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Nach Preisabsprachen bei E-Books : Apple soll Verträge mit fünf Verlagen kündigen

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Der Schuldspruch für Apple im Verfahren um Preisabsprachen bei E-Books könnte dem gesamten Inhalte-Geschäft des iPhone-Konzerns in Amerika Zügel anzulegen. Das amerikanische Justizministerium strebt Einschränkungen auch für andere Medienarten an.

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          Apple drohen nach dem verlorenen Prozess um Preisabsprachen bei E-Books deutliche Einschränkungen im Geschäft mit digitalen Inhalten in Amerika. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten legte am Freitag Vorschläge vor, die Apple für mehrere Jahre Zügel anlegen würden. Der Technolgiekonzern soll seine Verträge mit fünf Verlagen beenden. Dabei handelt es sich um Hachette Book Group, HarperCollins Publishers LLC, Holtzbrinck Publishers LLC, die unter dem Namen Macmillan agiert, Penguin Group Inc und Simon & Schuster Inc. Mit diesen Verlagen hat das Unternehmen widerrechtliche Absprachen getroffen, hatte eine amerikanische Richterin jüngst geurteilt.

          Zudem soll Apple fünf Jahre lang keine neuen Verträge für den Vertrieb von elektronischen Büchern abschließen dürfen. Der Konzern muss zudem zulassen, dass andere Anbieter von E-Books wie Amazon und Barnes & Noble in ihren Apps Links zu ihren eigenen E-Bookstores anzeigen dürfen.

          Eine Anhörung zum Vorschlag des Justizministeriums und von 33 Generalstaatsanwälten ist für den 9. August geplant. Über die Vorschläge muss das Gericht entscheiden. Apple will allerdings noch gegen das Urteil von Anfang Juli vorgehen. Das Justizministerium und Staatsanwälte von amerikanischen Bundesstaaten hatten dem Konzern und fünf Verlagshäusern vorgeworfen, beim iPad-Start vor gut drei Jahren durch illegale Absprachen die Preise für digitale Bücher in Amerika hochgeschraubt zu haben. Die Verlage hatten sich mit den Behörden auf Vergleiche geeinigt. Apple kämpfte weiter - und verlor vor Gericht.

          Jetzt will das Justizministerium auch, dass die aktuellen Verträge zwischen Apple und den Buchkonzernen gekündigt werden. Neue Vereinbarungen, bei denen Apple nicht mit anderen beim Preis konkurrieren müsste, sollen dem iPhone-Anbieter für fünf Jahre untersagt werden. Das Gericht solle einen externen Aufseher berufen, der die Einhaltung der Regeln überwachen müsste - sein Gehalt müsste Apple bezahlen.

          Als Apple 2010 das iPad auf den Markt brachte, dominierte Amazon das Geschäft mit digitalen Büchern. Der weltgrößte Onlinehändler verkaufte dabei aktuelle Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte besonders günstig für 9,99 Dollar. Dabei zahlte Amazon den Verlagen beim Einkauf der Titel einige Dollar pro E-Book mehr, wie im Zuge des Verfahrens bekannt wurde. Die Buchbranche war mit den Dumpingpreisen bei Amazon unzufrieden, weil sie befürchtete, dass mit dem Verramschen ihrer Titel die Leser künftig generell niedrigere Preise erwarteten.

          Die Verlage sahen im Markteintritt von Apple die Chance, einen Gegenpol zu Amazon aufzubauen. Unter der Regie von iTunes-Chef Eddy Cue und des Firmengründers Steve Jobs einigte sich Apple mit den amerikanischen Verlagen auf ein sogenanntes Agentur-Modell, das ähnlich wie die deutsche Buchpreisbindung funktioniert. Dabei bestimmen die Verlage den Preis. Apple sicherte sich die übliche Kommission von 30 Prozent.

          Eine Klausel legte zudem fest, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommen konnte als Apple. Mit diesem Druckmittel in der Hinterhand stellten die Verlage laut den Gerichtsunterlagen Amazon ein Ultimatum: Der Online-Händler sollte entweder auch zu einem Agentur-Modell wechseln oder länger auf neue Titel warten müssen. Amazon lenkte ein. Laut der Klageschrift stiegen die Preise von 9,99 Dollar auf 12,99 oder sogar 14,99 Dollar.

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