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Apples iPad : Bahnbrechend oder überflüssig?

Bild: reuters

Apple bringt den Tablet-Computer iPad auf den Markt und hofft auf den nächsten Verkaufsschlager. Wird Steve Jobs mit dem neuen Gerät wieder die Massen begeistern können? Die Börse ist optimistisch - aber es gibt Zweifler.

          3 Min.

          Wird Steve Jobs es mit dem Tablet-Computer iPad ein weiteres Mal schaffen, Menschenmassen zu mobilisieren? Dem Vorstandschef des amerikanischen Apple-Konzerns ist es schon oft gelungen, den Verkaufsstart neuer Produkte in seinen Läden zu einem Großereignis zu machen. Bei der Einführung des iPhone im Jahr 2007 gab es eine Hysterie wie bei Popkonzerten, die Schlangen vor manchen Apple-Geschäften zogen sich um mehrere Häuserblocks.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ob das iPad einen ähnlichen Rummel auslösen kann, wird sich am Samstag zeigen, wenn das Gerät erstmals in Amerika zu haben sein wird. Steve Jobs kann sich wohl darauf verlassen, dass eine große Gemeinde eingefleischter Apple-Fans es sich nicht nehmen lassen wird, den Tag eins des iPad vor Ort mitzuerleben. Trotzdem wird es nicht ganz leicht, die iPhone-Hysterie zu wiederholen: Mit dem iPhone stieß Apple in den schon etablierten und wachstumsstarken Markt von Multimediahandys oder Smartphones vor.

          Ein kaum erschlossenes Terrain

          Mit dem iPad wagt sich das Unternehmen dagegen auf das kaum erschlossene Terrain von Tablet-Computern, die etwas unklar irgendwo zwischen Laptops und Smartphones positioniert sind. Der Rummel könnte auch deshalb diesmal etwas geringer ausfallen, weil man das iPad anders als damals das iPhone vorbestellen oder zur Abholung am ersten Tag reservieren konnte. Das mindert den Druck, sich frühzeitig anzustellen. Am Freitagmorgen um neun Uhr Ortszeit, genau 24 Stunden vor dem Verkaufsstart, hielt sich der Andrang vor der New Yorker Filiale an der Fifth Avenue noch in Grenzen. Rund ein Dutzend Menschen hatten sich bis dahin vor dem für seinen Glaswürfeleingang bekannten Laden versammelt, der als Flaggschiff für Apple gilt. Beim iPhone, das an einem Freitag um 18 Uhr seine Premiere hatte, gab es am Abend vorher schon eine Schlange von 50 Menschen.

          An den Finanzmärkten wird jedenfalls darauf gewettet, dass das iPad einschlägt: Die Aktie von Apple notiert auf Rekordniveau, angeheizt von Analysten, die ihre Absatzprognosen für das iPad erhöht haben. Seit der Vorstellung des iPad im Januar hat der Aktienkurs von Apple um fast 15 Prozent auf 236 Dollar zugelegt. Apple hat beim Börsenwert den weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart überholt, nur der Softwarekonzern Microsoft und der Ölgigant Exxon-Mobil werden in Amerika noch höher bewertet.

          Optimistische Schätzungen

          Indizien deuten zumindest auf eine rege Anfangsnachfrage hin: iPads können mittlerweile nicht mehr zur Abholung am Samstag reserviert werden, und wer online bestellt, dem wird nur noch eine Auslieferung am 12. April versprochen. Apple scheint somit an die Grenzen seines Startkontingents zu stoßen, wobei freilich unbekannt ist, wie hoch der Anfangsbestand ist. Kaffeesatzleser haben versucht, anhand der von Apple ausgegebenen Bestellnummern auf die Nachfrage zu schließen und kamen zum Ergebnis, dass es mindestens 240.000 Vorbestellungen gibt. Diese Zahl berücksichtigt nicht die reservierten Geräte, die in den Läden verteilt werden.

          Die Schätzungen von Analysten gehen weit auseinander, sind aber insgesamt optimistisch: Zu den konservativeren gehört noch Shaw Wu von der Investmentbank Kaufman Bros., der für das Gesamtjahr 2010 einen Absatz von 2 Millionen bis 2,5 Millionen iPads voraussagt. Viele Analysten bewegen sich mit ihren Prognosen um 5 Millionen Einheiten, Katy Huberty von Morgan Stanley hält mehr als 6 Millionen für möglich. Mit dem iPhone schaffte Apple in einem vergleichbaren Zeitrahmen über neun Monate nach der Einführung einen Absatz von 5,4 Millionen.

          Welche Rolle soll das iPad für die Nutzer spielen?

          Auch wenn Apple die iPads am Samstag aus der Hand gerissen werden, bleibt noch immer die Frage offen, ob das Gerät zu einem dauerhaften Verkaufsschlager auch über die treuen Anhänger hinaus wird, die jedes neue Produkt des Unternehmens sofort haben wollen. Das gilt umso mehr, als nicht so ganz klar ist, welche Rolle das iPad im Leben seiner Nutzer neben anderen elektronischen Geräten spielen wird. Steve Jobs hat das iPad bei der Vorstellung im Januar als „magisches und revolutionäres Produkt“ angepriesen, das eine „dritte Kategorie“ von tragbaren Computern zwischen Laptops und Smartphones sein soll. Jobs präsentierte das iPad als einen Multimedia-Alleskönner für die Internetnutzung, Videospiele, Fernsehsendungen und Filme oder digitale Bücher und Internetversionen von Zeitungen. Ob es eine große Lücke gibt, in die Apple mit diesen Verheißungen vorstoßen kann, wird womöglich erst der Einsatz des Geräts in der Praxis zeigen. Einige Kritiker mäkelten nach der Vorstellung, das iPad sei nicht viel mehr als ein aufgeblasenes iPhone. Und schnell wurde auf Defizite hingewiesen, etwa dass das iPad keine eingebaute Kamera hat und nicht mit der weit verbreiteten Videosoftware Flash arbeiten kann.

          Solche Kritik hält indessen viele Teile der Medienbranche nicht davon ab, das iPad als Hoffnungsträger zu sehen. Zeitungen und Zeitschriften zum Beispiel setzen darauf, dass das iPad eine attraktive Plattform werden könnte, um digitale Inhalte kostenpflichtig anzubieten. Das wird kein einfaches Unterfangen, da viele Menschen sich daran gewöhnt haben, im Internet gratis Artikel abzurufen. Viele Verlage arbeiten an iPad-Versionen ihrer Publikationen, und erste Details sind durchgesickert: So will das „Wall Street Journal“ einem eigenen Bericht zufolge 17,99 Dollar im Monat für seine iPad-Ausgabe berechnen - deutlich mehr als Neukunden derzeit für ein Abonnement der gedruckten und der Online-Ausgabe zusammen zahlen (11,66 Dollar). Neben dem Verkaufserlös sollen auch Werbeeinnahmen fließen: Das „Wall Street Journal“ bietet Viermonatspakete für 400.000 Dollar an und hat bereits ein halbes Dutzend Anzeigenkunden rekrutiert.

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