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Buchhandel : Das Internet spornt den Buchverkauf an

  • -Aktualisiert am

Bücher als Stapelware Bild: dpa

Auch wenn das elektronische Buch bisher keine ernsthafte Konkurrenz für das Druckerzeugnis war: Internetanbieter wie Amazon kurbeln den Buchverkauf kräftig an. In diesem Jahr stieg der Branchenumsatz schon um 4,5 Prozent.

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          Es werden wieder mehr Bücher gekauft. Der Umsatz der deutschen Buchbranche ist bis Ende August gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent gestiegen. Auch wenn sich dieses Wachstum nicht bis Ende des Jahres fortsetzen werde, geht Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, davon aus, dass die Buchbranche im dritten Jahr hintereinander wachse und damit den Vorjahresumsatz von 9,3 Milliarden Euro noch einmal übertreffe.

          Entsprechend positiv gestimmt kommt die Branche nach Frankfurt, wo auf der 59. Frankfurter Buchmesse bis zum Sonntag 7500 Aussteller aus 108 Ländern fast 400 000 Bücher, darunter mehr als 80 000 Neuerscheinungen, präsentieren. Aufgeschreckt wurde die Branche kurz vor ihrem Treffen durch eine Meldung aus dem Buchhandel, wonach die Buchabteilungen der Karstadt-Warenhäuser von der Unternehmensgruppe Weltbild-Hugendubel, Augsburg, übernommen werden. Damit setzt sich die Konzentration im deutschen Buchhandel fort.

          E-Book behauptet sich überraschend schlecht

          Der Buchhandel wird von den zwei Unternehmensgruppen Weltbild-Hugendubel und Thalia beherrscht, die beide auf je knapp 700 Millionen Euro Umsatz kommen. Die nächstgrößten Buchhandlungen sind Schweitzer und Mayersche mit je etwa 130 Millionen Euro Umsatz vor Kaufhof, der etwa 80 Millionen Euro mit Büchern umsetzt. Einen Grund zur Sorge sieht Honnefelder in der Konzentration nicht. „Konzentration ist dann gut, wenn sie zu mehr Kompetenz führt“, sagte er bei der Eröffnung der Buchmesse. Das sehe er im Fall Weltbild-Hugendubel gegeben.

          Schwieriger für die Verleger zu beantworten sei die Frage, welchen Einfluss das Internet auf die Buchbranche habe. Das sogenannte E-Book - also das Buch, das man sich aus dem Internet am Computer herunterlädt - habe sich bisher überraschend schlecht am Markt behauptet. Der amerikanische Fachverleger Michael Cader vertrat daher die These, dass durch das Internet nicht das Buch, wohl aber der Markt für Bücher verändert werde. Das Buch, so war er sich mit Honnefelder einig, bilde für alle anderen Medien eine Basis, die sich auch künftig durchsetzen werde. Für das Internet eigneten sich nur tagesaktuelle Texte.

          Internet bietet dem Buchhandel einmalige Chancen

          Nur der Verleger werde seine Bücher in Zukunft erfolgreich absetzen können, der im Internet den Markt dafür suche. „Die Chance des Internet liegt in den Beziehungen, in der Leserschaft und in der Fähigkeit, Aufmerksamkeit und Achtung zu gewinnen, ein Werk zu kommerzialisieren und den Absatz zu fördern“, sagte Cader. Der erfolgreiche Verleger der Zukunft schaffe im Internet für seine Bücher Plattformen, baue also sogenannte Communities auf. Reisebücher ließen sich am besten im Umfeld von Reiseangeboten vermarkten.

          Bei dem erfolgreichen Internetversender Amazon drehe sich schon heute alles darum, „den Verkauf mit umfangreichen Informationen und zusätzlichen Inhalten zu fördern“. Es zeige sich, dass umso mehr abgesetzt werde, je mehr Informationen um ein Buch herum und je mehr Verbindungen zu anderen Internetanbietern angeboten werden. Im Internet gehe es darum, den realen Verkauf von Büchern zu fördern. Zweitrangig sei die Frage, wo danach der Umsatz mit dem Verkauf gemacht werde, ob beim Internethändler, im stationären Buchhandel oder bei einem Verlag, sagte Cader.

          Ernsthafte Konkurrenz für den Druck: Hörbücher

          Er sehe im Internet eine reale Chance, den Markt für Bücher auszuweiten. Eine ernsthafte Konkurrenz für das Buch seien lediglich digitale Hörbücher, die ein Wachstum von bis zu 50 Prozent im Jahr aufwiesen. Dieses würde sich noch beschleunigen, wenn noch bestehende Urheberrechtssperren abgebaut würden. Hörbücher könnten dann ähnlich wie Musik aus dem Internet heruntergeladen werden. Dem hielt Honnefelder entgegen, dass die Verlage zwar einen offenen Zugang zu möglichst vielen Inhalten befürworten.

          Sie seien aber keine Makler, sondern hätten viel Geld investiert, das auch zurückfließen müsse. „Wenn über Verlage Qualität und Öffentlichkeit geschaffen werden, muss das auch honoriert werden“, sagte Honnefelder und forderte die Politik auf, gegen Piraterie im Internet vorzugehen. Zudem forderte er, bei der geplanten Unternehmensteuerreform die Erweiterung der Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer um urheberrechtliche Lizenzen noch einmal zu überdenken.

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