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Auslandsüberweisungen : Ziegen statt Geld für die Verwandten in Afrika

Bügeleisen, Schuhe und Schwarzwälder Kirschtorte

Längst versuchen einige Anbieter, den Erfolg in Kenia auf andere afrikanische Länder zu übertragen. So können Kunden der Seite Shop4mama.co.uk die dort angebotenen Waren nicht nur nach Kenia, sondern auch nach Tansania versenden. Payforthem bietet den Versand nach Gambia, Ghana und Sambia an. Sogar für Entwicklungs- und Schwellenländer außerhalb Afrikas lassen sich ähnliche Dienstleistungen finden. Ein Beispiel ist der Anbieter Thamelmall.com, über den Angehörige Waren nach Nepal schicken können – von Babybekleidung bis zu Schwarzwälder Kirschtorte. Für die Philippinen findet sich die Seite Gifts2Pinas.com, die zwar hauptsächlich Blumen anbietet, daneben aber auch Bügeleisen, Schuhe und Essensgutscheine.

Wie viel Geld im Internet mit solchen Dienstleistungen verdient wird, wird nirgends erhoben. „Das ist zur Zeit noch reine Spekulation“, sagt Balkenhol. Trotzdem ist er überzeugt: „Die Sach-Überweisungen liegen im Trend.“ In der Wirtschaftskrise sind die Auslandsüberweisungen zwar an vielen Orten der Welt stark geschrumpft. „Doch sobald die Ökonomie in den Sender-Ländern wieder anzieht, werden auch diese neuen Formen der Remittances an Bedeutung gewinnen“, sagt Balkenhol. Er glaubt, dass die Internetkäufe künftig nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den klassischen Geldüberweisungen dienen werden. Die Zielgruppe sei noch beschränkt, weil viele Migranten in den Senderländern keinen Internetanschluss oder kein Bankkonto hätten.

„Da ist noch viel Musik drin“

Die Umsätze von Mamamikes jedenfalls sind bislang recht überschaubar: 25.000 bis 60.000 Dollar erreicht das Unternehmen nach Angaben Nyakundis je Monat. Im Vergleich zu 2004 seien die Einnahmen bis 2008 jedoch um rund 200 Prozent gestiegen. Die Stammkundschaft umfasse mittlerweile fast 2000 Exilkenianer. Die beliebtesten Waren seien Supermarktgutscheine, Guthaben für das Mobiltelefon, die Überweisung der Stromrechnung und des Schulgeldes, Blumensträuße, Früchte sowie Gutscheine für Einkaufszentren.

Die Geschäftsidee hat mittlerweile sogar die etablierten Geldversender auf den Plan gerufen. So gibt es nach Angaben einer Sprecherin auch bei Western Union die Möglichkeit, von den Vereinigten Staaten aus Schulgeld oder Stromrechnungen für die Verwandtschaft im Ausland zu bezahlen. Der Service nennt sich „Quick Pay“. Voraussetzung für die Verfügbarkeit ist allerdings, dass sich lokale Schulen, Universitäten oder Unternehmen dafür angemeldet haben – und dass die jeweiligen regulatorischen Vorschriften des Landes Auslandsüberweisungen dieser Art erlauben. „Für uns ist das ein eher nebensächlicher Teil des Geschäfts“, erklärt Western Union. Remittances-Fachmann Balkenhol hingegen nimmt das neue Geschäftsmodell ernster. „Da ist noch viel Musik drin“, sagt er.

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