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Breitband-Internet : Deutschland ist digital gespalten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Breitband-Anschlußdichte ist in den Städten relativ hoch, auf dem Land und im Osten dagegen noch sehr gering. Für diesen „digitalen Graben“ ist auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation verantwortlich.

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          Durch Deutschland läuft ein tiefer digitaler Graben: Während die Menschen in den Ballungszentren die Vorteile des Wettbewerbs um das Breitband-Internet genießen, fallen die ostdeutschen Bundesländer und viele ländliche Regionen auf dem Weg in das Breitband-Zeitalter immer weiter zurück.

          In Hamburg, wo der Wettbewerb um das Breitband-Internet besonders heftig tobt, wählen sich schon 30 Prozent der Erwachsenen zu Hause über einen Breitband-Anschluß in das Internet ein. Dagegen beträgt dieser Anteil in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen nur 13 Prozent, hat eine exklusive Datenanalyse von TNS Infratest für diese Zeitung ergeben.

          Die digitale Spaltung in Deutschland vollzieht sich nicht nur zwischen Internetnutzern und Nicht-Nutzern, sondern auch zwischen Schmalband- und Breitband-Nutzern. Es ist ein großer Unterschied, ob man zu Fuß oder mit einem Rennwagen auf der Datenautobahn unterwegs ist“, sagt Nina Fluck, Projektleiterin von TNS Infratest.

          Standortnachteile

          Die digitale Spaltung hat Folgen: Fehlender Anschluß an das Breitband-Internet ist in der digitalen Wirtschaft, in der immer mehr Güter und Dienstleistungen im Internet bestellt und vertrieben werden, zu einem Standortnachteil für Menschen und Unternehmen geworden. „Menschen in ländlichen Gebieten und in vielen Gebieten im Osten Deutschlands sind wegen der mangelnden Breitband-Verfügbarkeit von modernen Internetanwendungen wie E-Learning abgeschnitten“, sagt Fluck.

          Auch Unternehmen meiden inzwischen die digitale Provinz. Viele Bürgermeister fordern daher vehement eine Auffahrt auf die Datenautobahn. Wenn keine Telefongesellschaft bereit ist, in einem Ort Breitband-Internet über das Telefonkabel anzubieten, suchen Kommunen in ihrer Not die Zusammenarbeit mit Anbietern wie Airdata aus Stuttgart oder Deutsche Breitband Dienste aus Heidelberg, die einen schnellen Internetzugang bei Funk ermöglichen.

          Wettbewerb findet nur in den Städten statt

          Die Ursache des eklatanten Stadt-Land-Gefälles liegt nach Ansicht vieler Beobachter in der unterschiedlichen Wettbewerbsintensität: In Städten wie Hamburg oder Berlin herrscht ein harter Infrastrukturwettbewerb zwischen der Deutschen Telekom und Konkurrenten wie Arcor, Hansenet der Versatel. Diese Unternehmen haben in eigene Technik für schnelle DSL-Anschlüsse investiert und müssen lediglich die sogenannte letzte Meile für den Zugang in die Haushalte von der Telekom mieten.

          Aufgrund niedriger Kosten haben diese Unternehmen in den vergangenen Monaten den heftigen Preiswettbewerb im DSL-Markt angezettelt. Daraufhin mußten Anbieter wie United Internet oder Freenet, die wie T-Online lediglich DSL-Anschlüsse der Deutschen Telekom unter eigenem Namen verkaufen, ebenfalls ihre Preise deutlich senken.

          Der Wettbewerb findet aber nur in den Städten statt. Für etwa die Hälfte der Bevölkerung in den ländlichen Regionen ist die Deutsche Telekom im Markt für DSL-Anschlüsse immer noch Monopolist. Für diese Menschen ist DSL teurer als in der Stadt - wenn das schnelle Internet überhaupt schon ausgebaut ist. Viele Deutsche warten bis heute vergeblich auf ihren DSL-Anschluß. Die Folge: Die Breitband-Anschlußdichte ist in Deutschland sehr gering. Im Verhältnis zwischen der Zahl der Breitband-Anschlüsse und der Zahl der Einwohner ist Deutschland in einer Rangliste des Marktforschungsunternehmens Point Topic weit abgeschlagen.

          Regulierungsbedingungen mitverantwortlich

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