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Computer : Apple kommt mit eigenen Geschäften nach Deutschland

  • Aktualisiert am

Die iPods sind Verkaufsschlager Bild: AP

In München, Hamburg, Köln, Berlin und möglicherweise auch Frankfurt sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten die ersten „Apple-Stores“ eröffnet werden. Die Handelskette Gravis profitiert vom Apple-Erfolg.

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          Innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate wird der Computerhersteller Apple eigene Geschäfte in Deutschland eröffnen. Davon ist Archibald Horlitz, Chef des Computerhändlers Gravis, überzeugt. Er beziffert die Wahrscheinlichkeit für diesen Schritt auf „99,9 Prozent“.

          Die deutsche Apple-Tochtergesellschaft wollte die Pläne offiziell nicht kommentieren, aber auch nicht dementieren. „Es gab eindeutige Signale auf der Macworld Expo in diese Richtung“, sagt Horlitz, der mit seiner Gravis-Kette bisher größter Apple-Händler im deutschsprachigen Raum ist.

          Die „Apple-Stores“ sollen in München, Hamburg, Köln, Berlin und möglicherweise auch Frankfurt eröffnet werden. Horlitz sieht diesen Schritt seines wichtigsten Lieferanten gelassen und erwartet sogar Vorteile für sich: „Das steigert die Sichtbarkeit von Apple in Deutschland.“

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          Gravis verbucht Rekordjahr

          Auch bisher seien solche Gravis-Standorte am erfolgreichsten, in denen es andere Apple-Händler gebe. Lediglich bei der Verfügbarkeit von Apple-Produkten hegt der Gravis-Gründer gewisse Bedenken: „Es hat sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, daß Apple-Stores bei bestimmten Produkten bevorzugt behandelt wurden“, sagt Horlitz. Dies sei beispielsweise beim neuen Apple iPod Nano der Fall gewesen. „Ich setze hier aber auf die Fairness von Apple“, sagt Horlitz.

          Gravis selbst hat im vergangenen Jahr von der starken Nachfrage nach Computern und digitalen Musikspielern der Marke Apple profitiert und ein Rekordjahr verbucht. Der Umsatz legte im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf rund 90 Millionen Euro zu, nachdem Gravis im Vorjahr bereits ein Umsatzwachstum von 22 Prozent erzielt hatte. Auch der Gewinn sei deutlich gestiegen, teilte das Unternehmen mit, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

          „Er war siebenstellig und stellt für uns ein Rekordergebnis dar“, sagte Horlitz. An den 24 Gravis-Standorten sind rund 420 Mitarbeiter tätig. Neben 20 eigenen Ladenlokalen betreibt Gravis auch 4 sogenannte „Shop-in-Shop“-Verkaufsstätten, beispielsweise beim Buchhändler Hugendubel oder beim Stuttgarter Modehaus Breuninger.

          Zwölf weitere Verkaufsstellen angekündigt

          Damit reagiert Gravis auf den Schwenk von Apple weg vom Nischenanbieter auf dem Computermarkt hin zu einem Top-Anbieter von Unterhaltungselektronik. Die eigenen Gravis-Geschäfte befinden sich in der Regel an Ausfallstraßen, nicht aber in den Einkaufszentren. Für 2006 kündigt das Unternehmen zwölf weitere Verkaufsstellen bei Partnerunternehmen an, die in solchen Top-Lagen ihren Standort haben. Vor allem der Norden und der Westen Deutschlands seien noch nicht hinreichend erschlossen, sagte Horlitz.

          90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Gravis in seinen Verkaufsstätten, den Rest über Internet und Postvertrieb. Angesichts der Expansionspläne stelle sich für Gravis die Frage eines Börsengangs: „Darüber denken wir durchaus nach“, sagt Horlitz. Im vergangenen Jahr hatte Gravis Genußscheine begeben, die Mittel daraus reichten für die Expansionsschritte des laufenden Jahres aus. Gravis wurde Mitte der achtziger Jahre gegründet und befindet sich im Besitz der drei Vorstandsmitglieder.

          Die Geschichte von Gravis war von einem ähnlichen Auf-und Ab geprägt wie bei Apple selbst. „Wir sind in der Apple-Krise aber nicht ganz so hart gelandet“, sagt Horlitz. Denn Gravis setzt nicht ausschließlich Apple-Produkte ab und setzt stark auf Service. „Wir reparieren beispielsweise doppelt so viele Computer, wie wir verkaufen.“ Einen Schub für das Geschäft erwartet er infolge der Einführung der neuen Apple-Computer mit Intel-Chips. „Damit wird Apple zu einem fast schon ,normalen' Computer und für breite Anwenderkreise interessant“, sagt Horlitz. Das sei bisher nicht so: Horlitz sieht die typischen Apple-Kunden vor allem unter Werbern und Ärzten.

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