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Apple-Chefjustiziar : „Die EU-Kommission nennt sinnlose Zahlen“

  • Aktualisiert am

Bruce Sewell Bild: dpa

Apple ist von der Steuer-Entscheidung der EU-Kommission konsterniert. Die genannten Zahlen seien falsch. Man zahle alle Steuern, und das meiste Geld gehöre nach Amerika, sagt der Apple Chefjustiziar Bruce Sewell im Gespräch mit der F.A.Z.

          3 Min.

          Herr Sewell, Apple gibt immer vor, es gehe dem Unternehmen darum, stets das Richtige zu tun. Aber wie passt das mit dem effektiven Steuersatz von 0,005 Prozent zusammen, den Sie nach Angaben der Europäischen Kommission im Jahr 2014 auf die kombinierten Gewinne in Europa und in Irland bezahlt haben?

          Wir bezahlten Steuern in der gesetzlichen Höhe von 12,5 Prozent auf unsere Gewinne, die sich auf unsere Aktivitäten in Irland beziehen. Wir verstehen nicht, woher die Zahlen der Kommission kommen. Wir haben im Jahr 2014 insgesamt 400 Millionen Dollar Gewinnsteuern in Irland bezahlt. Darüber hinaus haben wir 400 Millionen Dollar an amerikanischen Unternehmenssteuern auf diese Gewinne gezahlt. Zudem haben wir in unserer Bilanz auch mehrere Milliarden Dollar an amerikanischen Unternehmenssteuern zeitversetzt abgegrenzt. Um zu diesem sinnlosen Prozentsatz von 0,005 zu kommen, ignoriert die Kommission völlig die Tatsache, dass der größte Teil dieses Gewinns der Besteuerung in den Vereinigten Staaten von Amerika unterliegt.

          +++ Lesen Sie das Interview in Orginalsprache: Hier geht's zur englischen Version +++

          Und die geringe Summe für das Jahr 2014, auf der die Europäische Kommission beharrt, ist in Ihren Augen nicht verwerflich?

          Wir können nicht verstehen, wo diese Zahlen herkommen. Wir haben mehr Steuern bezahlt, als die Kommission behauptet.

          Und Ihre Tochtergesellschaft in Irland hat nicht ausschließlich das Ziel, die Zahlung von Steuern zu vermeiden?

          Absolut nicht. Wir kamen im Jahr 1980 nach Irland, als unser Unternehmen nach Übersee expandierte und auf der Suche nach talentierten und gut ausgebildeten Arbeitskräften war. Wir waren ein sehr kleines Unternehmen zu der Zeit, wir nahmen unsere Tätigkeit in Irland mit 60 Mitarbeitern auf. Heute beschäftigen wir dort 6000 Menschen. Und wir glauben, dass wir der größte Steuerzahler in Irland sind.

          Gibt es da nicht noch eine andere Unternehmung von Apple, die keine Mitarbeiter hat, dafür aber große Gewinne verbucht?

          Wir führten dort eine sogenannte gebietsfremde Gesellschaft nach irischem Recht. Dieses Unternehmen war für unsere wertvollsten Vermögenswerte verantwortlich, einschließlich Forschung und Entwicklung, unser geistiges Eigentum und unsere Markenrechte außerhalb Amerikas. Dies sind alles Vermögenswerte, die sich aus der Tätigkeit an unserem Hauptsitz im kalifornischen Cupertino ableiten. Das Unternehmen hatte kein Büro oder Mitarbeiter in Irland, weil es kein operatives Geschäft zu betreuen hatte, und seine Aufgaben nicht spezifisch auf Irland bezogen waren. Im Hinblick darauf, wie ihre Gewinne besteuert werden, diktieren internationalen Steuerregeln, dass sie die Körperschaftsteuer dort bezahlen, wo der entsprechende Wert entsteht. Zu versuchen, all’ diese Gewinne auf diese kleine, in Irland ansässige Gesellschaft zu beziehen, würde bedeuten, dass jeder Gewinn aus unseren Verkäufen etwa in Indien oder Afrika auf die Aktivitäten in Irland zuzurechnen wären – und dort versteuert werden müssten. Das aber macht ganz einfach keinen Sinn.

          Stimmt es denn nicht, dass Apple, gemessen an den erzielten Gewinnen durch den Verkauf seiner Produkte, sehr niedrige Steuern zahlt?

          Nein, das ist nicht wahr. Wir zahlen Steuern auf unsere Tätigkeit in Irland in der gesetzlichen Höhe von 12,5 Prozent. Wir sind der größte Steuerzahler in Irland, der größte Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und der größte Steuerzahler in der Welt. Wir zahlten im vergangenen Jahr 13 Milliarden Dollar Steuern. Unser Steuersatz, bezogen auf die gesamten Gewinne auf der Welt, lag bei 26,4Prozent. Hier geht es also nicht um einen Streit darüber, wie viele Steuern wir zahlen, sondern wo wir sie bezahlen. Die Europäische Kommission scheint zu glauben, dass diese Gewinne in Irland zu besteuern sind, obwohl sie auf unseren Hauptsitz in Cupertino zurückzuführen sind und dort besteuert werden müssen.

          Aber Sie verstehen doch, dass es hierzulande und in Europa nicht akzeptiert wird, dass Sie hier so geringe Steuern auf Ihre Gewinne zahlen?

          Dieser Eindruck beruht eben auf Fehlinformationen. Wir zahlen alle unsere Steuern, wir gehorchen allen Gesetzen, und wir zahlen Steuern auf die Gewinne in Irland in Höhe von 12,5 Prozent.

          Und nun?

          Wir werden gegen die Entscheidung der Kommission Berufung einlegen.

          Wird Apple Irland treu bleiben?

          Wir werden dort weiter investieren. Allerdings befürchten wir, dass nach dieser Entscheidung Europa für ausländische Investoren weniger attraktiv geworden ist. Was denken Sie: Sollte die Kommission etwa das Recht für sich reklamieren, auch über die Steuerpolitik Ihres Landes zu entscheiden?

          Die Kommission geht wegen unerlaubter staatlicher Beihilfen gegen Sie vor. Das ist ein scharfes Schwert. Wie besorgt sind Sie?

          Wir sind davon überzeugt, dass wir uns immer korrekt verhalten und alle Steuern bezahlt haben.

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