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Computer : Das Ende eines Duopols

Jung und gewitzt: Bill Gates 1981 im Alter von 26 Jahren mit Paul Allen, mit dem er Microsoft gründete Bild: picture-alliance/ dpa

Die Welt der IT war so gut sortiert: Intel und Microsoft hatten den Markt fest im Griff, Google, Apple, ARM und andere Konzerne hatten etwas dagegen. Doch jetzt zieht der Wettbewerb in der Branche plötzlich wieder an.

          6 Min.

          Was ist nur passiert? „Intel kann es sich nicht leisten, die Infineon-Sparte nicht zu kaufen“, sagt ein bekannter amerikanischer Aktienanalyst: „Verpasst der Konzern diese Gelegenheit, verliert er auf dem Markt für sogenannte Smartphones abermals.“ So sieht sie aus, die Computerwelt des Jahres 2010. Intel, der größte Hersteller von Computerchips, kann es sich, jedenfalls nach der Meinung wichtiger Branchenkenner, nicht leisten, eine vergleichsweise kleine Sparte des deutschen Wettbewerbers Infineon nicht zu kaufen. Die Sparte, um die es geht, liefert Prozessoren, die in tragbare Computer wie den Tablet-Rechner iPad von Apple eingebaut werden, oder auch in Mobiltelefone wie das iPhone. Dabei handelt es sich um die Chips, die direkt mit den jeweiligen Mobilfunknetzwerken kommunizieren. Dort hat Intel, nachdem 2006 ein Versuch gescheitert war, in diesem Markt Fuß zu fassen, derzeit nichts zu bieten.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Denn Apple-Produkte sind plötzlich wichtig. Ein Telefon und ein Tablet-Computer, Dinge also, die vor zehn Jahren als Angebote aus dem Hause Apple noch unvorstellbar gewesen wären, haben den Markt aufgerollt. Für Intel reicht es deshalb schon lange nicht mehr aus, nur eng mit dem weltmarktführenden Softwarekonzern Microsoft zusammenzuarbeiten, um dadurch das alte „Wintel“-Monopol (zusammengesetzt aus dem Namen des Microsoft-Betriebssystems Windows und dem Unternehmensnamen Intel) und damit den Erfolg abzusichern. In den Personal Computern (PC) und Notebooks von Apple sind die Intel-Prozessoren zwar seit einigen Jahren auch zu finden. Aber kein Geringerer als der Apple-Mitbegründer und -Vorstandsvorsitzende Steve Jobs sät eifrig Zweifel, ob den PCs überhaupt noch die Zukunft gehört.

          Microsoft räumt Desaster ein

          Sollte er recht behalten, wäre es für Intel noch dringender, auf anderen Einsatzgebieten für Computerchips strategisch voranzukommen. Auf einer Fachtagung hat Jobs die PCs schon mit Traktoren verglichen und damit ihren Abgesang angestimmt. „Als wir noch eine Agrarnation waren, waren alle Autos Trucks, also kleine Lastwagen, weil man die auf den Bauernhöfen brauchte. Aber als man Autos für die Zentren der Städte brauchte, wurden die normalen Limousinen populärer. Bestimmte Innovationen, die in den Trucks überflüssig waren, wurden in den Limousinen richtig wichtig. Und die PCs werden künftig die Rolle dieser Trucks einnehmen“, sagte Jobs. Es werde zwar immer noch viele von ihnen geben, aber sie würden eben nicht mehr von jedermann genutzt, sondern nur noch von einem Teil der Menschheit. Die unfassbar hohen Absatzzahlen von Produkten wie dem iPhone und dem iPad, aber auch solche spöttischen Bemerkungen sind es, die Steve Ballmer, den Vorstandsvorsitzenden von Microsoft, maßlos ärgern.

          Nicht mehr überall im Mittelpunkt: Ein Chip von Intel

          Nur einen Tag nach Jobs sagte Ballmer auf derselben Konferenz voller Trotz: „Die Menschen werden PCs noch in vielen kommenden Jahren in immer größerer Zahl nutzen. Dabei werden sich die Geräte kontinuierlich verändern. Sie werden kleiner und leichter werden. Einige werden eine Tastatur haben, andere nicht. Nichts, was die Menschen heute an einem PC erledigen, wird morgen weniger wichtig sein.“ Natürlich werde es bald auch Tablet-Computer mit dem Windows-Betriebssystem geben, ergänzte er noch, schon etwas schmallippiger – und dürfte dabei darüber nachgedacht haben, ob Apple bis dahin iPads in zweistelliger Millionenzahl verkauft haben wird. Zuletzt räumte Ballmer ein Desaster ein: „Wir waren bei der Software für Mobiltelefone einmal richtig weit vorne. Jetzt finden wir uns auf dem Markt plötzlich an Position fünf wieder.“ Und der Hoffnungsträger Windows 7 für Mobiltelefone wird noch bis zum Jahreswechsel auf sich warten lassen.

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