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Breitbandnetze : Kreditmarktkrise könnte auch Kabelnetzkonzerne treffen

Seit die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt die Finanzmärkte verunsichert, haben es die die Finanzinvestoren schwer, neue Kredite zu bekommen, die Zinsen für riskante Projekte steigen. In Großbritannien musste diese Woche der Verkauf des Kabelnetzbetreibers Virgin Media gestoppt werden, weil Interessenten aus der Beteiligungsbranche am Kreditmarkt das Geld für den Milliardenkauf nicht mehr zusammenbrachten.

Stetig fließende Kabelfernsehgebühren

Kabel BW sieht sich dennoch auf der sicheren Seite. "Potenzielle Zinsrisiken sind abgesichert", sagt Finanzchef Thiemann. Das Unternehmen habe "auf absehbare Zeit ausreichende Kreditlinien" zur Verfügung. Das Finanzierungspaket für den Kabelbetreiber haben die Royal Bank of Scotland und Morgan Stanley geschnürt. S&P erwartet derweil nicht, dass KDG und Unity von den Finanzmarktwirren erfasst werden. "Wir sehen keine unmittelbaren Auswirkungen", sagt Ratinganalyst Matthias Raab. Die ausstehenden Milliarden-Anleihen der Betreiber müssen großteils erst in einigen Jahren getilgt werden. Zudem sorgen stetig fließenden Kabelfernsehgebühren für einen vergleichsweise stabilen Einnahmenstrom. "Unsere Planung basiert auf einer gesicherten Finanzierung", sagt auch Unity-Finanzchef Christoph Winfrey.

Dennoch haben sich durch die Kreditmarktkrise für die Eigner von KDG, Unity und Kabel BW die Zukunftsaussichten bis auf weiteres eingetrübt. Finanzinvestoren leben davon, Unternehmen nach wenigen Jahren möglichst profitabel weiterzuverkaufen. Bisher hat das im deutschen Mediengeschäft, wie auch in anderen Branchen glänzend funktioniert. Als Käufer traten dabei häufig andere Beteiligungsgesellschaften auf, die hofften, später zusätzlichen Gewinn aus dem Kaufobjekt schlagen zu können. So hat EQT selbst Kabel BW 2006 vom Konkurrenten Blackstone übernommen. Auch die Beteiligungsfirmen Permira und KKR haben der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 von einem anderen Investorenkonsortium gekauft.

Rückstand beim Internetzugang

Doch das Beispiel Virgin Media in Großbritannien zeigt: Finanzinvestoren scheiden als Käufer zumindest vorerst aus. Die Preise sind damit verdorben. Auch Börsengänge als Verkaufsoption dürften für die Kabelbetreiber so schnell kaum in Frage kommen. Es fehlt an der "Börsen-Story" - also an ausreichenden Wachstumsperspektiven, um die Aktien den Anlegern schmackhaft zu machen. Die Digitalisierung des Kabelfernsehens und die Nutzung der Netze als schneller Internetzugang bieten zwar Chancen. Doch in beiden Feldern hinken die Kabelriesen hinterher. Unity ist mit dem Bezahlsender Arena gescheitert. Noch am besten entwickelt sich das Geschäft mit den Internetzugängen offenbar bei Kabel BW. Der Rückstand gegenüber dem dominierenden DSL-Internet via Telefonnetz ist dennoch demoralisierend: Gerade mal drei Prozent der deutschen Breitband-Internetzugänge entfielen zuletzt auf das Kabel. Neukunden müssen mit hohen Investitionen in Netztechnik und Marketing erkauft werden. "Das Geschäft der Kabelbetreiber ist riskant", warnt Ratinganalyst Raab von S&P.

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