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iTunes Store : Herrscher der Töne

Mit einem Klick gekauft: Apple kassiert rund ein Drittel des Ladenpreises von jedem verkauften Song Bild: ddp

Seit der Gründung vor zehn Jahren wurden über den iTunes Store mehr als 25 Milliarden Musikstücke verkauft. Dadurch ist Apple zum mächtigsten Unternehmen der Musikindustrie geworden.

          5 Min.

          Der größte Plattenladen der Welt hat niemals geschlossen: Jede Minute verkauft Apple über seinen iTunes Store im Internet 24.000 Musikstücke. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und in 119 Ländern rund um den Globus. Der Computerkonzern aus Kalifornien führt mehr als 26 Millionen verschiedene Titel in seinem Angebot - die Nocturnes und Gangnam Style, Andre Rieu und indische Independent-Bands. Seit der Gründung hat Apple über 25 Milliarden Musikstücke verkauft. Wenn man die alle einzeln auf CD brennen würde, dann wäre der Plastikhüllen-Stapel 250.000 Kilometer hoch - zwei Drittel der Entfernung zwischen Erde und Mond.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt feiert der iTunes Store seinen zehnten Geburtstag. Am 28. April 2003 stellte ihn der vor anderthalb Jahren verstorbene Apple-Chef Steve Jobs in San Francisco vor. Noch nie in der Geschichte der Musikindustrie war ein einzelnes Unternehmen so mächtig wie heute Apple. Das Unternehmen kontrolliert rund zwei Drittel des Musikvertriebs im Internet, der wiederum 34 Prozent des Gesamtmarkts ausmacht und stark wächst. Insgesamt wird also fast jedes vierte Musikstück auf der Welt über iTunes verkauft.

          Ist Apple zu mächtig geworden? „Die kurze Antwort darauf lautet: nein“, sagt der Branchenveteran Martin Mills, Chef der Londoner Plattenfirma Beggars Group, „Aber das stimmt nur, weil Apple mit seiner Macht verantwortungsvoll umgeht“, sagt Mills, der mit der Retrosoul-Sängerin Adele die derzeit erfolgreichste Musikerin der Welt unter Vertrag hat. „Wenn ein einzelnes Unternehmen einen so großen Marktanteil kontrolliert, dann wäre das für jeden Wirtschaftszweig potentiell ungesund.“ So sehen das viele in der Branche.

          Ohne iTunes wäre alles noch viel schlimmer gekommen

          Apple kassiert rund ein Drittel des Ladenpreises von jedem verkauften Musikstück, hat aber in der Vergangenheit stets mitgeteilt, der iTunes Store sei nur wenig profitabel. Der Apple-Guru Jobs war ein fanatischer Fan von Bob Dylan und den Beatles, die Macht in der Musikbranche hat er damals allerdings quasi aus Versehen übernommen: Es ging ihm vor allem darum, den Absatz des Apple-Musikspielers iPod weiter anzukurbeln. Apple hat damit aber auch den Plattenfirmen ein neues Leben geschenkt. Seit der Jahrtausendwende ist der Weltmarkt für Tonträger zwar um mehr als 45 Prozent geschrumpft.

          Aber ohne iTunes wäre alles noch viel schlimmer gekommen, denn das CD-Geschäft, von dem die Branche lange gut gelebt hat, stirbt. Immer weniger Kunden wollen noch Musik auf silbernen Plastikscheiben kaufen - und immer weniger Einzelhändler räumen für die CD noch Platz in ihren Regalen frei. „Machen wir uns nichts vor“, sagt Andrew Daw, Marketing-Manager beim weltgrößten Plattenlabel Universal Music in London. „In vielen Ländern ist das traditionelle Vertriebsmodell zusammengebrochen.“

          Dennoch ist der globale Tonträgermarkt dank neuer digitaler Vertriebskanäle 2012 zum ersten Mal seit 1999 wieder leicht gewachsen. In den Vereinigten Staaten, dem größten Musikmarkt der Welt, aber auch in Indien und Skandinavien machen Digitalverkäufe bereits mehr als die Hälfte der Umsätze aus. Deutschland ist eines von immer weniger Ländern, in denen Musikfans noch die CD schätzen. „Im Grunde sind wir ein digitales Schwellenland“, sagt Tim Renner, früherer Deutschland-Chef von Universal und heute Eigentümer des Berliner Musikunternehmens Motor Music.

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