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Breitbandausbau : Schnelles Internet wird weitere 20 Milliarden kosten

  • -Aktualisiert am

Dicke Kabel bohren: Die Telekom treibt den Breitbandausbau voran Bild: dpa

Eine Studie des Wirtschaftsministeriums beziffert die Kosten für den Breitbandausbau. Die nötigen Investitionen sind immens. Bund und Länder müssen wohl viel Geld zuschießen.

          Der von der Bundesregierung verfolgte flächendeckende Ausbau eines schnellen Internetzugangs kostet noch mindestens 20 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. In der Untersuchung, die der F.A.Z. vorliegt, wird dabei von einem Mix unterschiedlicher Technologien ausgegangen. Würde hingegen eine Strategie des flächendeckenden Ausbaus mit Glasfaserkabel bis zum letzten Hof verfolgt, wie sie unlängst der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Bauernverband nach einem Bericht dieser Zeitung verlangten, würden die Kosten um mehr als das Vierfache in die Höhe schnellen. Hierfür ermittelten die Experten vom TÜV Rheinland und der TU Dresden einen Investitionsbedarf von bis zu 93 Milliarden Euro.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Zahlen dürften auch für die Delegationen von CDU/CSU und SPD von Interesse sein, wenn sie von diesem Mittwoch an über die Bildung einer Regierung verhandeln. Nicht zuletzt, weil Fachleute den flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets – wie angekündigt – bis 2018 nur für realistisch halten, wenn Bund und Länder mindestens 2 Milliarden Euro zuschießen. Dass private Investoren die Kosten auf sich nehmen, scheint angesichts der Höhe der Investitionen illusorisch, weil unklar ist, wie sie diese je wieder verdienen sollen.

          Die Alternative wäre, dass ganze Landstriche ohne Zugang zu schnellen Internetverbindungen blieben. Unter schnellem Internet wird eine Datenübertragungsrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verstanden. Die Regierungen in Bund und Ländern versprechen sich davon auch einen wirtschaftlichen Schub, zumindest aber den Ausgleich des Wettbewerbsnachteils für diejenigen Betriebe und Haushalte, die keinen Zugang zu schnellen Internetverbindungen haben.

          Die Anschlussquote auf 75 Prozent zu heben wäre preiswert

          Ende 2012 hatten 55 Prozent der Haushalte bereits einen solchen Internetanschluss. Die in der Studie berechneten Kosten von 20 Milliarden Euro beziehen sich lediglich auf den Anschluss der verbliebenen 45 Prozent der Haushalte. Dabei steigen die Kosten erwartungsgemäß je schneller, desto weniger besiedelt die Gebiete sind und je größer die zu überwindenden Entfernungen.

          Mit 5 Milliarden Euro vergleichsweise preiswert wäre es, die Anschlussquote auf 75 Prozent der Wohnungen zu heben. Dies soll bereits Ende 2014 erreicht sein. Weitere 7 Milliarden Euro würde es kosten, 95 Prozent der Haushalte einen Zugang zum schnellen Internet zu ermöglichen. Die letzten 5 Prozent der Haushalte anzuschließen, die sich allerdings über ein Drittel der Landesfläche verteilen, würde dann nochmals 8 Milliarden Euro kosten. Zusammen wären das also 20 Milliarden Euro.

          Der Vergleich der erwarteten Ausgaben je Haushalt verdeutlicht die enormen Sprünge: Kostet es schon 660 Euro je Wohnung, die Anschlussquote von 55 auf 75 Prozent zu erhöhen, so belaufen sich die Ausgaben für die letzten 5 Prozent auf 3850 Euro je Haushalt. Dabei gehen die Gutachter vom TÜV bereits von der je kostengünstigsten Technologie aus, in der Regel der Übertragung über Fernseh- und Telefonkabel. Bis zu einer Deckungsquote von 75 Prozent, aber auch darüber hinaus lasse sich „der kostenoptimierte Ausbau vollständig mit kabelgebundenen Technologien erreichen“, heißt es in dem Gutachten.

          Fachleute halten die bisherigen Gelder für nicht ausreichend

          Eine vollständige und zugleich wirtschaftliche Abdeckung aller Haushalte sei hingegen nur durch den Einsatz moderner Funktechnologie für moderne Breitbandtechnologie (LTE-Advanced) zu erreichen. Sollte allein auf die Übertragung durch Kabel-TV oder Telefonkabel (VDSL-Vectoring) gesetzt werden, stiegen die Kosten schlagartig von 20 auf mehr als 34 Milliarden Euro.

          Um die von der Funktechnologie erwarteten Kostensenkungen gegenüber dem Kabel- oder Glasfaserausbau zu erreichen, müssten zusätzliche Funkfrequenzen zur Verfügung gestellt werden. Das allein wird vermutlich nicht reichen. Als eine „entscheidende Herausforderung“ wird im Wirtschaftsministerium die Finanzierung angesehen. Als unbestritten gilt dort, dass Teile dieser Gebiete mittelfristig nur mit dem gezielten Einsatz öffentlicher Mittel an die weite Welt des Internets angeschlossen werden könnten.

          Fachleute halten die bisher beispielsweise aus dem EU-Agrarfonds und anderen Fördertöpfen stammenden Gelder für längst nicht ausreichend. Im Wirtschaftsministerium geht man vielmehr davon aus, dass mindestens 2 Milliarden Euro, je zur Hälfte getragen von Bund und Ländern, über einen Zeitraum von vier Jahren zusätzlich notwendig seien, um die Finanzierungslücke zu schließen.

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