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Investor Carl Icahn : Muss sich Apple Sorgen machen?

  • -Aktualisiert am

Vorbild für Gordon Gekko: Carl Icahn verdiente ein Vermögen mit Firmenübernahmen. Bild: REUTERS

Carl Icahn ist berüchtigt dafür, mit Unternehmensbeteiligungen viel Geld zu verdienen. Für die betroffenen Unternehmen endet das nicht immer gut. Doch Apple könnte auch profitieren.

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          Wenn Carl Icahn einsteigt, werden Manager nervös. Der 77 Jahre alte Multimilliardär ist bekannt dafür, substantielle Anteile an Unternehmen zu kaufen, von denen er glaubt, dass sie an der Börse unterbewertet sind. Er drängt dann mit aggressiven Strategien auf Veränderungen, von denen die Aktionäre profitieren - dazu gehören etwa Aktienrückkäufe oder Restrukturierungsmaßnahmen. In vielen dieser Fälle sind Icahn und sein Hedgefonds am Ende um viele Millionen reicher, während die betroffenen Unternehmen mit den nicht immer positiven Folgen kämpfen.

          Nun ist der legendäre Investor bei Apple eingestiegen: Icahn kaufte Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar und kündigte an, er halte den Kurs der Apple-Aktie für „extrem unterbewertet“. Als erstes forderte er, der Konzern solle ein Programm zum Aktienrückkauf starten, um seine riesigen Bargeldreserven zu reduzieren. Analysten beklagen schon länger, dass Apple nicht mehr so innovativ ist wie vor einigen Jahren: seit der Einführung des iPads im Jahr 2010 hat der Konzern keine wirklich neuen Produkte mehr auf den Markt gebracht, die Umsätze stagnieren und der Aktienkurs ist innerhalb des letzten Jahres um 40 Prozent gefallen. Müssen sich die Nachfolger von Steve Jobs also Sorgen machen?

          Beispiel Netflix

          Einiges spricht dafür: Icahn ist für seine Rücksichtslosigkeit bekannt. Er gilt als ein Vorbild für die Figur des Gordon Gekko, der in Oliver Stones Film „Wall Street“ 1987 als Inbegriff des skrupellosen Investors auftaucht. Berühmt und berüchtigt wurde er in den achtziger Jahren mit Übernahmen geschwächter Unternehmen. Icahn kaufte Firmen auf, stieß profitable Geschäftsbereiche ab und stieg am Ende mit hohem Gewinn wieder aus, während die betroffenen Unternehmen auf lange Zeit mit hoher Verschuldung kämpften oder gar Insolvenz anmelden mussten.

          In vielen Unternehmen breitet sich daher Unruhe aus, sobald Icahn auftaucht. Der Internet-Videodienst Netflix, an dem sich der Investor im vergangenen Herbst mit zehn Prozent beteiligte, reagierte auf dessen Aktienkauf zum Beispiel mit der Einführung einer sogenannten „Giftpille“, einer Strategie, die eine Übernahme erschweren soll. Der Vorstandsvorsitzende Reed Hastings machte sich offenbar Sorgen, dass Icahns Einfluss den Niedergang des Unternehmens zementieren könnte, das zu diesem Zeitpunkt mit sinkenden Nutzerzahlen und einem fallenden Aktienkurs zu kämpfen hatte.

          Apples Innovationsschwäche ist nicht Icahns Thema Nummer 1

          Doch wie sich Netflix seit dem vergangenen Herbst entwickelt hat, sollte den Managern bei Apple eher Hoffnung machen. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit November um das Dreieinhalbfache gestiegen, die Geschäftszahlen haben sich stark verbessert und mit der Produktion der Serie „House of Cards“ hat sich der Dienst, der bisher nur extern produzierte Filme und Serien anbot, ein neues Geschäftsfeld erschlossen. Icahns Entscheidung, sich bei Apple einzukaufen, könnte also auch darauf hindeuten, dass er einen neuen Innovationsschub erwartet. Apple hält sich mit Ankündigungen wie üblich bedeckt, es gibt aber Spekulationen über die Einführung einer Smartphone-Uhr und einer abgespeckten und damit günstigeren iPhone-Generation, die das stagnierende Geschäft wieder ankurbeln könnte. Immerhin stieg der Aktienkurs des Unternehmens nach Icahns Ankündigung innerhalb eines Tages um mehr als vier Prozent.

          Zudem könnte Icahns Engagement ein weiterer Schritt in der Weiterentwicklung von Apples Unternehmenskultur nach dem Tod von Steve Jobs sein. Bisher sind seine Forderungen mit der Strategie von Jobs‘ Nachfolger Tim Cook auf einer Linie: der hatte im vergangenen Jahr zum ersten Mal Dividendenausschüttungen an Aktionäre eingeführt und damit begonnen, die Unternehmensstruktur weniger personalisiert auszurichten.

          Doch daran, Apples Innovationsschwäche zu beheben, dürfte Icahn nur insofern Interesse haben, als es dem Aktienkurs und damit seiner persönlichen Bilanz nutzt. Sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, weiterhin innovative Produkte auf den Markt zu bringen oder sich wie Netflix neue Geschäftsbereiche zu erschließen, könnte Icahns Einfluss doch noch bedrohlich werden: wo zu viel Liquidität an die Aktionäre fließt, fehlen am Ende die Mittel für neue Entwicklungen.

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