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Umsatzrückgang bei Apple : Ein Gigant wird träge

Bild: dpa

Zäsur für Apple: Erstmals seit 2003 fallen die Umsätze des Elektronikkonzerns, und eine Trendwende ist nicht absehbar. Das iPhone ist bei weitem nicht die einzige Schwachstelle.

          Erstmals seit dem Jahr 2003, als Apple weder das iPhone-Handy noch den Tabletcomputer iPad im Programm hatte, sind die Umsätze gefallen. Zum ersten Mal überhaupt waren die Verkaufszahlen für das iPhone rückläufig. Es gab nur wenige Lichtblicke, denn die Umsätze schrumpften in der Mehrheit der großen Produktkategorien sowie in fast allen Regionen der Welt. Es klang daher nicht allzu überzeugend, als Vorstandsvorsitzender Tim Cook in einer Telefonkonferenz die „strahlende Zukunft“ beschwor, die sein Unternehmen vor sich habe. Freilich musste auch Cook zugeben, dass Apple ein „herausforderndes Quartal“ erlebt und eine „Wachstumspause“ eingelegt habe.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für den erfolgsverwöhnten Konzern ist das eine Zäsur. Sie kommt zwar nicht ganz überraschend, da Apple die Finanzmärkte schon vor drei Monaten auf rückläufige Umsätze und schrumpfende iPhone-Absätze eingestellt hatte. Aber die Zahlen sind noch schlechter ausgefallen als erwartet. Der Aktienkurs von Apple verlor nachbörslich zeitweise mehr als 8 Prozent an Wert.

          Apple Watch kann iPhone-Delle nicht ausbügeln

          Das größte Problem von Apple ist die Delle im Geschäft mit dem iPhone, denn dieses Geschäft alleine steht für 65 Prozent des gesamten Umsatzes. Aber eine womöglich nicht minder ernüchternde Erkenntnis liefert die Entwicklung der vor fast genau einem Jahr herausgekommenen Computeruhr Apple Watch. Die Uhr ist für Apple von enormer strategischer Bedeutung. Es ist das erste ganz neue Gerät seit der Einführung des iPad im Jahr 2010 und auch seit Tim Cook das Unternehmen führt. Sie gilt daher ein Stück weit als Gradmesser, ob Apple auch unter Cook für revolutionäre Produkte wie das iPhone oder das iPad gut ist. Eine weitere starke Säule im Geschäft würde Apple auch helfen, die Abhängigkeit vom iPhone zu verringern.

          Davon ist die Apple Watch aber weit entfernt. Der Konzern weist zwar keine separaten Zahlen für die Uhr aus, sondern bündelt sie mit anderen Produkten wie dem Fernsehempfänger Apple TV oder dem Musikspieler iPod. Der kombinierte Absatz dieser Produkte lag aber im vergangenen Quartal nur bei 2,2 Milliarden Dollar. Das entsprach weniger als 5 Prozent des Konzernumsatzes und war kein allzu großer Sprung im Vergleich zu den 1,7 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr, als es die Apple Watch noch gar nicht gab.

          Cook äußerte sich diesmal deutlich weniger euphorisch über das Gerät als in vorangegangenen Berichtsperioden. Er sagte, die Uhr habe diesmal die Erwartungen erfüllt, in den Quartalen nach der Einführung jubelte er noch, die Erwartungen seien übertroffen worden. Er sah sich außerdem dazu bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass die Apple Watch einem ähnlichen Muster folge wie der iPod und ein sehr großer Teil des Umsatzes auf das Weihnachtsquartal entfalle. Das würde erklären, warum der Umsatz der Produktgruppe mit der Apple Watch diesmal nur halb so hoch war wie noch in den drei Monaten zuvor.

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