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Branchen (128): Telekommunikation : Der Kampf um den Anschluss

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Umsatz im Festnetz schwindet und die Mobilfunkanbieter sind eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden. Dennoch glauben Experten, dass die Preise für Festnetzanschlüsse nicht viel weiter sinken werden. Die Konzerne sind auf der Suche nach neuen Einnahmenquellen.

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          Die Telekommunikationsbranche ist im Umbruch. Das gilt besonders für das Festnetzgeschäft. Zehn Jahre nach der Marktöffnung hat sich in Deutschland ein Preisniveau entwickelt, von dem die Kunden früher nur träumen konnten. Für knapp 30 Euro gibt es heute einen Telefonanschluss mit DSL-Breitbandzugang. Auch die Gespräche ins Festnetz und der Internetverkehr sind damit schon bezahlt.

          Die Flatrate ist das Bezahlmodell der Stunde - außer für die Gespräche in die Mobilfunknetze. Die Minutenabrechnung von Telefongesprächen wird aber über kurz oder lang ganz ausgedient haben.

          Nicht mehr viel Luft nach unten

          Grund für diese Entwicklung ist der harte Wettbewerb, der dem ehemaligen Monopolisten Deutsche Telekom zunehmend zu schaffen macht. Dabei geht es längst nicht mehr darum, der Telekom allein die Telefonminuten abzujagen. Jetzt geht es um den Telefonanschluss. Die Konkurrenz will den Kunden ganz - und ist dabei durchaus erfolgreich. Bis zum Ende des vergangenen Jahres haben sich nach Schätzungen der Bundesnetzagentur rund 7,1 Millionen oder mehr als 18 Prozent der Haushalte entschlossen, zu einem Wettbewerber der Telekom zu wechseln. Die Tendenz ist weiter stark steigend. So freuen sich Arcor und Hansenet mit der Marke Alice , Versatel und die anderen Stadtnetzbetreiber über das große Interesse der deutschen Kunden. Sie locken diese mit immer preiswerteren Bündelangeboten. Neue Preisrunden waren besonders in den vergangenen Monaten die Folge.

          „Da ist viel Marge vernichtet worden“, sagt etwa Harald Stöber, der Vorstandsvorsitzende der Arcor AG aus Eschborn. „Nach den Preissenkungen im abgelaufenen Jahr ist hier nicht mehr viel Luft nach unten.“ In der Branche wird daher damit gerechnet, dass der Preis von 29,90 Euro für das Komplettpaket noch etwas länger stabil bleibt und sich der Wettbewerb in anderer Weise bemerkbar macht. So erwarten die Beobachter, dass der Kunde in Zukunft wahrscheinlich gleich hohe oder ähnliche Beträge zahlen wird wie bisher, dafür aber mehr Leistung zum Beispiel in Form von höheren Bandbreiten an seinem DSL-Anschluss erhalten wird.

          Telekom verliert weiter Marktanteile

          Dieser harte Wettbewerb hinterlässt Spuren im Umsatz des Festnetzgeschäftes. Während der Preisverfall in den ersten Jahren nach der Marktöffnung noch durch mehr Telefonminuten überkompensiert wurde, meldet das Festnetzgeschäft inzwischen sinkende Einnahmen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz nach Schätzungen des Branchenverbandes VATM auf der Höhe von rund 37 Milliarden Euro - 1,4 Milliarden Euro weniger als im Jahr zuvor. Davon entfielen mit etwas mehr als 23 Milliarden Euro immer noch rund 62 Prozent auf die Deutsche Telekom. Die Wettbewerber kamen zusammen auf knapp 14 Milliarden Euro, nach 13,3 Milliarden im Jahr zuvor. Der Umsatzrückgang trifft also vor allem den ehemaligen Monopolisten, der im Jahr 2006 im Geschäftsfeld Festnetz/Breitband noch Erlöse von 24,7 Milliarden Euro ausgewiesen hatte.

          Die Verlagerung des Wettbewerbs auf den Kampf um den Telefonanschluss hat in den vergangenen zwei Jahren auch dazu geführt, dass die Telekom sich vor allem noch zwei Wettbewerbergruppen gegenübersieht. Auf der einen Seite sind dies die Stadtnetzbetreiber wie Netcologne oder EWE-Tel, die einen starke Präsenz in ihren Städten haben, über ihre Region hinaus aber kaum eine Rolle spielen. Einzig der Stadtnetzverbund unter dem Dach der börsennotierten Versatel kann eine gewisse Überregionalität für sich in Anspruch nehmen.

          Mobilfunkanbieter sind eine ernstzunehmende Konkurrenz

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