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Chiphersteller : China statt Irland, New York statt Dresden

In China, wo es billig ist, soll Intels Fabrik „Fab 68” entstehen Bild: AFP

Asien und Amerika jagen Europa die Chipfabriken ab. Wachsende Märkte, niedrige Löhne, qualifizierte Arbeitskräfte und Steuergeschenke - Argumente für eine Ansiedlung außerhalb Europas gibt es viele.

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          Die neue Woche hat für die europäischen Halbleiterregionen nicht gerade rosig begonnen. Zunächst warnte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) in der F.A.Z., der amerikanische Chipriese AMD könnte sein nächstes Werk im amerikanischen Bundesstaat New York statt an seinem Hauptproduktionsstandort Dresden bauen. Nach der Verringerung der europäischen Beihilfen könne man mit den hohen Förderversprechen in Amerika nicht mehr Schritt halten: In New York winken AMD rund eine Milliarde Dollar, in Dresden wären nur 365 Millionen an Staatshilfen möglich. Während AMD vorerst nur droht, machte kurz nach Milbradts Warnung der Marktführer Intel Ernst mit seiner Entscheidung gegen Europa: Am Montag kündigte der Konzern an, seine nächste Fabrik für 2,5 Milliarden Dollar nicht etwa am europäischen Hauptstandort Irland, sondern in Dalian im Nordosten Chinas hochzuziehen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das Werk ist Intels erstes zur Herstellung von Siliziumscheiben (Wafern) in Asien überhaupt - und die erste komplette Neuansiedlung seit dem Bau in Irland 1992. „Ob AMD oder Intel: Alle großen Hersteller konzentrieren sich auf Amerika und Asien, weil dort die großen Märkte liegen, weil es dort mehr Förderung gibt und oft auch mehr Fachkräfte“, sagt Christoph Stoppok, Geschäftsführer für Elektronische Komponenten im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Ob die Großen jemals wieder ein Werk in Europa bauen, steht in den Sternen.“

          „Der am schnellsten wachsende Kernmarkt“

          Intel ist zwar schon seit 22 Jahren in China aktiv und hat dort 1,3 Milliarden Dollar investiert. Bisher betrieb der Konzern aber nur Testanlagen, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Mit der neuen Fabrik „Fab 68“, die von 2010 an Chipsätzen aus 300-Millimeter-Wafern herstellen soll, wird die Expansion in Asien auf eine deutlich breitere Basis gestellt. „China ist der am schnellsten wachsende Kernmarkt für uns“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Intel, Paul Otellini. „Wir investieren deshalb konsequent in ein Umfeld, das für uns künftig ein enormes Potential bereithält, um noch besser auf die Anforderungen unserer Kunden eingehen zu können.“

          Die Marktnähe gilt als der Hauptgrund für die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens. Intel will von Dalian aus nicht nur die Elektro-, Automobil- oder Telekommunikationsindustrie der Investoren in China beliefern, sondern auch die immer wichtiger werdenden einheimischen Produzenten. Ein Schlüsselkunde ist Lenovo, der größte Hersteller von Personal-Computern in China. Im Land selbst erreicht er mehr als 25 Prozent Marktanteil, international gilt er seit der Übernahme des PC-Zweigs von IBM als der drittgrößte Anbieter der Welt.

          Niedriger Lohn, hochqualifizierte Arbeitskräfte

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