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Lieferkette : Wie das iPhone zum Kunden kommt

Von der Herstellung kommen die neuen iPhone-Modelle per Luftfracht zum Kunden Bild: Picture Alliance

Damit Apple-Kunden nicht noch länger auf ihre neuen iPhone-Modelle warten müssen, verschickt das Unternehmen die Pakete von der Fabrik aus per Luftfracht. Über GPS haben wir die Logistikkette verfolgt.

          Die Welt ist ein Dorf. Gelesen hat man diesen Satz häufig. Aber Konsumenten kommen meist nur mittelbar in Kontakt mit der Effizienz der weltumspannenden Logistikketten, die dafür sorgen, dass Produkte in kürzester Zeit aus entlegensten Orten zu ihrem Ziel gebracht werden. Die Ware ist eben da, auf welchem Weg auch immer sie zuvor in den Laden gekommen ist.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Wenn ein Produkt knapp und besonders stark nachgefragt ist, kann das aber anders sein. Wer zum Beispiel am Tag der Markteinführung, also dem 20.September, ein neues iPhone 5s beim Elektronikkonzern Apple bestellt hat, bekommt in diesen Tagen zu seinem doch etwas überteuerten Telefon immerhin einen kostenlosen Minikurs in Sachen Globalisierung mitgeliefert.

          Denn Apple verschickt die Telefone, auf die Besteller nun seit gut zwei Wochen warten, direkt von der Fabrik aus per Luftfracht in individuell verpackten Paketen an den Endkunden. Ein Sprecher des Unternehmens begründet diesen wenig umweltfreundlichen Service mit der ebenso wenig kundenfreundlichen Lieferzeit. Die direkte Zustellung aus der Fabrik in den Privathaushalt sei mithin eine Ausnahme, um die Kunden nicht weiter zu verärgern – allerdings eine faszinierende.

          Als Logistikdienstleister hat Apple das amerikanische Unternehmen UPS beauftragt, und über eine „Tracking“-Nummer lässt sich auf der Website von UPS minutiös verfolgen, in welchem Tempo die Ware die weit entfernte Produktionsstätte verlässt: produziert am Samstag, dem 5.Oktober, offenbar in oder in der Nähe der chinesischen Stadt Shenzhen, zugestellt am Montagnachmittag, dem 7.Oktober, in Frankfurt. So schnell kann es gehen: Dazwischen war das Gerät unterwegs nach Hongkong, von dort vom Flughafen Chek Lap Kok per Luftfracht nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dann zum Flughafen Köln-Bonn. Es folgt der Import nach Deutschland; nach weniger als vier Stunden geht das Telefon nach Frankfurt – und dort ab 7:09 Uhr in die Zustellung.

          Öffnen

          Zeit wird nirgendwo verloren. Und über den Preis, den Apple für diese Eile zahlt, kann der Sprecher nur trocken feststellen, er sei „hoch“. Andererseits ist es für das Unternehmen ein Preis, den es gerne zahlt, konnte man doch kurz nach dem Verkaufsstart des Telefons bekanntgeben, innerhalb von drei Tagen 9 Millionen Stück des iPhone 5s und des nur unwesentlich günstigeren Modells 5c verkauft zu haben. Fairerweise muss man auch einräumen, dass Apple nennenswerte Anstrengungen unternimmt, den ökologischen Fußabdruck seiner Produkte zu verkleinern. So ist die Verpackung eines iPhone gegenüber dem Ursprungsmodell inzwischen so geschrumpft, dass durch alle 416.667 transportierten Geräte ein Flug mit einer Boeing 747 eingespart wird. Immerhin.