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Zugang zu Terroristen-Handy : Amerikas Behörden dreschen auf Apple ein

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Hilft Apple den dunklen Mächten? Oder ist der Konzern ein Licht für den Datenschutz? Bild: AFP

Amerikas Regierung will Zugriff auf ein Terroristen-Handy – und Apple weigert sich lautstark. Jetzt schlägt die Regierung zurück.

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          Im Streit zwischen Apple und den amerikanischen Sicherheitsbehörden schlägt die Regierung jetzt zurück. Das amerikanische Justizministerium wirft Apple vor, den Streit aus Marketing-Gründen vom Zaun gebrochen zu haben.

          Der Hintergrund des Zwists: Das amerikanische FBI will Zugriff auf das iPhone 5c eines der Attentäter von San Bernardino, die die Weihnachtsfeier des Gesundheitsamts von San Bernardino in Kalifornien gestürmt und 14 Menschen erschossen hatten. Die Schützen waren im Schusswechsel mit der Polizei gestorben. Das Handy ist wie viele andere auch mit einer PIN geschützt. Wird zehn Mal der falsche Code eingegeben, löschen sich alle Daten im Handy.

          Ein Bundesrichter in Kalifornien hatte in dieser Woche angeordnet, Apple müsse eine Vorrichtung programmieren, die es dem FBI ermöglicht, diesen Code zu knacken. Apple widersprach dieser Anordnung öffentlich – mit dem Argument: Würde so eine Vorrichtung einmal geschaffen, könnte sie auch in anderen Fällen genutzt werden, sie könne auch in falsche Hände geraten. „Es gibt keine Garantie dafür, dass die Kontrolle funktioniert“. Die gesetzliche Frist zur Reaktion auf den Richterspruch ist allerdings noch nicht abgelaufen.

          Gleichzeitig allerdings hat der Vorsitzende des Geheimdienst-Komitees im amerikanischen Senat einen Entwurf abgelehnt, der eine Strafe für Unternehmen einführen würde, die trotz entsprechender Anordnung Nachrichten nicht entschlüsseln.

          Am Freitag amerikanischer Zeit hat jetzt das Justizministerium mit einem eigenen Schreiben auf Apples Widerstand geantwortet, das die New York Times öffentlich gemacht hat. Das Ministerium vergleicht Apple mit Telefonkonzernen, die im Zweifel auch Zugriff erlauben müssten. Zudem heißt es: „Apple hat sich so positioniert, dass man den Konzern braucht, um Zugang zum Gerät zu bekommen, und hat seine Produkte auf dieser Basis vermarktet“, heißt es in dem Statement.

          Tatsächlich stellt Apple schon seit mehr als einem Jahr seine Datensicherheit in den Vordergrund – und verkauft sich als der Konkurrenz überlegen. Ohne Google oder andere Unternehmen zu nennen, schreibt Apple-Chef Tim Cook auf der eigenen Webseite: „Unser Geschäftsmodell ist klar: Wir verkaufen großartige Produkte.“ Und weiter: „Wir bauen kein Profil auf Basis des Inhalts eurer E-Mails oder eurer Gewohnheiten beim Internetsurfen, um es an werbetreibende Unternehmen zu verkaufen.“

          Haben sich die Behörden den Zugriff selbst verbaut?

          Apple dagegen wirft jetzt den Behörden vor, sie hätten sich den Zugriff auf das Gerät selbst verbaut. Nachdem das Handy bei ihnen angekommen sei, habe jemand das Passwort der zugehörigen Apple-ID verändert, sagten Apple-Mitarbeiter mehreren amerikanischen Journalisten. Das habe es erschwert, an die Daten des Telefons zu kommen. Das amerikanische Justizministerium schiebt in seinem Brief die Verantwortung dafür auf einen Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde von San Bernardino – der Behörde gehörte das iPhone.

          Zusätzlich erschwert wird die Datensammlung durch Aktionen des Attentäters selbst. Der hatte offenbar die automatische Sicherungskopie, die iPhones auf Apple-Servern anlegen können, im Dezember ausgeschaltet.

          Wie würde so eine Sicherheitssoftware weiter genutzt? Apple verweist schon auf die Aussage eines Staatsanwaltes: Er habe noch 175 weitere Handys, die er gerne knacken würde. Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat sich derweil voll auf die Seite der Behörden geschlagen: Er fordert die Amerikaner auf, Apple zu boykottieren.

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