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Cebit 2006 : Multimedia zum Mitnehmen

„Q” - Das Handy für James Bond: In der zivilen Version fehlen die Raketenwerfer Bild: Hersteller

Auch Multimedia wird immer hosentaschengerechter. Die neuen kleinen Alleskönner von Nokia, Benq-Siemens oder Samsung, die auf der Cebit präsentiert werden, können Visitenkarten lesen, Autorouten planen und Fotos in Digitalkamera-Qualität aufnehmen.

          Die Cebit steht vor der Tür, und wieder einmal spielt die Telekommunikation eine Hauptrolle. Dabei ist das Telefonieren bei den neuen Handys nur noch eine Nebensache. Die Ausstattungslisten werden immer länger, besser spricht man von mobilen Multimedia-Apparaten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          An die Kamera im Handy hat man sich gewöhnt, an den MP3-Spieler ebenfalls. Bei den Modellen für UMTS ist noch eine zweite Kamera für Videotelefonie an Bord, und rückseitig haben etliche Geräte einen GPS-Empfänger eingebaut, damit man unterwegs im Auto oder als Fußgänger nicht vom rechten Weg abkommt.

          Cebit zeigt mobile Navigationssysteme

          Wir haben uns einige Kleinode der Cebit bereits vorab angesehen. Unser Top-Favorit ist das P990i von Sony Ericsson, ein Smartphone, das die Tradition der Vorgänger P800, P900 und P910 fortsetzt. Es ist nicht so groß wie der wuchtige Nokia Communicator 9500, paßt noch gerade in die Hosentasche und trumpft mit einer ganzen Reihe von Verbesserungen auf.

          Zwitter aus Telefon und Taschencomputer: das P990i von Sony Ericsson

          Etwa Wireless-Lan und UMTS, letzteres nicht nur für Videotelefonie, sondern auch für einen schnellen Abruf der E-Mail. Die Mini-Tastatur unter der aufklappbaren Oberseite wurde ebenso optimiert wie das Display, auf dem sich Internetseiten in beachtlicher Qualität anzeigen lassen. Als Betriebssystem kommt UIQ in der Version 3 zum Einsatz und bietet erstmals Multitasking. In der Vergangenheit hat die P-Serie von Sony Ericsson vor allem durch ihre alltagstaugliche Ausstattung überzeugt. Alles Wichtige ist an Bord, und trotzdem bleibt der Apparat gut bedienbar und kompakt. Leider ist das P990i erst im Sommer auf dem Markt.

          Sonderziele anpeilbar

          Wer sich früher für ein Multimedia-Gerät mit Telefon entscheidet, sollte einen Blick auf das ganz neue Benq-Siemens SXG75 werfen, das mit GPS-Empfänger und Fahrzeug-Navigation ausgerüstet ist. Als Handy bietet der Apparat keine Überraschungen, aber der Kopilot überzeugt, kein Wunder, stammt doch die Software von VDO Dayton. Sie ist als Java-Programm vorinstalliert, man muß sich um nichts kümmern. Im Hauptmenü wählt man unter "Extras" die Navigation, und schon geht es los. Die Java-Anwendung ist besonders gut auf den Einsatz im Fahrzeug zugeschnitten. Es gibt nur vier Hauptmenüs mit geradezu riesigen Symbolen. Mit "Route planen" und "Adresse eingeben" gelingt die Erfassung des Ziels so schnell wie bei der Auto-Navigation. Man muß nicht unbedingt vollständige Straßennamen eintippen, meist reicht schon der Anfang. Wie bei den teuren Fahrzeug-Navis lassen sich sogar Sonderziele wie Parkplätze, Hotels und Restaurants abrufen. Ist die Zieleingabe beendet, bestätigt die Software mit einer kurzen Datenverbindung Ort und Straße und lädt dann von den VDO-Dayton-Servern die aktuelle Route ins Gerät.

          Was VDO Dayton hier auf die Beine gestellt hat, ist verblüffend gut. Überhaupt ist diese Cebit eine Messe der mobilen Navigationssysteme. Daß neuerdings TMC-Verkehrsnachrichten von den Kleingeräten ausgewertet werden, um den Autofahrer am Stau vorbei zu lotsen, darf allerdings nicht unbedingt als Sensation gelten. Die fest eingebauten Navi-Systeme können das schon lange, und die Qualität der von den Rundfunkanstalten ausgestrahlten TMC-Infos ist nicht so gut, daß man sich darauf stets verlassen könnte.

          SGH-i750 kann Visitenkarten erkennen

          Bei Motorola gibt es in diesem Jahr vor allem Funktechnik zu sehen. Mit etwas Glück wird man aber auch einen Blick auf den ersten Pocket PC des amerikanischen Herstellers werfen können. Der "Q" ist flach und elegant, hat eine Mini-Tastatur zum Schreiben von SMS und E-Mail und dürfte der neue Star unter den Taschencomputern werden, wenn er im Alltag hält, was erste Vorserienmodelle versprechen. Leider kommt er erst zum Weihnachtsgeschäft nach Europa. Ebenso spannend das SGH-i750 von Samsung, dem Ankündigungsweltmeister der Cebit schlechthin. Die Koreaner sind immer für Überraschungen gut - auch wenn die Ausstellungsstücke erst ein Jahr später oder gar nicht in den Handel kommen. Gute Chancen hat dieser Pocket-PC mit Telefon und großem berührungsempfindlichen Display trotzdem.

          Interessantes Detail: Er kann - wie das P990i von Sony Ericsson - Visitenkarten mit der eingebauten Kamera erfassen und anschließend automatisch in einen Outlook-Eintrag umwandeln. Auch für das Betrachten und Bearbeiten von Office-Dokumenten ist das SGH-i750 bestens gerüstet. Apropos Kamera: Der ebenfalls koreanische Hersteller LG zeigt eine Fotomaschine, die mit sage und schreibe 5 Megapixel auflöst. Im Unterschied zu ähnlich hochauflösenden Apparaten ist das KV 5500 aber nur 18 Millimeter flach. Bei den Fotohandys geht Sony Ericsson ganz neue Wege: Das K800i bietet eine 3,2 Megapixel-Kamera, ein Xenon-Blitzlicht, elektronische Bildstabilisierung sowie eine neuartige Serienbildfunktion. Das UMTS-Gerät hat ferner eine Google-Suche und beherrscht "Picture Blogging": auf Knopfdruck sollen Handy-Fotos ins eigene Weblog übertragen werden. Kein Zweifel: hier verschmelzen Handy und Digitalkamera für Einsteiger.

          Netzbetreiber setzen auf Videoangebote über UMTS

          Fernsehen mit dem Mobiltelefon ist auf der Cebit ein Modethema, wenngleich einer Live-Übertragung der Fußballweltmeisterschaft im Sommer einige Abseitsfallen entgegenstehen. Die Netzbetreiber mit Ausnahme von E-Plus setzen auf Videoangebote über das UMTS-Netz, aber das ist nur ein Provisorium, ein Vorgeschmack. Fernseh-Handys mit dem DMB-Standard haben eine ungewisse Zukunft, und der technisch sinnvolleren Alternative DVB-H fehlen derzeit noch Frequenzen und Lizenzen. Trotzdem wird man bei Nokia und anderen einen ersten Blick in die Zukunft werfen können, mit kleinen Geräten und großem Display.

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