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Auslandsüberweisungen : Ziegen statt Geld für die Verwandten in Afrika

Warten auf Versand Bild: REUTERS

Migranten überweisen jedes Jahr hunderte Milliarden Dollar an ihre Verwandten in ihren Heimatländern. Doch nicht immer kaufen die Empfänger davon die gewünschten Waren. Internetunternehmer haben daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Statt des Geldes verschicken sie Ziegen, Handys oder Kühlschränke.

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          Die Geschichte mit dem Kühlschrank ist schon eine ganze Weile her, doch Joy Zenz kann sich noch genau daran erinnern: „Meine Mutter brauchte dringend einen Kühlschrank“, erzählt Zenz, die aus Kenia stammt und seit acht Jahren in der Nähe von Freiburg lebt. „Mama saß in Nairobi in der Hitze und hatte keine Möglichkeit, ihre Lebensmittel zu kühlen.“ Joy Zenz ging kurzerhand zur Bank, nahm Geld aus ihrem Ersparten und schickte es mit Auslandsüberweisung nach Kenia. „Für einen neuen Kühlschrank“, schärfte sie ihrer Mutter am Telefon ein. Daraus wurde nichts: „Nachdem ich das Geld geschickt hatte, kam Weihnachten. Meine Mutter wollte diversen Leuten Geschenke machen – und nahm das Geld für den Kühlschrank dafür.“ Es sei jedes Mal dasselbe, sagt Zenz resigniert. „Egal wie viel ich schicke, es reicht nie, und es wird nie für die richtigen Dinge ausgegeben.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Joy Zenz ist mit ihren Sorgen nicht allein. Im Jahr 2009 überwiesen Migranten auf der ganzen Welt rund 317 Milliarden Dollar in ihre Heimatländer, schätzt die Weltbank. Aus den Auslandsüberweisungen, auch „Remittances“ genannt, generieren etliche Entwicklungsländer einen beachtlichen Teil ihres Bruttoinlandsprodukts. „Doch viele Migranten, die das Geld an ihre Freunde und Verwandten senden, sind unglücklich darüber, wie es verwendet wird“, sagt Bernd Balkenhol, der sich für die International Labour Organisation (ILO) mit dem Thema Remittances beschäftigt.

          „Wir liefern die Ziege direkt zum Empfänger nach Hause“

          Aus dieser Erkenntnis heraus haben findige Internetunternehmer ein Geschäftsmodell gemacht, das immer mehr Nachahmer findet: Waren statt Geld, lautet das einfache Konzept. Auf seiner Website namens Mamamikes.com bietet etwa der Kenianer Segeni Ngethe Güter und Dienstleistungen an, die Exilkenianer mit Mausklick für ihre Liebsten zu Hause einkaufen können: Für 212 Dollar plus 9,99 Dollar Versandkosten gibt es dort zum Beispiel einen Kühlschrank zu erwerben. Der Käufer zahlt mit Kreditkarte oder über Pay-Pal im Internet, und Mamamikes liefert direkt zur angegebenen Adresse in Kenia. „Faszinierend“, wie Balkenhol findet. „Das ist wie ein Fleurop-Service für Afrika – nur dass es nicht bloß Rosen, sondern auch ganz viel Nützliches zu verschenken gibt.“ Das Internetunternehmen aus Nairobi ermöglicht auch, für die zu Hause gebliebenen Verwandten die Stromrechnung zu bezahlen oder das Schulgeld für die Kinder. Ja sogar eine lebendige Ziege kann man bestellen. „Wir liefern die Ziege direkt zum Empfänger nach Hause oder an einen Ort seiner Wahl“, heißt es auf der Seite. „Falls Kunden nicht in der Lage sind, die Ziege selbst zu schlachten, bieten wir an, einen Schlachter mitzuschicken.“ Billig ist das Ganze nicht: 116,91 Dollar kostet die günstigste Ziege – ohne Versand und Schlachtkosten.

          Mamamikes ist bei weitem nicht der einzige derartige Anbieter. „Allein für Kenia sind in letzter Zeit mindestens 15 neue Internetfirmen mit einem ähnlichen Angebot in den Markt eingetreten“, berichtet Josephat Nyakundi, der Chefdesigner von Mamamikes. In der Tat liefern Suchmaschinen einen einschlägigen Treffer nach dem anderen. Manche Seiten haben einen ähnlich generalistischen Ansatz wie Mamamikes, zum Beispiel der wichtigste Konkurrent Babawatoto.com. Andere fokussieren sich auf einzelne Produkte. So können Kunden für ihre Verwandten über die Plattform Sambazanow.com alles rund ums Handy besorgen, vom Telefon bis hin zum Prepaid-Guthaben. Die Plattform Payforthem.eu beschränkt sich auf den Versand von Supermarktgutscheinen. Bei weitem nicht alle Anbieter haben ihren Sitz in Afrika: Payforthem operiert zum Beispiel aus Großbritannien, Babawatoto sitzt in Amerika.

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