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Arcor-Chef Harald Stöber : „Die Telekom will uns aus dem Markt drängen“

  • Aktualisiert am

Arcor-Chef Harald Stöber Bild: picture-alliance / dpa

Die Telekom will Wettbewerber mit eigener Infrastruktur aus dem Markt drängen, sagt Harald Stöber. In der F.A.Z. spricht der Arcor-Chef über die Vertreibung aus dem Paradies, die Tricks der Telekom und eine Flatrate für Gespräche in Mobilfunknetze.

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          Die Telekom will Wettbewerber mit eigener Infrastruktur aus dem Markt drängen. Arcor-Chef Harald Stöber spricht über die Vertreibung aus dem Paradies, die Tricks der Telekom und eine Flatrate für Gespräche in Mobilfunknetze.

          Herr Stöber, Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat angekündigt, daß die paradiesischen Zeiten für den Wettbewerb im Herbst vorbei sein werden ...

          Das Paradies der Telekommunikation ist am 1. Januar des Jahres 1998 geschlossen worden. Dort hat vorher nur die Deutsche Telekom in den Zuständen des Monopols gelebt. Arcor war da nie drin.

          Die Telekom verliert aber immer mehr Marktanteile und hat jetzt sehr schlechte Quartalszahlen vorgelegt. Sie begründet das unter anderem mit der stetig steigenden Konkurrenz. Arcor als größtem Wettbewerber muß es ja blendend gehen.

          Die Telekom leidet - nach eigener Interpretation - schon seit der Marktöffnung unter dem Wettbewerb. Aber es stimmt: Auf dem deutschen Markt ist in den vergangenen 12 Monaten eine sehr viel härtere Konkurrenz entbrannt. Arcor hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz dennoch um 330 Millionen Euro gesteigert und zum ersten Mal Gewinn ausgewiesen. Wir sehen auch in diesem Jahr, was das absolute Wachstum angeht, keinen Bruch dieser Tendenz.

          Arcor setzt vor allem auf Bündelprodukte, die Telefonanschluß, DSL-Zugang und eine doppelte Flatrate anbieten. Jetzt will die Telekom auch mit einem solchen Bündel auf den Markt kommen - zum Niedrigpreis von weniger als 40 Euro. Wie wird Arcor darauf reagieren?

          Da gilt der alte Spruch: Wir lassen die Telekom nicht allein. Wenn sie die Preise senkt, werden wir uns das sehr genau anschauen.

          Ist das ein Fall für den Regulierer? Die Telekom vermischt regulierte mit nicht regulierten Preisen in diesen Angeboten.

          Bei den Bündelangeboten sehe ich da bisher keine Schwierigkeiten. Die Ausgestaltung des neuen Vertrages für Wiederverkäufer von DSL-Anschlüssen aber wird mit Sicherheit vom Regulierer geprüft werden müssen. Der Branchenverband VATM wird sich jedenfalls an diesem Montag bei dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Matthias Kurth beschweren.

          Was ist so gefährlich an dem neuen Vertrag?

          Vor allem die sehr schnellen DSL-Anschlüsse werden von der Telekom nach dem jetzt vorliegenden Vertrag mit ungeheuren Rabatten auf den Endkundenpreis zum Weiterverkauf angeboten. Damit können die Wiederverkäufer zum Beispiel Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von 16 Megabit je Sekunde zu Preisen auf den Markt bringen, die von Unternehmen mit eigenem Netz kaum darstellbar sind. Der Wiederverkäufer 1&1 hat ja schon einen heißen Herbst angekündigt. Diese Strategie richtet sich ganz klar gegen Unternehmen mit eigener Infrastruktur wie Arcor. Die sollen von den Wiederverkäufern aus dem stark wachsenden DSL-Markt gedrängt werden. Lieber gibt die Telekom 20 Prozent Marge oder mehr an einen Wiederverkäufer, als den Kunden ganz an einen Infrastrukturanbieter wie Arcor zu verlieren. Dagegen werden wir uns wehren.

          Wie kann die Telekom diesen Verzicht auf Marge in ihrer Lage finanzieren?

          Die Wettbewerber zahlen 10,65 Euro für die letzte Meile zum Kunden an die Telekom. Daran verdient der Konzern noch viel Geld. Wir haben selber einmal ausgerechnet, daß die Kosten für den Anschluß zwischen 7 und 8 Euro liegen müßten. Wahrscheinlich ist es aber noch weniger. Daher fordern wir, daß dieser Preis, der genau diese Kosten widerspiegeln soll, deutlich gesenkt wird.

          Bleiben wir bei der Regulierung. Die Telekom hat offenbar Regulierungsferien für ihr neues VDSL-Netz durchgesetzt. Das neue Telekommunikationsgesetz verzichtet jedenfalls auf einen Eingriff, so lange der Wettbewerb dadurch nicht „langfristig“ geschädigt wird.

          Das Wort langfristig sollte eigentlich aus dem Paragraphen gestrichen werden. Ich glaube aber, daß jetzt der Druck von der EU-Kommission aus Brüssel steigt. Und es könnte passieren, daß diese Passage im Gesetz doch noch geändert wird. Dann hätte der Regulierer, der inzwischen auch unter Druck steht, mehr Möglichkeiten, den Zugang zu dem neuen Netz zu erzwingen.

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