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iPhone-Hersteller : Apples Werbung mit dem Datenschutz

Bild: AP

Das Unternehmen betont Datenschutz nicht erst seit der Forderung des FBI, Zugang zu einem Smartphone zu erhalten. Apple will sich so von Wettbewerbern absetzen.

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          Die letzte große Aufregung um die Daten von Apple-Nutzern ist nun schon eine Weile her. Im Frühjahr vor fünf Jahren hatten zwei britische Fachmänner nachgewiesen, dass iPhones und iPads in einer lokalen Datenbank aufzeichneten, in welche Funknetzwerke oder Mobilfunkstationen sie sich einwählten. Wer diese nicht verschlüsselten Daten auslas, konnte ein recht genaues Bewegungsprofil der betroffenen Nutzer erstellen.

          Apple argumentierte damals, dass der genaue Aufenthaltsort nicht erfasst werde. Die Datenbank könne aber helfen, die Position eines iPhones schneller zu bestimmen. Nach einiger Kritik kündigte das Unternehmen an, weniger Daten zu sammeln und von den betroffenen Geräten zu löschen, wenn der Nutzer die Funktion „Ortungsdienste“ ausschaltet. Apple glaube daran, dass die Sicherheit von persönlichen Informationen und der Privatsphäre wichtig sei, hieß es in den zehn Fragen und Antworten, mit denen das Unternehmen damals versuchte, die Nutzer zu besänftigen.

          Diesen Ansatz hat der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook nun auch noch einmal Anfang dieser Woche betont, als er sich in einem offenen Brief empört über eine Anordnung einer amerikanischen Richterin zeigte. Die Richterin hatte entschieden, dass Apple der amerikanischen Bundespolizei FBI Zugang zu einem Smartphone zu gewähren habe, das einem der mutmaßlichen Attentäter von San Bernardino gehört. Cook argumentierte, dass dies technisch nicht möglich sei. Zudem bedeute diese Forderung, „einen noch nie dagewesenen Schritt zu unternehmen, der die Sicherheit unserer Kunden bedroht“.

          Kritik an der Konkurrenz

          Der Brief ist nicht das erste Mal, dass sich Cook und sein Unternehmen das Thema Datenschutz auf die Fahne schreiben. Genau genommen tun sie das seit gut anderthalb Jahren in regelmäßiger Folge. Im September 2014 richtete das Unternehmen eine dezidierte Internetseite ein, auf der es über den Privatsphäreschutz informiert. Auch dort wendet sich Cook in Briefform an die Nutzer. Und ohne die eigene Konkurrenz beim Namen zu nennen, setzt er sich dort von ihr ab. „Unser Geschäftsmodell ist klar: Wir verkaufen großartige Produkte“, schreibt der Vorstandsvorsitzende dort. „Wir bauen kein Profil auf Basis des Inhalts Eurer E-Mails oder Eurer Gewohnheiten beim Internetsurfen, um es an werbetreibende Unternehmen zu verkaufen.“ Damit beschreibt Cook ziemlich präzise die Geschäftsmodelle von Unternehmen, die mit Werbeanzeigen ihr Geld verdienen - etwa das soziale Netzwerk Facebook oder die Suchmaschine Google.

          Die Kritik an vermeintlich kostenlosen Diensten, die Nutzer mit Daten bezahlen, hat Cook seitdem des Öfteren wiederholt. Zudem sprach er sich im März vor einem Jahr deutlich gegen Internetüberwachung von Staatenseite aus. „Keiner von uns sollte akzeptieren, dass die Regierung oder ein Unternehmen Zugang zu allen unseren privaten Informationen hätte“, sagte er der britischen Zeitung „Daily Telegraph“. Privatsphäre sei ein grundlegendes Menschenrecht. „Wir sollten es nicht aufgeben.“

          Lob von Datenschützern

          Dass sich Apple in Sachen Datenschutz gegenüber Regierungen in den vergangenen Jahren bewegt hat, konstatiert die Electronic Frontier Foundation. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation setzt sich für Verbraucherrechte in der Informationsgesellschaft ein und veröffentlicht seit fünf Jahren einen Bericht, in dem aufgelistet wird, wie Internet- und Technikkonzerne reagieren, wenn Behörden nach Nutzerdaten anfragen.

          Zu den geprüften Kriterien zählt etwa, ob ein Unternehmen Kunden und Nutzer über Datenanfragen von Behörden informiert oder ob es sich dagegen wehrt, Hintertüren für Ermittlungsbehörden einzubauen. Im zuletzt veröffentlichten Bericht vom Juni vergangenen Jahres empfahl die Electronic Frontier Foundation Apple „für seine starke Haltung, was Nutzerrechte, Transparenz und Privatsphäre betrifft“. Das Unternehmen erreichte in fünf geprüften Kategorien fünf Punkte. Andere Unternehmen schnitten schlechter ab. Facebook erhielt vier Punkte, Google drei Punkte.

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