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Börsengang : Deshalb ist Snapchat Milliarden wert

  • -Aktualisiert am

Snapchat wird vor allem von Teenagern genutzt. Bild: dpa

Snapchat will im kommenden Jahr an die Börse. Geld verdient die App im Moment vor allem mit Werbung – aber entscheidend für den Marktwert sind andere Faktoren.

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          Das Gerücht geistert schon länger durch die Welt, jetzt wird es konkret: Das Unternehmen hinter Snapchat plant den Börsengang. Im Frühjahr soll es so weit sein. Das berichtet das „Wall Street Journal“ und beruft sich auf mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Das Unternehmen hinter der App, das seit kurzem „Snap“ heißt“, wird auf einen Wert von bis zu 25 Milliarden Euro taxiert. Damit wäre es deutlich mehr wert als die Deutsche Bank –  die wird derzeit nur mit knapp 17 Milliarden Euro bewertet.

          Aber was macht die App so interessant – und das Unternehmen dahinter so wertvoll? Snapchat war lange Zeit für seine Flüchtigkeit bekannt. Mit der App lassen sich Fotos und Videos verschicken und mit Filtern, Zeichnungen, Texten oder Emoticons versehen. Das Besondere daran: Die Medien lassen sich nicht speichern, sondern verschwinden nach ein paar Sekunden wieder. Und wenn man einen Screenshot des Fotos macht, wird der Gegenüber informiert - unbemerkt lässt sich also gar nichts festhalten.

          Die Bedienung ist alles andere als intuitiv, es gibt dutzende Möglichkeiten, nach links, rechts, oben und unten zu wischen. Möchte jemand seine Eindrücke mit mehreren Menschen teilen, dann kann er sie in einer eigenen „Geschichte“ veröffentlichen, die 24 Stunden lang verfügbar ist. Eigentlich alles Gründe, die gegen ein soziales Netzwerk sprechen – aber vermutlich sind gerade diese vermeintlichen „Makel“ das Erfolgsversprechen der App. Bei Teenagern ist sie jedenfalls unglaublich beliebt. Etwa 150 Millionen Menschen sollen sie täglich nutzen.

          Gegründet wurde Snapchat von Evan Spiegel. Er ist mit gerade einmal 26 Jahren der jüngste auf der Forbes-Liste der Milliardäre, sein Vermögen wird auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt. Ende 2013 lehnte Spiegel noch ein Übernahme-Angebot von Facebook in Höhe von drei Milliarden Dollar aus und verwunderte damit viele. Mit dem Börsengang scheint ihm jetzt der große Coup zu gelingen. Der Marktwert des Unternehmens steigt stetig: Noch bei der Finanzierungsrunde im Mai wurde es mit „nur“ 17,8 Milliarden Dollar bewertet. Laut „Wall Street Journal“ konnte es den Umsatz von 60 Millionen Dollar 2015 auf mehr als 350 Millionen Dollar in diesem Jahr steigern.

          Geld verdient Snapchat im Moment vor allem mit Werbung. Aber für den Marktwert von Apps sind – siehe Facebook – die Einnahmen durch Werbung nicht die entscheidende Kennzahl. Wichtiger sind „Retention“ und „Engagement“ – sprich: Es ist wichtig, dass Nutzer viel und vor allem regelmäßig in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind. Und: Mehr als die Hälfte der Snapchat-Nutzer ist zwischen 16 und 24 Jahre alt – das Wachstumspotential ist also groß. Hinzu kommt, dass sie enorm aktiv sind: Snapchat hat nach früheren Informationen mehr als sieben Millionen Videoaufrufe pro Tag – das sind nur etwa eine Million Aufrufe weniger als auf Facebook, und zwar mit einem Bruchteil der Nutzer. 28 Prozent der amerikanischen Jugendlichen geben laut Analysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies bereits an, dass Snapchat ihr wichtigstes soziales Netzwerk sei. Facebook liegt in dieser Statistik übrigens nur auf Platz vier – Instagram und Twitter haben es bereits überholt.

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