Untersuchung ein

          Dell erklärte nun, das Unternehmen glaube nicht, daß die SEC-Untersuchung „substanzielle Auswirkungen“ auf die Finanzlage des Konzerns haben werde. Man habe sich dennoch jetzt entschlossen, die Sache öffentlich zu machen. Bei der Beantwortung der Fragen der Börsenaufsicht seien „ein paar Sachen“ aufgetaucht, die nun auch einer internen Untersuchung bedürften, sagte Finanzchef Jim Schneider.

          Die SEC habe einen wahren Berg an Dokumenten angefordert, fügte er hinzu. „Damit könnten sie einen Lastwagen füllen“, so Schneider auf einer Analystenkonferenz.

          Rückgang entsprach den Erwartungen

          Sein Unternehmen mußte in den drei Monaten bis zum 4. August einen Rückgang des Reingewinns um 51 Prozent auf 502 Millionen Dollar verkraften. Dies entspricht 22 Cent je Aktie, womit Analysten im Schnitt auch gerechnet hatten. Die Anleger reagierten dennoch nervös: Im nachbörslichen Handel verloren die Aktien von Dell um 4,8 Prozent auf 21,71 Dollar.

          Analysten verweisen darauf, daß Dells frühere Wettbewerbsvorteile aus seinem Direktvertriebsmodell längst ausgereizt seien und das Unternehmen zudem mit Imageproblemen zu kämpfen habe. „Dell hat die Trendwende eingeleitet. Aber ich weiß nicht, ob die bisherigen Schritte ausreichen“, sagte Analyst Shaw Wu von American Technology Research. Dell selbst zeigte sich enttäuscht von den Zweitquartalszahlen. Unternehmenschef Kevin Rollins kündigte Maßnahmen an, um die Ergebnisse langfristig zu steigern. Zudem sollen die Kosten stärker gesenkt werden. Eine Prognose für das laufende dritte Quartal nannte Dell nicht.

          Stärkere Zusammenarbeit mit AMD

          Dell hat außerdem eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit der Advanced Micro Devices Inc (AMD) angekündigt. Durch die Kooperation reduziert Dell ihre Abhängigkeit vom AMD-Wettbewerber Intel.

          Der PC-Hersteller werde künftig nicht mehr ausschließlich Prozessoren von Intel sondern auch Halbleiter von AMD in einigen seiner Produkte verwenden, teilte Dell mit. In der im kommenden Monat auf den Markt kommenden Produktlinie „Dimension“ würden AMD-Athlon-Chips eingesetzt, hieß es.

          AMD ist Intel auf den Fersen

          AMD habe sich inzwischen zu einem beachtlichen Konkurrenten von Intel entwickelt, schreiben Beobachter. Die jüngste Ausbau der Produktionskapazitäten, unter anderem in zwei Werken in Deutschland, lasse darauf schließen, daß AMD einen Anstieg der Nachfrage erwarte. Das Unternehmen selbst habe sich zum Ziel gesetzt, 2008 einen Anteil von 33 Prozent am Mikroprozessorenmarkt zu haben.

          Der Kurs der AMD-Aktie kletterte am Donnerstag im regulären Handel um 7,2 Prozent auf 24,20 Dollar - nach Ansicht der Analysten war dies der lange erwartete Auftrieb nach einem Kursrückgang um 26 Prozent im Jahresverlauf. Nachbörslich ging der Kurs um 2,9 Prozent zurück.

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