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Attacke von Wikileaks-Unterstützern : Der Datenkrieg gegen Unternehmen geht weiter

War nicht erreichbar: mastercard.com Bild: mastercard

Visa und Mastercard waren bereits im Visier von Computerhackern. Nun kündigten die Unterstützer von Wikileaks an, ihren „Daten-Krieg“ ausweiten zu wollen. Das Unternehmen Paypal hat bereits reagiert und die Spenden ausgezahlt.

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          Die Protestwelle gegen die Behinderung der Enthüllungsplattform Wikileaks wird immer größer. Unterstützer von Wikileaks kündigten am Donnerstag an, ihren „Daten-Krieg“ ausweiten zu wollen, nachdem sie zuvor schon die Internetseiten der Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard lahmgelegt haben, weil diese sich geweigert hatten, Spenden für Wikileaks weiterzuleiten. „Die Schlacht ist noch nicht vorbei. Immer mehr Leute helfen uns“, sagte ein Sprecher der Hackergruppe „Anonymous“ in London dem britischen Sender BBC. Weitere Ziele der Computerattacken waren die Schweizer Postbank Postfinance, die das Konto des Wikileaks-Gründers Julian Assange gesperrt hatte, sowie der Internet-Zahlungsdienstleister Paypal.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Verantwortlich für das Lahmlegen der Seiten mittels sogenannter Denial-of-Service-Attacken sind offenbar einige tausend Amateurhacker, die sich zusammengeschlossen haben, um Vergeltung für die Inhaftierung von Assange und den Umgang mit Wikileaks zu üben. Anders als sonst im Internet üblich wurden für die Angriffe keine ferngesteuerten Computernetze (Bot-Netze) eingesetzt. Stattdessen wurden einige tausend Rechner mit Hilfe einer Software der Anonymous-Gruppe so koordiniert, dass sie gleichzeitig so viele Anfragen an die Internetseiten von Visa oder Mastercard richteten, dass diese unter der Last zusammenbrachen.

          Zudem haben es die Hacker auf die Verbindungen zwischen Paypal und angeschlossenen Online-Händlern abgesehen, sodass Online-Käufer eventuell keine Zahlungen mit Paypal ausführen können. Ein Sprecher von Mastercard Europe betonte, dass die Kartenzahlungen aber wie gewohnt weiterliefen. „Nach derzeitigem Stand sind die Zahlungssysteme von den Hackerangriffen nicht betroffen“, sagt er. Jedoch räumte er ein, dass es bei einigen verschlüsselten Internetdiensten Verbindungsprobleme gebe.

          Protest auf Facebook

          Die Protestwelle, geben die Unternehmen an, geht über die Aktionen der Hacker aber längst hinaus. Auf den Facebook-Seiten von Paypal protestieren viele Nutzer gegen das Unternehmen, indem sie die Kündigung ihres Kontos androhen. „Korrupte Firmen braucht kein Mensch. Es gibt andere Wege. Daher --> delete Account“, heißt es auf Facebook. Auf Twitter kursierte der Spruch „Meinungsfreiheit kann man nicht kaufen. Für alles andere gibt es Mastercard“ als Abwandlung einer Mastercard-Werbung. „Dies beweist zweifellos die Macht, die die Menschen an den Tastaturen haben“, sagt John Walker von der Internet-Sicherheitsfirma Secure Bastion, „ das Internet birgt große Risiken und Schadenspotential.“

          Die Protestwelle, die von den Unternehmen unterschätzt wurde, hat zumindest die Ebay-Tochtergesellschaft Paypal veranlasst, die auf dem Spendenkonto eingefrorenen rund 10 000 Euro an die Wau-Holland-Stiftung auszuzahlen, die Spenden für Wikileaks sammelt. Das Konto bleibt aber weiterhin gesperrt. Offensichtlich ist es aber nicht gelungen, Wikileaks auf diese Weise den Geldhahn abzudrehen. Die Wau-Holland-Stiftung, die ihren Sitz in Guxhagen bei Kassel hat, berichtet auf ihrer Internetseite von einem „riesigen und in dieser Form bisher einmaligen Spendenaufkommen“.

          Rechtliche Schritte gegen Visa und Mastercard

          Der isländische Internetdienstleister Data Cell hat unterdessen rechtliche Schritte gegen Visa und Mastercard angekündigt, um Zahlungen an Wikileaks wieder zu ermöglichen. Deutsche Mitarbeiter von Visa und Mastercard beklagten das resolute Vorgehen der amerikanischen Muttergesellschaften gegen Wikileaks. Aufgrund der lahmgelegten Internetseiten befürchten sie Reputationsverluste.

          Wikileaks hat auch vielen Unternehmen Angst eingejagt, die nun fürchten, dass frustrierte Mitarbeiter geheime Dokumente auf diesem Weg öffentlich machen. „Die Nachfrage nach Sicherheitsleistungen ist spürbar gestiegen“, sagt Maik Bockelmann von Sicherheitsspezialisten Lumension. Die Unternehmen wollten besser kontrollieren, welche Daten das Haus verlassen. Inzwischen werden Programme eingesetzt, die jede ausgehende E-Mail oder jeden kopierten Datenträger nach verräterischen Wörtern scannen.

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