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Baldiger Börsengang : Mehr Skype-Kunden sollen zahlen

Skype-Stand in Singapur: Das Unternehmen strebt mit Internettelefonie an die Börse Bild: AFP

Der Internet-Telefondienst Skype geht an die Börse. Bisher stehen Preis und Volumen noch nicht fest. Doch die Nutzerzahlen steigen weiter rasant und das Unternehmen traut sich viel zu: Vor allem sollen mehr Kunden zahlen.

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          Der Internet-Telefondienst Skype SA kommt an die Börse. Das Unternehmen, das seinen juristischen Sitz in Luxemburg hat, plant eine Emission im geschätzten Volumen von 100 Millionen Dollar in der Form von American Depositary Shares (ADS) an der Technologiebörse Nasdaq in New York. Bisher ist allerdings weder die Zahl der Aktien noch der Preis, zu dem sie auf den Markt kommen sollen, festgelegt. Damit lässt sich auch noch nicht ausrechnen, welchen Wert die Investmentbanken Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley, die den Börsengang federführend betreuen, für Skype derzeit für realistisch halten. Auch die exakte Zeitspanne für die Zeichnung der Aktien steht noch nicht fest.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Das Online-Auktionshaus Ebay hatte einen Mehrheitsanteil von 70 Prozent an Skype erst im vergangenen Herbst an ein Unternehmen mit dem Namen Skype Global verkauft, hinter dem eine Gruppe von Investoren steht, die vom Beteiligungsunternehmen Silver Lake Partners angeführt wird. Wesentliche Anteile halten zudem das Canada Pension Plan Investment Board und die Beteiligungsgesellschaft Andreessen Horowitz des Mitbegründers des ersten kommerziell erfolgreichen Internet-Browsers, Marc Andreessen (siehe Marc Andreessen: Internet-Avantgarde). Ebay ist noch immer mit 30 Prozent an Skype beteiligt. Die damalige Transaktion hatte ein Volumen von rund 2 Milliarden Dollar.

          Gebühren sind die wesentliche Einnahmequelle für Skype

          Seit seiner Gründung im Jahr 2003 ist Skype stürmisch gewachsen, und auch in den vergangenen zwölf Monaten seit dem Verkauf haben die Nutzerzahlen nochmals deutlich zugelegt. Wie aus den bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zum geplanten Börsengang eingereichten Unterlagen hervorgeht, ist die Zahl der registrierten Nutzer zum 30. Juni gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent auf 560 Millionen gestiegen. Und Skype rechnet sich trotz dieser schon erreichten, hohen Zahlen weitere Wachstumschancen in der Zukunft aus: So sei es möglich, die Zahl sowohl der tatsächlich mit dem Skype-Dienst verbundenen Nutzer, also derjenigen, die das Skype-Programm auf ihren Computern auch tatsächlich regelmäßig anklicken, als auch die der zahlenden Nutzer noch deutlich zu erhöhen.

          Skype-Chef Josh Silverman

          Reine Internettelefonate von Computer zu Computer bietet Skype kostenlos an, was die Übertragung von Videodaten einschließt. Wird ein Festnetz- oder Mobiltelefon angerufen, werden Gebühren fällig. Diese Gebühren sind die wesentliche Einnahmequelle für Skype. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres hat die Zahl der zahlenden Nutzer um 23 Prozent auf 8,1 Millionen zugelegt; die Zahl der in einem Monat tatsächlich mit dem Dienst verbundenen Menschen erreichte im Durchschnitt 124 Millionen (plus 36 Prozent). Videotelefonate hatten einen Anteil von 40 Prozent an den 95 Milliarden Telefonminuten, die im vergangenen Quartal über Skype abgerufen wurden.

          Ebay war mit Skype nie richtig glücklich geworden

          Im ersten Halbjahr ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 53,9 Prozent auf 115,8 Millionen Dollar gestiegen, doch ist das Unternehmen durch die Finanzierung der Anteilsübernahme von Ebay mit vergleichsweise hohen Zinskosten belastet. Der Halbjahresumsatz liegt bei 406,2 Millionen Dollar (plus 25,1 Prozent). Ebay war mit Skype nie richtig glücklich geworden – und wollte das Unternehmen zunächst seinerseits an die Börse bringen, entschied sich vor einem Jahr dann aber doch für den Verkauf. Ebay hatte Skype im Jahr 2005 erworben (siehe Ebay verkauft Skype nun doch). Der Telefoniedienst galt damals als eines der begehrtesten Übernahmeobjekte der Branche. Das große Interesse trieb den Preis nach oben, obwohl Skype zu diesem Zeitpunkt kaum Umsätze erzielte und Verlust machte. Ebay griff schließlich für mindestens 2,6 Milliarden Dollar zu (inklusive erfolgsabhängiger Zahlungen wurden daraus später 3,1 Milliarden Dollar).

          Der Vorstandsvorsitzende von Skype ist derzeit Josh Silverman. Er gründete das Eventportal Evite.com mit, das 2001 verkauft wurde, und war Vorstandsvorsitzender von Shopping.com, bevor er im April 2008 die Führung bei Skype übernahm.

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